Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Achteckiger Baukörper
- Marmorverkleidung
- Dantes Zeilen am Sockel auf der Seite der Via dei Calzaiuoli
Die Geschichte des Ortes
Dante Alighieri, ein Bürger von Florenz und künftiger Autor von Die Göttliche Komödie, durchbrach einst einen Teil des Taufbeckens von San Giovanni, um ein ertrinkendes Kind zu retten. Das berichtete er selbst. Frühe Kommentatoren präzisierten: Das Kind spielte mit anderen Kindern und blieb in einer der kleinen Vertiefungen rund um das große Taufbecken stecken. Was Dante genau zerbrach – den Marmor oder einen hölzernen Deckel, der die Vertiefung verschloss –, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Tat blieb als Beschädigung eines Heiligtums in Erinnerung, und viele Jahre später musste der Dichter in der Hölle erklären: Er tat es, um einen Menschen zu retten.
Im Zentrum des Baptisteriums stand damals ein großes Taufbecken für die Taufe durch Untertauchen. Darum herum befanden sich vier kleine Nischen; über ihre genaue Gestaltung diskutieren Forschende bis heute. Das Baptisterium war eine eigenständige Taufkirche, und sein Taufbecken blieb jahrhundertelang das einzige für Florenz und seine Vororte. Hierher brachte man die Säuglinge der Stadt, hier trug man ihre Namen ein und nahm sie in die christliche Gemeinschaft auf.
San Giovanni ist Johannes der Täufer, der Prediger, der Jesus nach den Evangelien im Jordan taufte. Die Florentiner verehrten Johannes als Schutzpatron der Stadt, deshalb widmete man ihm die Taufkirche. Auch Dante selbst wurde hier getauft.
Im Jahr eintausenddreihundertzwei war Dante bereits ehemaliger Prior – einer der höchsten gewählten Amtsträger von Florenz – und gehörte der Partei der Weißen Guelfen an. Ihre Gegner, die Schwarzen Guelfen, nahmen die Stadt ein und schalteten ihre Rivalen aus. Dante wurde des Amtsmissbrauchs beschuldigt und zu Verbannung sowie einer Geldstrafe von fünfhundert Florin verurteilt. Er erschien nicht vor Gericht und zahlte nicht. Ein zweites Urteil erlaubte, ihn zu verbrennen, falls er Florentiner Beamten in die Hände fiel.
Dante verlor sein Haus und die Einkünfte aus dem städtischen Dienst. Im Exil war er auf die Unterkunft bei Herrschern verschiedener italienischer Gebiete angewiesen, erfüllte ihre Aufträge und schrieb weiter an Die Göttliche Komödie. Als er am Paradies arbeitete, nannte er die Bedingung für seine Rückkehr: Wenn das Gedicht die Florentiner dazu bringe, ihn wieder aufzunehmen, werde er zum Taufbecken kommen, an dem er getauft worden war, und dort den Lorbeerkranz eines anerkannten Dichters erhalten.
Den florentinischen Kranz erhielt Dante nicht. Im Jahr eintausenddreihunderteinundzwanzig starb er in Ravenna, wo seine sterblichen Überreste geblieben sind. Auch das ihm vertraute Taufbecken verschwand. Im Jahr eintausendfünfhundertsiebenundsiebzig ließ der Architekt Bernardo Buontalenti es auf Befehl des Großherzogs Francesco des Ersten abbauen, um die Mitte des Gebäudes für den zeremoniellen Schmuck bei der Taufe des herzoglichen Sohnes, Filippo de’ Medici, freizumachen. Erhaltene Teile des Taufbeckens befinden sich heute im Lapidarium des Museo dell’Opera del Duomo.
Am Sockel des Baptisteriums auf der Seite der Via dei Calzaiuoli sind Zeilen eingemeißelt, in denen Dante auf seine Rückkehr an den Ort seiner Taufe hofft. Hinter dieser Mauer steht sein Taufbecken nicht mehr. Geblieben sind seine Bruchstücke im Museum und das Versprechen des Verbannten, das für immer an San Giovanni gerichtet ist.
Praktisch vor Ort
Der Eintritt erfolgt mit einem gültigen Pass für den Komplex Opera del Duomo; die Öffnungszeiten ändern sich je nach Datum und Arbeiten, und einzelne Bereiche im Inneren können teilweise durch Restaurierungsarbeiten verdeckt sein.
Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Außentüren sind Kopien; die Originale befinden sich im Museo dell’Opera del Duomo. Das Grabmal von Baldassarre Cossa ist nur bei einem gesonderten Besuch des Innenraums zu sehen.
