Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die offene Fläche unterhalb des Museums
- Ein Stahlstreifen im Belag
- Die heutige Wasserkante
Die Geschichte des Ortes
Die heutige Wasserkante ist irreführend: Die frühere Linie des Kais liegt weiter von ihr entfernt, unter Schichten späterer Aufschüttungen, dort, wo sich heute die offene Fläche beim Museum befindet. Einst lag hier ein Gezeitensumpf; man verwandelte ihn auf langen Kiefernpfählen in eine feste Fläche, indem man Stämme verlegte und das Salzmarschland mit Austernschalen aufschüttete. So entstand einer der größten Kais Nordamerikas, der für den Export von Reis und Indigo arbeitete. In seinen Lagerhäusern hielt man auf dem Seeweg angekommene versklavte Menschen fest, bevor man sie zum Verkauf anbot.
Am zweiundzwanzigsten Februar achtzehnhundertsechs korrigierten die Charlestoner Händler Gibson und Broadfoot eine Zeitungsanzeige. Einhundertdreiundsiebzig Menschen, die mit der britischen Brigg Daddon zum Verkauf in die Sklaverei gebracht worden waren, sollten zu Vanderhorst’s Wharf gelangen. In der neuen Anzeige wurden Käufer hierher, zu Gadsden’s Wharf, verwiesen. Sieben Tage zuvor hatte der Stadtrat verfügt: Schiffe, die versklavte Menschen aus dem Ausland einführten, durften fortan nur noch hier anlegen.
Der Kai trug bereits den Namen von Christopher Gadsden. Dieser Kaufmann aus Charleston verdiente am Export von Reis und Indigo und verlor einen Teil seines Gewinns, weil er Platz bei anderen Kaibesitzern pachtete. Im Jahr siebzehnhundertsiebenundsechzig begann er, einen eigenen Kai zu bauen. Versklavte Arbeiter trieben lange Kiefernpfähle in den sumpfigen Boden, legten Stämme dazwischen und schütteten das Salzmarschland mit Austernschalen auf. Bis zum Jahr siebzehnhundertvierundsiebzig war anstelle eines Gezeitensumpfs einer der größten Kais Nordamerikas entstanden.
Christopher Gadsden starb im August achtzehnhundertfünf. Nach dem Tod seiner Witwe ging die Verwaltung des Besitzes an die Testamentsvollstrecker über, und bereits sieben Tage später leitete der Stadtrat die gesamte Einfuhr afrikanischer Gefangener auf dem Seeweg hierher. In der Verfügung war von Enge und Gefahr im überfüllten Hafen die Rede. Warum gerade Gadsdens privater Kai für das neue Monopol ausgewählt wurde, erklären die Dokumente nicht. Doch die korrigierte Anzeige von Gibson und Broadfoot zeigt, wie rasch die Entscheidung wirksam wurde: Der Verkauf der Menschen von der Daddon wurde unverzüglich hierher verlegt.
In den folgenden zweiundzwanzig Monaten kamen etwa dreißigtausend Afrikaner über Gadsden’s Wharf, die auf fast zweihundert Fahrten gebracht worden waren. Nach der Landung hielt man sie in großen Lagerhäusern am Kai fest und bot sie zum Verkauf an. Schiffseigner und Händler bemühten sich, vor dem ersten Januar achtzehnhundertacht, als das bundesweite Verbot weiterer Einfuhren in Kraft trat, möglichst viele Menschen einzuführen.
Das Verbot befreite diejenigen nicht, die bereits gebracht worden waren. Käufer akzeptierten die hohen Preise nicht, und Händler weigerten sich nachzugeben; monatelang hielten sie Menschen in Lagerhäusern und auf Schiffen fest und warteten auf einen günstigeren Verkauf. Der Reisende John Lambert berichtete, dass in weniger als drei Monaten mehr als siebenhundert Gefangene starben und Zimmerleute am Kai täglich Kisten für Bestattungen zusammennagelten. Am fünften März achtzehnhundertacht schrieb der Besucher David Selden seinen Eltern, er habe hier etwa viertausend fast nackte, von Läusen bedeckte Afrikaner gesehen. Sie wurden weiterhin jeden Tag demjenigen zur Versteigerung angeboten, der am meisten zahlte.
Über der Erde sind weder die Lagerhäuser noch der Kai selbst erhalten. Seine frühere Außenkante verläuft etwa dreiundzwanzig bis siebenundzwanzig Meter vom heutigen Wasser entfernt, unter Boden, der durch spätere Aufschüttungen erhöht wurde. Der Name von Christopher Gadsden blieb bestehen, obwohl sein Kai erst fast ein halbes Jahr nach dem Tod seines Besitzers zum einzigen Anlegeort für Sklavenschiffe wurde.
Praktisch vor Ort
Offener Außenort am Wasser; Wege können von Wetter, Arbeiten und städtischen Veranstaltungen abhängen.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die alten Lagerhäuser und Kaianlagen sind an der Oberfläche kaum noch zu erkennen; deshalb dient diese Station vor allem dem Zuhören und dem Vergleich des Ortes mit der Erzählung.
