Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Pflaster des Platzes
- Eiserne Stände
- Graue Vordächer
- Antiquitäten
Die Geschichte des Ortes
Sonntags nehmen Antiquitätenhändler die Plaza Dorrego ein. Auf ihren Ständen liegen Gegenstände aus den Häusern der Stadt: Geschirr, Leuchten, Bücher, Spielzeug, Schmuck und Dinge, deren ursprünglichen Zweck man manchmal beim Verkäufer erfragen muss. Daneben wird Tango getanzt. An den übrigen Tagen stellen die Cafés ihre Tische auf das Pflaster. Diese Wochenordnung entstand im Jahr neunzehnhundertsiebzig dank des Architekten und Museumsdirektors José María Peña.
Peña leitete das städtische Museum und sammelte Zeugnisse des Alltagslebens in Buenos Aires. Türen, Balkongitter und Türklopfer holte er aus Häusern, die zum Abriss bestimmt waren; Hausrat lieh er sich für zeitweilige Ausstellungen von Bekannten. Ihn beunruhigten sowohl die Gegenstände selbst als auch San Telmo: Das alte Viertel leerte sich, Gebäude wurden umgebaut oder abgetragen, und die Stadtbewohner hatten kaum einen Grund, hierher zu kommen.
Peña schlug vor, auf dem Platz einen offenen Ausstellungsraum des Museums einzurichten, in dem alte Gegenstände verkauft werden konnten. Einige Beamte widersprachen: Sie hielten das Viertel für verwahrlost und erwarteten, dass leere Reihen zu einer öffentlichen Blamage würden. Für Peña war dies eine dienstliche Bewährungsprobe. Er besaß keinen eigenen Laden; für das Experiment war er als Direktor des städtischen Museums verantwortlich.
Für die Vorbereitung gab man etwa einen Monat Zeit. In den Zeitungen erschienen Anzeigen mit der Aufforderung, ungebrauchte alte Dinge auf den Platz zu bringen. Die Stadtverwaltung stellte dreißig eiserne Stände mit grauen Vordächern bereit, die zuvor auf Lebensmittelmärkten gedient hatten. Die ersten Verkäufer waren vor allem Nachbarn und keine erfahrenen Antiquitätenhändler. Sonntags kam Peña mit Krawatte, ging die Reihen ab und kontrollierte, dass die Teilnehmer die versprochenen Gegenstände ausstellten und die Feria nicht zu einem beliebigen Basar wurde.
Den Ort wählte er mit Bedacht. Seit dem Jahr achtzehnhundertzweiundzwanzig hieß der Platz Plaza del Comercio – Handelsplatz. Im Jahr achtzehnhunderteinundsechzig wurde hier ein überdachter Markt errichtet, der bis zum Ende des Jahrhunderts bestand. Peña brachte den Handel an seine frühere Adresse zurück, doch nun bestand die Ware aus dem Inhalt der alten Häuser der Stadt selbst.
Nach drei Monaten standen anstelle von dreißig bereits zweihundertsiebzig Stände. Die Verkäufer begannen, dem Museum Gegenstände zu leihen und zu schenken, und rund um den Platz sowie entlang der Defensa eröffneten Antiquitätengeschäfte. Die Feria brachte Käufer und Besucher nach San Telmo, bevor für die alte Bausubstanz des Viertels ein besonderer Schutz eingeführt wurde. Das städtische Museum beteiligt sich bis heute an der Arbeit der Antiquitätenreihen auf dem Platz selbst; zeitgenössische Künstler stellen getrennt davon in der Humberto Primero aus.
Der Name Dorrego gehört zu einer anderen Geschichte. Am fünfzehnten Mai neunzehnhundert benannte die Stadt den ehemaligen Handelsplatz nach Oberst Manuel Dorrego, dem gewählten Gouverneur von Buenos Aires und Anführer der Föderalisten, die einen Zusammenschluss der Provinzen mit eigener Selbstverwaltung anstrebten. Am ersten Dezember achtzehnhundertachtundzwanzig nahm der General der Unitarier Juan Lavalle Buenos Aires ein. Dorrego ging in die Provinz, um Unterstützung zu suchen, geriet in Gefangenschaft und wurde am dreizehnten Dezember auf Befehl Lavalles ohne Gerichtsverfahren nahe der Stadt Navarro erschossen. Mit diesem Platz hat jene Episode nichts zu tun: Dorrego lebte hier nicht und starb hier nicht. Seine Spur auf der Plaza Dorrego ist der Name auf den Schildern. Die Sonntagsreihen gehen auf Peñas Idee zurück: Auf dem Platz selbst werden weiterhin alte Gegenstände unter Aufsicht des Museums verkauft.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist immer geöffnet; die Feria findet sonntags statt und hängt vom Wetter, der Jahreszeit und den städtischen Vorschriften ab.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Sonntags ist der Platz besonders voll: Behalten Sie Wertsachen bei sich und bleiben Sie nicht mitten im Durchgang stehen. An einem Tag ohne Feria betrachten Sie die Form des Platzes und seine Ränder – die Geschichte des Ortes hängt nicht allein von den Ständen ab.
