Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Geschlossene Fensterläden
- Holzschnitzarbeiten
- Ziegelfassaden
- Tore privater Häuser
Die Geschichte des Ortes
Die geschlossenen Fensterläden der Tradd Street schützen das heutige Privatleben. Vor hundert Jahren lag dahinter eine andere Stadt: In vielen verfallenden Häusern wohnten schwarze Mieter, Werkstätten und kleine Läden arbeiteten dort. Die Ruhe und Einheitlichkeit der Fassaden kamen später – sie wurden von bestimmten Menschen geschaffen, und die Folgen für die früheren Bewohner und für die Häuser selbst waren unterschiedlich.
Die Straße trägt den Familiennamen von Robert Tradd. Alte Charleston-Adressbücher bezeichneten ihn als das erste weiße Kind, das in der Kolonie geboren wurde, und verorteten das Haus seiner Familie an der heutigen Kreuzung von Tradd Street und East Bay Street. Über Robert selbst sind nur wenige Dokumente erhalten; sicher lässt sich nur sagen, dass der Familienname früher Siedler an einer der ältesten Straßen der Stadt haften blieb.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts beschloss Susan Pringle Frost, dieser Straße das Aussehen zurückzugeben, das sie aus Familienerzählungen kannte. Sie stammte aus einer alten Charleston-Familie, doch ihr Vater ging mit der Herstellung von Düngemitteln bankrott. Frost musste als Stenografin am Bundesgericht arbeiten und ihren Angehörigen helfen. Geld für eine große Baukampagne hatte sie nicht.
Im Jahr eintausendneunhundertneun lieh sich Frost Geld und kaufte zwei Häuser in der Tradd Street. Das erste war Haus Nummer einundsechzig, das einst ihrem Vorfahren Jacob Mott gehört hatte. Frost wollte baufällige Gebäude aufkaufen, sie reparieren und an Eigentümer weitergeben, die bereit waren, die alte Architektur zu bewahren. So wurde sie zur ersten Immobilienmaklerin von Charleston – der Beruf verschaffte ihr Zugang zu Häusern, die durch bloße Appelle nicht mehr zu retten waren.
Für die Reparaturen fand Frost Thomas Mayhem Pinckney, einen schwarzen Handwerker, der zunächst Treppen anfertigte, dann ein eigenes Bauunternehmen eröffnete und andere schwarze Handwerker ausbildete. Frost fand Häuser und Käufer; Pinckney wusste, welche Schnitzarbeit sich wiederherstellen ließ, welches Detail neu angefertigt werden musste und wie ein Zusatz von der alten Arbeit nicht zu unterscheiden war. In der Tradd Street reparierte er unter anderem die Häuser Nummer achtundvierzig und einhundert. Frost nannte ihn ihre rechte Hand.
Mit der Zeit besaß sie elf Gebäude an dieser Straße. Einige verkaufte sie noch vor Abschluss der Reparaturen, andere vermietete sie, um die nächsten Käufe zu finanzieren. Die Rechnung ging selten auf: Frost häufte Schulden bei der Stadt an und gab später zu, dass sie an der Tradd Street viel verloren hatte. Die private Kampagne wuchs dennoch. Im Jahr eintausendneunhundertzwanzig wurde Frost zu einer der Gründerinnen der Society for the Preservation of Old Dwellings, und elf Jahre später führte Charleston die erste städtische Zone des Landes ein, in der Veränderungen an historischen Fassaden einer besonderen Kontrolle unterlagen.
Die Bewahrung der Häuser bedeutete einen Wechsel ihrer Bewohner. Frost wollte die Straße in jene Vergangenheit zurückführen, die sie aus den Erzählungen ihrer weißen Familie kannte. Nach den Reparaturen wurden die Gebäude an wohlhabendere weiße Eigentümer verkauft, und bis zu den dreißiger Jahren waren viele schwarze Mieter aus diesem Teil der Halbinsel verdrängt worden. Pinckney und andere schwarze Handwerker restaurierten Holz, Treppen und Schnitzarbeiten in Häusern, in denen für schwarze Familien immer weniger Platz blieb.
Zu Lebzeiten erhielt Frost den größten Teil des Lobes. Nach Pinckneys Tod im Jahr eintausendneunhundertzweiundfünfzig schrieb sie selbst an eine Zeitung, dass ihm mehr Anerkennung gebühre: Ein wahrer Restaurierungskünstler habe die alte Schnitzarbeit von Charleston bewahrt. Seine Firma vermittelte der nächsten Generation von Handwerkern ein Handwerk, und die von ihm gefertigten Details blieben in Häusern, die längst den Besitzer gewechselt haben.
Heute dienen alle elf von Frost geretteten Gebäude in der Tradd Street als private Residenzen. Für Haus Nummer einhundertneunundzwanzig erstreckt sich eine Schutzvereinbarung auf das äußere Erscheinungsbild und den unbebauten Teil des Grundstücks. Die Eigentümer dürfen die Fensterläden jeden Tag schließen; die Fassade und den Raum hinter den Toren dürfen sie nicht mehr frei umgestalten oder bebauen.
Praktisch vor Ort
Wohnstraße; Besichtigung von außen mit Rücksicht auf private Häuser.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist eine Wohnstraße ohne einen einzelnen Eingangspunkt: Hören Sie beim Gehen oder am freien Rand des Gehwegs zu.
