Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinkuppeln
- Teilweise in den Boden eingelassene Räume
- Behälter für heißes und kaltes Wasser
- Gebäude des Frauenbads
Die Geschichte des Ortes
Die Steinkuppeln des Mädchenbads bedecken die in den Boden eingelassenen Räume. Im ersten ließ man die Kleidung zurück, im zweiten vollzog man die Waschung; kaltes und heißes Wasser hielt man getrennt, der Ofen wurde draußen beheizt, und die Wärme strömte durch Kanäle unter dem Steinboden. Die Räume waren für unverheiratete Mädchen bestimmt, und nördlich daneben ist ein separates Frauenbad für verheiratete Frauen erhalten. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hörte das Bad auf, seinem Zweck zu dienen, und nach der Restaurierung im Jahr neunzehnhundertzweiundneunzig eröffnete man hier ein Museum.
Zwei Tage vor der Hochzeit mietete die Familie des Bräutigams dieses Bad für einen ganzen Tag. Der Bräutigam wurde hier nicht erwartet. Die Braut wurde von der Enge – einer Frauenmentorin, die während der Hochzeitsriten für sie verantwortlich war –, von Freundinnen und weiblichen Verwandten des künftigen Ehemanns hierhergebracht. In wohlhabenden Familien mietete man für die Fahrt einen Phaeton.
Vor ihrer Ankunft bedeckte man Wände und Boden mit Teppichen. Aus den Häusern des Bräutigams und der Braut brachte man Süßigkeiten, Tee, Früchte, bunte Kerzen und Lampen mit runden Schirmen. Drei teilweise in den Boden eingelassene Räume ermöglichten es, das ganze Ritual hier abzuhalten: In einem zog man sich um, in einem anderen wusch man sich; das Wasser nahm man aus Behältern mit heißem und kaltem Wasser. Der Ofen befand sich draußen, und die erhitzte Luft strömte durch Kanäle unter dem Steinboden.
Die Freundinnen badeten die Braut und wuschen sich gemeinsam mit ihr in leichter Unterkleidung. Zum Schluss goss man der Braut feierlich einen Krug Sauermilch über den Kopf. Die Freundinnen benetzten damit ihre eigenen Zöpfe: Man glaubte, dass diejenige, die ihr Haar reichlicher damit bestrich, früher heiraten würde. So wurde hier ein Mädchen verabschiedet, während die anderen ihr künftiges Schicksal bereits auf sich selbst bezogen.
Nach der Waschung kleidete man die Braut in ein Hochzeitsgewand, das aus Stoffen genäht war, die der Bräutigam geschickt hatte. Die Frauen sangen ihr Loblieder und wünschten ihr Kinder. Dann führte man das Mädchen nach Hause: Ihr stand noch der Hennaabend bevor, und nach der Hochzeit der Umzug in das Haus des Ehemanns. Die Freundinnen kehrten wie zuvor hierher zurück, doch für die Braut schloss sich das Mädchenbad zusammen mit ihrer früheren Stellung in der Familie.
Deshalb stehen hier zwei verschiedene Räume nebeneinander. Dieser war nur für unverheiratete Mädchen bestimmt; das nördlich angrenzende Frauenbad für verheiratete Frauen. Die unmittelbare Nutzung des Komplexes endete Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, und nach der Restaurierung im Jahr neunzehnhundertzweiundneunzig eröffnete man hier ein Museum. Die Kuppeln, die Becken und das benachbarte Frauenbad bewahren jenen Weg, den die Braut einmal durchlief: aus dem Mädchenbad in die Ehe.
Praktisch vor Ort
Das Museum nennt als allgemeine Öffnungszeit täglich 09:00–18:00; der tatsächliche Zugang zu dieser Abteilung muss vor Ort bestätigt werden.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Wenn der Innenraum geschlossen ist, zeigt das äußere Volumen dennoch den Aufbau des Bads; rechnen Sie nicht ohne Bestätigung vor Ort mit Einlass.
