Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Flussbett von De Reep
- Abgesenkte Uferpromenade
- Alte Flussbettwände
- Wijdenaardbrug
Die Geschichte des Ortes
Am sechzehnten August neunzehnhundertsechzig fuhren die ersten mit Erde beladenen Lastwagen zur Wijdenaardbrug. Die städtischen Beamten wollten zweihundert Meter der Unteren Schelde von der Karte tilgen – jenes Flussabschnitts, der durch das Zentrum von Gent verläuft und hier De Reep heißt.
Ihre Entscheidung erklärte sich aus ganz alltäglichen Bedürfnissen. Nach dem Bau des Ringvaart fuhren Frachtschiffe am Zentrum vorbei. In die städtischen Wasserläufe wurde noch Abwasser eingeleitet, und die rasch wachsende Zahl von Autos brauchte Parkplätze. Die Beamten beschlossen, das für die Schifffahrt überflüssig gewordene Flussbett zuzuschütten, das verschmutzte Wasser zu verbergen und Platz für Autos zu gewinnen.
Die Kommission für Denkmäler und Stadtansichten wurde nicht über das Projekt informiert. Ihre Mitglieder konnten erst nach Beginn der Arbeiten Einspruch erheben: Sie erinnerten daran, dass hier die historische Stadtgrenze verlief und sich der tatsächliche Zusammenfluss von Leie und Schelde befand. Ihre Beschwerde änderte nichts. In das Flussbett wurde Sand geschüttet, der beim Bau eben jenes Ringvaart ausgehoben worden war, der die Schiffe von hier weggeführt hatte. Bulldozer ebneten die Aufschüttung ein, darüber kam Asphalt. Achtundfünfzig Jahre lang vereinigten sich die beiden Flüsse erst außerhalb des Zentrums.
Das Wort „Reep“ bezeichnete ursprünglich einen geraden Landstreifen am Wasser – so hieß die hiesige Uferpromenade, später auch der Abschnitt der Schelde selbst. Nach der Zuschüttung blieb der Name an der Straße erhalten, obwohl sich neben ihr kein Wasser mehr befand.
Als das Abwasser in die Kanalisation abgeleitet wurde, entfiel der frühere Grund für die Zuschüttung. Im Jahr zweitausendzwei begannen die städtischen und flämischen Wasserbehörden, den Fluss zurückzubringen. Sie mussten drei Brücken und eine Schleuse bauen, Abschnitte mit unterschiedlichem Wasserstand verbinden und die alten Ufermauern sichern: Unter der Erde hatte ihr Mauerwerk seine Stabilität verloren. Das Projekt zog sich so lange hin, dass im Januar zweitausendvierzehn ein Teilnehmer eines städtischen Architekturforums eine Seite mit dem Versprechen erstellte: Wenn tausend Markierungen zusammenkämen, würden die Bewohner De Reep selbst ausgraben. Als er am Abend nach Hause zurückkehrte, sah er, dass die erforderliche Zahl bereits überschritten war.
Am fünfundzwanzigsten Januar kamen Dutzende Einwohner von Gent mit Schaufeln hierher. Sie gelangten nicht bis zum Fluss – die Aktion war symbolisch –, doch danach veröffentlichten die städtischen Dienste einen neuen Zeitplan. Die eigentlichen Arbeiten begannen erst im November zweitausendsechzehn. Die Bauarbeiter fuhren dreizehntausend Kubikmeter der Aufschüttung ab und bewahrten die alten Flussbettwände.
Am vierundzwanzigsten September zweitausendachtzehn entfernten Arbeiter an der Wijdenaardbrug die letzte Erdschwelle. Das Wasser erreichte wieder Portus Ganda, und die Scaldissluis eröffnete kleinen Booten einen Rundweg durch das Zentrum. Das heutige Flussbett verläuft genau dort, wo im Jahr neunzehnhundertsechzig Kipplaster entladen wurden, und die abgesenkte Uferpromenade nimmt den Rand des ehemaligen Parkplatzes ein.
Praktisch vor Ort
Offene städtische Uferpromenade; an der Schleuse und den Brücken sind Verkehrsbeschränkungen möglich.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie den Kanal als moderne Wiederherstellung einer historischen Verbindung, nicht als unberührten Rest des alten Gent; Sie müssen nicht bis direkt an den Wasserrand gehen.
