Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zwei schlichte Kreuze
- Mauer mit vierzehn Namen
- Hof zum Steinezerschlagen
Die Geschichte des Ortes
Kilmainham Gaol dient heute als Museum, doch sein Hof bewahrt die Spuren der früheren Ordnung. Hier zerschlugen zu Zwangsarbeit verurteilte Gefangene von Hand Steine; die hohen Mauern trennen diesen Bereich noch immer von der Straße ab. An einer Mauer stehen zwei schlichte Kreuze, und zwischen ihnen sind vierzehn Namen aufgeführt. So wurde der Hof des alten Gefängnisses zu einem Ort des Gedenkens, der ohne Prunk gestaltet ist.
Bis zum Frühjahr neunzehnhundertsechzehn war Kilmainham bereits seit einigen Jahren nicht mehr als gewöhnliches Stadtgefängnis in Betrieb. Es war im Jahr siebzehnhundertsechsundneunzig als Gefängnis des County Dublin eröffnet, dann aus Spargründen geschlossen und der British Army übergeben worden. Das Militär brachte hier Rekruten unter und hielt festgenommene Soldaten gefangen. Deshalb wurden die Verurteilten nach dem Osteraufstand genau hierher gebracht: Bezugsfertige Zellen, Bewachung und ein von der Straße abgeschirmter Hof standen der Armee bereits zur Verfügung.
Irland gehörte damals zum Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland. Die ihm zugesagte parlamentarische Selbstverwaltung wurde für die Dauer des Ersten Weltkriegs aufgeschoben, und radikale Republikaner beschlossen, die vollständige Abtrennung zu erreichen. Am vierundzwanzigsten April besetzten bewaffnete Gruppen mehrere Gebäude in Dublin und proklamierten die Irische Republik.
Einer der Anführer des Aufstands war der siebenundvierzigjährige James Connolly. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Gewerkschaftsorganisator und Journalist; zu Hause blieben seine Frau Lillie und sechs Kinder zurück. Connolly befehligte die Irish Citizen Army, eine kleine bewaffnete Einheit der Gewerkschaftsbewegung, und setzte sich für eine unabhängige Republik ein. Er unterzeichnete ihre Proklamation und führte die Kämpfer vom General Post Office aus.
Sechs Tage später kapitulierten die Aufständischen. Connolly war schwer am Bein verletzt und wurde in das Krankenhaus von Dublin Castle gebracht. Dort führten drei Offiziere ein nichtöffentliches Feldgericht durch – ein beschleunigtes Militärverfahren ohne Anwalt, Publikum und wirksame Möglichkeit, das Urteil anzufechten. Connolly wurde zum Erschießen verurteilt.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Hinrichtungen in Kilmainham bereits begonnen. Vom dritten bis zum zwölften Mai erschoss das Militär hier vierzehn Anführer des Aufstands. Die Verurteilten hielt man im Westflügel fest, erlaubte ihnen letzte Briefe und kurze Treffen mit Angehörigen und führte sie dann in den Hof, in dem zuvor zu Zwangsarbeit verurteilte Gefangene von Hand Steine zerschlagen hatten.
Connolly wurde mit einem Krankenwagen ins Gefängnis gebracht. Er konnte nicht gehen: Soldaten trugen ihn auf einer Trage in den Hof und banden ihn an einen gewöhnlichen Stuhl. Die übrigen dreizehn Männer wurden an der gegenüberliegenden Mauer erschossen; für Connolly richtete man die Schützenlinie nahe dem Tor ein, durch das die Trage hereingetragen worden war. Am zwölften Mai wurde er der Letzte von vierzehn hier Hingerichteten.
Nach der Erschießung stellte ein Arzt den Tod fest. An der Kleidung wurde ein Namensschild befestigt, der Leichnam in den Krankenwagen geladen und in das Militärgefängnis Arbour Hill Prison gebracht. Dort legte man Connolly neben die anderen in ein gemeinsames namenloses Grab und bedeckte sie mit ungelöschtem Kalk.
Anfangs verurteilten viele Einwohner Dublins den Aufstand wegen der Toten und des zerstörten Stadtzentrums. Neun Tage nichtöffentlicher Gerichtsverfahren und aufeinanderfolgender Erschießungen veränderten die Haltung gegenüber den Gefangenen; besonders stark reagierte man auf die Hinrichtung des schwer verletzten Connolly. Sie war einer der Hauptgründe für den Wandel der öffentlichen Meinung. Die meisten verbliebenen Todesurteile wurden in Haftstrafen umgewandelt, freigelassene Teilnehmer des Aufstands empfing man als Helden, und bei den Wahlen im Jahr neunzehnhundertachtzehn siegte die republikanische Partei Sinn Féin.
Heute ist Kilmainham Gaol ein Museum. Im Hof, in dem die Gefangenen Steine zerschlugen, stehen zwei schlichte Kreuze: Eines markiert den Ort, an dem dreizehn Männer erschossen wurden, das andere den Ort, an den James Connolly auf einer Trage gebracht wurde. An der Mauer zwischen ihnen sind alle vierzehn Namen aufgeführt.
Praktisch vor Ort
Offiziell: Besucherzentrum Courthouse 09:30-17:15, Museum 10:30-17:15; Zugang zum Gaol nur im Rahmen einer Führung mit Online-Reservierung; geschlossen 24-27 Dezember.
Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Innenräume werden gesondert besichtigt; falls keine Führung geplant ist, kann die Erzählung an der Fassade angehört werden, ohne den Eingang aufzuhalten.
