Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Der steinerne heilige Blasius mit einem Stadtmodell
- Der äußere Bogen
- Die halbrunde Befestigungsanlage
- Die inneren Tore
Die Geschichte des Ortes
Jeden Abend zog man den hölzernen Teil der Brücke vor diesem Tor hoch, verriegelte die Torflügel und übergab die Schlüssel dem Rektor – dem für einen Monat gewählten Oberhaupt der Republik Ragusa. Die örtliche Bezeichnung „Pile-Tor“ bedeutet Tor von der Seite von Pile, der westlichen Vorstadt außerhalb der Mauer. Durch den äußeren Bogen, die halbrunde Befestigungsanlage und das zweite Tor führte die wichtigste Landstraße in die Stadt.
Im Frühjahr achtzehnhundertsechs hing das Schicksal der Republik davon ab, ob sich diese Torflügel öffnen würden. Nach den Siegen Napoleons erhielt Frankreich Dalmatien und die Bucht von Kotor, doch Kotor war von russischen Truppen besetzt. Dazwischen lag das kleine neutrale Dubrovnik (historisch Ragusa), das in europäischen Dokumenten Ragusa genannt wurde. Seine Kaufleute lebten vom Seehandel: Unter neutraler Flagge konnten sie die Häfen gegnerischer Länder anlaufen.
Die Senatoren verstanden, dass der Durchzug der französischen Armee durch die Hauptstadt diesen Schutz zerstören würde. Sie schlugen vor, die Soldaten auf Schiffen entlang der Küste zu befördern und die Stadt zu umgehen. Französische Generäle versicherten, die Unabhängigkeit der Republik zu achten. Napoleon hatte jedoch General Jacques Alexandre Law de Lauriston bereits befohlen, Dubrovnik (historisch Ragusa) zu besetzen und die Einwohner zu entwaffnen.
Am Morgen des siebenundzwanzigsten Mai führte Lauriston etwa achthundert Soldaten zum Pile-Tor. Zwei Senatoren empfingen ihn am Eingang und geleiteten ihn zum Rektor und zum Kleinen Rat. Der General erklärte, er werde auf Befehl des Kaisers alle Befestigungen besetzen, versprach aber, der Republik ihre Freiheit zu bewahren. Die Herrscher von Dubrovnik (historisch Ragusa) übergaben die Schlüssel. Die Torflügel wurden aufgerissen, die Soldaten gingen durch das Tor und besetzten sofort die Türme, Bastionen und übrigen Zugänge zur Stadt.
Lauriston forderte von der Republik eine Million Francs. Um das Geld aufzubringen, ordneten die Senatoren an, das Silber aus Kirchen und Klöstern zu Münzen einzuschmelzen und die in ausländischen Banken verwahrten Gelder zu verkaufen. Klöster wurden zu Kasernen, öffentliche Paläste zu Lagerhäusern. Dann rückten russische und montenegrinische Abteilungen auf Dubrovnik (historisch Ragusa) zu, und die Franzosen mussten sich zusammen mit Tausenden Flüchtlingen innerhalb der Mauern einschließen. Die Belagerer schnitten die Wasserleitung ab; erst am sechsten Juli wurde die Belagerung aufgehoben, als der französische General Gabriel Molitor Verstärkung heranführte und sie von der Stadt zurückdrängte.
Die französischen Soldaten zogen danach nicht ab. Lauriston verbot den Schiffen von Dubrovnik (historisch Ragusa), unter der Flagge des heiligen Blasius, des Schutzpatrons der Republik, zu fahren, und verlangte anschließend, sein Banner vom Stadtplatz zu entfernen. Der Senat lehnte ab. Am einunddreißigsten Januar achtzehnhundertacht verlas der französische Befehlshaber Auguste de Marmont das Dekret über die Auflösung der Republik Ragusa.
Der steinerne heilige Blasius steht noch immer in der Nische über dem äußeren Bogen des Pile-Tors und hält ein Modell der Stadt in den Händen. Unter ihm verläuft genau jener westliche Zugang, durch den die Senatoren Soldaten einließen, die versprochen hatten, nur weiterzuziehen.
Praktisch vor Ort
Für die Besichtigung ist keine Eintrittskarte nötig. Am Tor herrscht ständiger Gegenverkehr; hören Sie deshalb am Rand der Plattform zu und bleiben Sie nicht im engen Durchgang stehen.
