Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Grasbewachsene Hänge
- Fußgängerbrücke Bavobrug
- Uferpromenade Veerkaai
Die Geschichte des Ortes
An der Stelle der grasbewachsenen Hänge des Veermanplein verlief die Veerstraat – die Uferstraße der Fähre. Sie zog sich am Riep entlang, einem Arm der Unteren Schelde, bis zu dessen Mündung in die Leie. Hier nahmen Fährleute Menschen in ihre Boote auf und brachten sie ans andere Ufer, zu der Siedlung bei der St.-Bavo-Abtei. Eine feste Brücke gab es auf dieser Verbindung nicht. Die Bewohner brauchten eine Überfahrt, der Fährmann erhielt Arbeit, und der Weg zu seinem Boot bekam einen Namen. Veermanplein bedeutet wörtlich „Platz des Fährmanns“.
Die Straße bewahrte noch einen weiteren Namen, diesmal einen menschlichen. Am dritten Juli achtzehnhundertzweiundvierzig wurde Karel Waeri, der spätere Volkssänger, in der Familie der Heimarbeiterweber Pierre Waeri und Pauline De Badts geboren. Als sein Vater seine Stelle als Ausbilder an einer Weberschule verlor, musste der vierzehnjährige Karel gemeinsam mit Erwachsenen Geld verdienen. Er arbeitete als Weber und als Bäckergehilfe. Während der Baumwollkrise des Jahres achtzehnhundertzweiundsechzig wurden die Verdienstmöglichkeiten noch geringer, und Karel begann mit seinem Bruder Jan, sonntags in Gaststätten zur Geige zu singen.
Die Lieder erwiesen sich als verlässlicher als das Handwerk. Die Brüder gingen zu Fuß durch Städte und Dörfer Flanderns; Karel schrieb neue Strophen, weil das Publikum für etwas zahlte, das es noch nicht gehört hatte. Später verdiente er gemeinsam mit seiner Frau, der Sängerin Sidonie De Meyer, durch Auftritte genug, damit alle sechs ihrer Kinder das Konservatorium besuchen konnten. Waeri schrieb im Genter Dialekt über den Alltag, verspottete städtischen Dünkel, Beamte und Geistliche und sang spätabends zweideutige Lieder, die er „fette“ nannte.
Im Jahr achtzehnhundertsechsundsiebzig zog er wieder in die Veerstraat. Vier Jahre später war Waeri in den Stadtbüchern als Wirt der Gaststätte „In de Klaver“ – „Im Klee“ – verzeichnet. Danach zog die Familie fort, doch im Februar achtzehnhundertsiebenundneunzig kehrte der Sänger in die Straße seiner Geburt zurück. Auftreten konnte er schon fast nicht mehr, schrieb aber weiter. Am fünfzehnten März achtzehnhundertachtundneunzig starb Waeri hier nach kurzer Krankheit. Ein Jahr später gab sein Sohn Pieter zweihundertdreißig Lieder seines Vaters heraus; ein beträchtlicher Teil der übrigen, deren Zahl bei etwa fünfhundert gelegen haben könnte, verschwand.
Zu Beginn der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Häuser der Veerstraat für einen Turm der Verwaltung für Telegrafie und Telefonie abgerissen. Weder das Haus, in dem Waeri geboren wurde, noch das Haus, in das er vor seinem Tod zurückkehrte, sind erhalten. Über das Wasser führt heute die Fußgängerbrücke Bavobrug, die im Jahr zweitausendsieben gebaut wurde. Auch der Fährmann ist hier längst verschwunden; von seinem Anleger blieben die Namen Veerkaai und Veermanplein, und vom Sänger der verschwundenen Straße die von seinem Sohn gedruckten Lieder.
Praktisch vor Ort
Offene Uferpromenade und Stadtplatz; der Zugang kann durch Rad- und Fußgängerverkehr eingeschränkt sein.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Hier ist es wichtiger, das Wasser mit dem heutigen Maßstab der Bebauung zu vergleichen, als nach dem erhaltenen Haus des Sängers oder dem alten Anleger zu suchen: Sie sind nicht mehr da.
