Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weiße italienische Fassade
- Gläserne Seitenflächen
- Alter Puente Transbordador Nicolás Avellaneda
- Terrasse über dem Fluss
Die Geschichte des Ortes
Die alte italienische Fassade blieb in der Mitte des Gebäudes, und zu beiden Seiten von ihr erhoben sich Glaswände. Im Inneren sind vier Säle, ein Auditorium und eine Buchhandlung in Betrieb; das Café auf der Terrasse blickt auf den Fluss und den unbeweglichen eisernen Fachwerkträger der alten Brücke. Eine Dauersammlung gibt es hier nicht: Die Werke kommen für einige Monate, danach werden die Räume für eine andere Ausstellung freigemacht. „Proa“ nennt man auf Spanisch den Bug eines Schiffes, mit dem es in unbekanntes Wasser einfährt.
Im Jahr neunzehnhundertsechsundneunzig hatte die Galeristin und Kuratorin Adriana Rosenberg die Idee, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst von internationalem Rang zu eröffnen. Das Geld stellte die private Industriegruppe Techint bereit. Rosenberg wählte dafür jedoch nicht den Norden von Buenos Aires, wo sich damals die vertrauten Galerien befanden, sondern La Boca – ein Viertel, in das das Ausstellungspublikum nur widerwillig fuhr und in dem es noch zu Überschwemmungen kam.
An der Ecke bei Caminito stand ein italienisches Haus aus dem Jahr achtzehnhundertfünfundneunzig. Rosenberg beauftragte das Mailänder Büro Caruso–Torricella, es für Wechselausstellungen herzurichten: Benötigt wurden Säle, die Werke aus großen ausländischen Sammlungen aufnehmen konnten. Als Erstes wurde hier eine Retrospektive des mexikanischen Künstlers Rufino Tamayo gezeigt. Danach begann Rosenberg, Ausstellungen nach La Boca zu bringen, die man zuvor in Argentinien nicht gesehen hatte, und sie mit Vorträgen, Katalogen und Kursen für die Schulen des Viertels zu begleiten. Sie musste zugleich internationale Museen davon überzeugen, der Fundación Proa Werke anzuvertrauen, und das Publikum der Hauptstadt, für Kunst in den Süden der Stadt zu fahren.
Nach zehn Jahren hatte das Team bereits mehr als fünfzig Ausstellungen hinter sich. Rosenberg beschloss, das Jubiläum im Freien zu feiern – auf dem alten Puente Transbordador Nicolás Avellaneda gegenüber dem Gebäude. Der Lichtkünstler Gonzalo Córdova und der Bühnenbildner Horacio Pigozzi erhielten den Auftrag, die verlassene Eisenkonstruktion wieder ins Blickfeld der Stadtbewohner zu rücken. Am fünfzehnten und sechzehnten Dezember zweitausendsechs befestigten sie rund sechshundert Leuchtstoff- und bewegliche Leuchten an der Brücke. Die Farben wurden entlang der Fachwerkträger nacheinander eingeschaltet; die Ausstellung selbst nahm das Bauwerk über den Fluss für zwei Abende in Anspruch.
Nach den ersten Versuchen baten die Bewohner von La Boca darum, die Beleuchtung dauerhaft zu lassen und die Brücke wieder in Betrieb zu nehmen. Das konnten die Künstler nicht versprechen. Die Leuchten wurden abgenommen, und die Brücke stand weiterhin still; die Jubiläumsarbeit gab eine zeitlich begrenzte Kunstaktion nicht als Reparatur aus. Dafür zeigte sie genau, womit die Fundación Proa sich beschäftigt: Ihre Mitarbeiter stellen nicht eine einzige Dauersammlung zusammen, sondern holen Wechselausstellungen heran und geben Künstlern die Möglichkeit, einen konkreten Raum zu verändern – einen Saal, eine Fassade oder, wie damals, das Hafenbauwerk davor.
Der Erfolg der ersten Jahre erlaubte Rosenberg, den engen ursprünglichen Standort für eine Erweiterung zu schließen. Dieselben Mailänder Architekten bezogen die Nachbarhäuser ein, bewahrten in der Mitte die alte italienische Fassade und setzten zu beiden Seiten Glasflächen ein. Im Jahr zweitausendacht eröffneten hier vier Ausstellungssäle, ein Auditorium, eine Buchhandlung und ein Café mit einer Terrasse, die zum Fluss und zur Brücke hin ausgerichtet ist.
Auch den Namen „Proa“ wählte man für diese Adresse. So hieß eine der frühen lateinamerikanischen Literaturzeitschriften des Modernismus; auf Spanisch ist „proa“ der Bug eines Schiffes, jener Teil, mit dem es in unbekanntes Wasser einfährt. Farbige Röhren gibt es an der Brücke nicht mehr. Vom ersten Gebäude blieb die weiße Fassade zwischen den gläsernen Flügeln, und hinter dem Glas stellt man weiterhin Ausstellungen zusammen, die für einige Monate geplant sind, bevor die Säle wieder leer werden und andere Werke aufnehmen.
Praktisch vor Ort
Fundación Proa: Di–So 11:00–19:00; prüfen Sie vor dem Besuch Ausstellungen und Eintrittskarten.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Geschichte lässt sich von außen hören. Die Ausstellungssäle und die Terrasse erfordern einen gesonderten Besuch; prüfen Sie deshalb den Zugang im Voraus und planen Sie dafür zusätzliche Zeit ein.
