Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerne Inschrift „Teatro Heredia“
- Hufeisenförmiger Saal mit Logenrängen
- Zedergitter
- Rundes Deckengemälde mit neun Musen
Die Geschichte des Ortes
Das heutige Theater befindet sich im Baukörper der ehemaligen Capilla de la Merced, die lange verlassen stand. Ihre dreischiffigen Kirchenmauern bewahrten außen das vertraute Aussehen eines Gotteshauses, doch im Inneren richtete man für die Stadtbewohner einen hufeisenförmigen Saal mit Logenrängen ein. An der Fassade blieb eine steinerne Inschrift mit dem alten Namen erhalten, und unter der Saaldecke ist ein Kreis mit neun Musen zu sehen. Heute erklingen in diesen Mauern Konzerte, es finden Aufführungen, Filmvorführungen und literarische Treffen statt.
Im Juni neunzehnhundertzweiundachtzig begann der Architekt und Restaurator aus Cartagena de Indias, Alberto Samudio Trallero, den Zuschauerraum abzubauen. Arbeiter nahmen die Balkone der Logen, geschnitzte Zedergitter, Türen und Stuckverzierungen ab. Sein Kollege Rafael Lemaitre erklärte öffentlich, die Überreste des alten Theaters seien in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Samudio erwiderte, die Details seien nicht zerstört: Sie seien vermessen und eingelagert worden, um sie nach der Verstärkung der tragenden Konstruktionen zurückzubringen.
Tatsächlich gab es einiges abzubauen. Im Jahr neunzehnhundertsiebzig schlossen die städtischen Behörden das Theater wegen seines baufälligen Zustands. Samudio hatte es schon als Schüler bei einem der letzten großen Konzerte besucht: Ein kubanischer Pianist spielte vor einem voll besetzten Saal. Als der Architekt mit dem Restaurierungsprojekt zurückkehrte, war ein Teil des Bodens eingebrochen, in den Decken klafften Löcher, und die Balkone waren beschädigt.
Die Herkunft des Gebäudes erschwerte die Arbeit. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts beauftragte Gouverneur Enrique Luis Román den Architekten Luis Felipe Jaspe, ein öffentlich zugängliches Stadttheater zu schaffen. Dafür wurde die verlassene Capilla de la Merced vorgesehen. Jaspe nutzte ihren dreischiffigen Baukörper und setzte einen hufeisenförmigen Saal mit Logenrängen hinein. Das Theater wurde im Jahr neunzehnhundertelf zum hundertjährigen Jubiläum der Unabhängigkeit von Cartagena de Indias eröffnet. Hinter der kirchenähnlichen Fassade verbirgt sich seither der Aufbau eines Opernsaals.
Samudio musste zugleich diese Hülle und das darin untergebrachte Theater retten. Das Geld reichte nur für einzelne Etappen; die Arbeiten wurden unterbrochen und wieder aufgenommen. Der Architekt stellte seine Zeichnungen unentgeltlich zur Verfügung, bezahlte einen Teil der Untersuchungen selbst und warb bei Präsidenten, Bürgermeistern, Unternehmern und Künstlern um Unterstützung. Die abgenommenen Details lagen jahrelang im Lager, bevor man begann, sie wieder einzubauen.
Für den erneuerten Saal war ein neuer Theatervorhang nötig. Zunächst wandte sich Samudio an den Künstler Alejandro Obregón, doch dieser erkrankte schwer und starb im Jahr neunzehnhundertzweiundneunzig. Daraufhin rief der Architekt Enrique Grau, einen Maler aus Cartagena de Indias. Grau erklärte sich bereit, Geld nur für die Materialien anzunehmen. Fast zwei Jahre arbeitete er hier an dem sieben Meter hohen und neun Meter breiten Vorhang und anschließend an dem runden Deckengemälde mit neun Musen. Der achtundsiebzigjährige Künstler stieg selbst mit einer orthopädischen Halskrause über ein fünfzehn Meter hohes Gerüst zur Decke hinauf.
Am einunddreißigsten Juli neunzehnhundertachtundneunzig wurde hier wieder ein Konzert gegeben. Die achtundzwanzigjährige Schließung war beendet, und Samudio erhielt später für diese Restaurierung einen nationalen Architekturpreis.
Im selben Jahr erhielt das Theater seinen heutigen Namen: Teatro Adolfo Mejía (Teatro Heredia). Seit neunzehnhundertdreiunddreißig hatte es nach Pedro de Heredia, dem spanischen Gründer von Cartagena de Indias, den Namen Teatro Heredia getragen; die steinerne Inschrift „Teatro Heredia“ ist bis heute an der Fassade erhalten. Der neue Name erinnert an Adolfo Mejía Navarro, einen Komponisten, der akademische Musik mit karibischen Rhythmen verband. Im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig stellte Mejía Programme für die Musikgesellschaft von Cartagena de Indias zusammen und bereitete ihre Festivals vor. Das erste Festival musste in einem anderen Saal stattfinden: Das Teatro Heredia war schon damals zu baufällig.
Heute finden hier Konzerte, Aufführungen, Filmvorführungen und literarische Treffen statt. Die Zedergitter und Stuckverzierungen stehen dort, wohin Samudio versprochen hatte, sie zurückzubringen, und über ihnen hängt der neun Meter große Kreis, den Grau während der letzten Etappe der Rettung des Theaters malte.
Praktisch vor Ort
Kulturstätte; ein Besuch hängt von Veranstaltungen, Proben, Arbeiten und vorherigen Anfragen über den offiziellen Kontakt ab.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Ein gewöhnlicher Zugang ins Innere ist nicht garantiert: Der Besuch ist an Aufführungen oder eine gesonderte Vereinbarung gebunden. Bleiben Sie während Veranstaltungen draußen nicht vor dem Eingang stehen.
