Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Nische an der Fassade
- Bildnis des heiligen Toribio
- Kanonenkugel unter Glas
Die Geschichte des Ortes
Die Steine unter diesen Mauern warteten mehr als sechzig Jahre auf ihre Zeit: Einst reichten die Spenden der Einwohner nur für das Fundament der künftigen Kirche. Später errichtete man über dem alten Fundament Mauern und baute ein Dach, damit Familien eines vom Zentrum entfernten Viertels nicht weit von ihrem Zuhause nach einer Pfarrei suchen mussten. An der Fassade befindet sich in einer Nische das Bildnis des Heiligen, dessen Namen die Kirche trägt.
Am siebenundzwanzigsten April tausendsiebenhunderteinundvierzig wurde in dieser Kirche eine Messe zu Ehren des heiligen Toribio gefeiert. Außerhalb der Mauern versuchte der britische Admiral Edward Vernon bereits seit mehr als einem Monat, Cartagena de Indias einzunehmen. Er hatte eine riesige Flotte aus Jamaika herangeführt und den Beschuss der Stadt angeordnet. Eines der Geschosse flog in die Kirche und fiel unter die Gemeindemitglieder. Niemand wurde verletzt; den Chroniken zufolge nahm nicht einmal das Gebäude Schaden. Die Gläubigen sahen darin die Gnade ihres Heiligen und bewahrten die Kanonenkugel auf. Vernons Feldzug endete mit dem Rückzug.
Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche erst wenige Jahre alt. Schon tausendsechshundertsechsundsechzig hatten die Einwohner Spenden für eine Kirche des heiligen Tomás de Villanueva gesammelt, doch das Geld reichte nur für das Fundament. Die Steine lagen mehr als sechzig Jahre lang in der Erde.
Zu ihnen musste man wegen eines Unglücks zurückkehren. Tausendsiebenhundertdreißig begann in Cartagena de Indias eine schwere Epidemie. Die Priester an der Kathedrale und in der Pfarrei Trinidad kamen mit allen Beerdigungen nicht nach; besonders schwierig war es für Familien aus dem damals abgelegenen Viertel bei der Plaza de los Jagüeyes. Der neue Bischof von Cartagena de Indias, Gregorio de Molleda y Clerque, beschloss, hier eine eigene Pfarrei einzurichten. Er nahm den Bau wieder auf und bezahlte die Fertigstellung der Kirche aus eigenen Mitteln. Tausendsiebenhundertdreiunddreißig waren die Mauern und das Dach fertig.
Molleda wollte der Kirche einen anderen Namen geben. Vor seiner Ankunft in Cartagena de Indias vertrat dieser gebürtige Limenser in Rom das Anliegen der Heiligsprechung von Toribio de Mogrovejo. Das Verfahren konnte jahrelang die Abstimmung der kirchlichen Kommission nicht bestehen; Molleda erreichte seinen Abschluss, und tausendsiebenhundertsechsundzwanzig sprach Papst Benedikt der Dreizehnte Toribio heilig.
Toribio selbst war der zweite Erzbischof von Lima. Er bereiste die riesige Erzdiözese, gründete Pfarreien und verlangte, dass die Priester die Sprachen der indigenen Bevölkerung lernten und ohne Dolmetscher mit ihrer Gemeinde sprechen konnten. Auf dem Weg nach Peru hielt er sich kurz in Cartagena de Indias auf, doch er war weder örtlicher Bischof noch Gründer dieser Pfarrei. Sein Name erschien hier dank Molleda – dem Mann, der zunächst seine Heiligsprechung erreichte und dann eine ihm geweihte Kirche baute.
Der Gouverneur Antonio de Salas, der schon lange mit dem Bischof stritt, weigerte sich, die Weihe zu erlauben. Er bestand auf dem früheren Namen des heiligen Tomás und behauptete, für die Änderung sei die Zustimmung des Königs erforderlich. Das fertiggestellte Gebäude blieb ungeweiht, während der Streit über den Atlantik weitergeleitet wurde. Tausendsiebenhundertvierunddreißig erlaubte eine königliche Urkunde die Zeremonie und bestätigte den Namen des heiligen Toribio de Mogrovejo. Zwei Jahre später wurde die Kirche unter diesem Namen geweiht.
Weitere fünf Jahre später, am Festtag ihres Patrons, traf ein britisches Geschoss die Kirche. In der Nische an der Fassade befindet sich ein Bildnis Toribios, und im Inneren wird unter Glas die Kanonenkugel aufbewahrt, die die Gemeindemitglieder nach der Messe vom Boden aufhoben.
Praktisch vor Ort
Aktive Kirche; der Innenraum ist nur bei geöffneten Türen, rund um Gottesdienste und den Pfarrbetrieb zugänglich. Beachten Sie die Hinweise am Eingang.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Wenn die Kirche geöffnet ist, treten Sie leise ein und stören Sie den Gottesdienst nicht. Bei geschlossenen Türen funktioniert die Erzählung vollständig an der Fassade.
