Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Gotische Fassade
- Statue der Maria im bestickten Mantel
- Steinerne Rose
- Boot im rechten Querschiff
Die Geschichte des Ortes
Hinter der gotischen Fassade verbirgt sich eine weiterhin genutzte Kirche, die aus der Kapelle der städtischen Armbrustschützen hervorging. Ihre Bruderschaft erhielt an der damaligen Stadtmauer ein Stück Friedhofsland und unterhielt hier ein kleines Heiligtum der Maria; der Name Sablon blieb vom sandigen Boden ringsum erhalten. Als Pilger zur Kapelle kamen, wurde sie durch einen großen gotischen Sakralbau ersetzt. Im Inneren werden weiterhin katholische Gottesdienste gefeiert, und die Statue der Maria wird mit bestickten Mänteln in verschiedenen liturgischen Farben bekleidet.
Im Jahr eintausenddreihundertachtundvierzig brachte die Spinnerin Beatrix Soetkens eine Statue der Maria aus einer Kirche in Antwerpen heraus, indem sie sie unter ihrem Mantel verbarg. So erzählt es die Brüsseler Überlieferung; Dokumente, die aus dieser Frau und ihrer Reise eine gesicherte Tatsache machen würden, gibt es nicht.
Der Legende nach verdiente Soetkens ihren Lebensunterhalt mit der Verarbeitung von Tuch und hörte zweimal den Befehl Marias selbst: das vernachlässigte Bild mitzunehmen und nach Brüssel zu bringen. Für eine wenig begüterte Handwerkerin bedeutete das, einen verehrten kirchlichen Gegenstand aus einer anderen Stadt an sich zu nehmen. Der Küster versuchte, sie aufzuhalten, verlor jedoch auf wundersame Weise die Fähigkeit, sich zu bewegen. Dann luden Beatrix und ihr Mann die Statue in ein Boot. Die Überlieferung lässt sie ohne gehisstes Segel flussaufwärts fahren und lähmt die Verfolger jedes Mal, wenn sie sich nähern.
Das Boot kam an einer sandigen Stelle hinter der damaligen Stadtmauer an. Von diesem Boden stammt der Name Sablon – „sandiger Ort“. Einige Jahrzehnte vor Soetkens’ Reise überließen die Verwalter des Sankt-Johannes-Hospitals hier der Großen Gilde der Armbrustschützen einen Teil des Friedhofslandes. Die Armbrustschützen waren eine bewaffnete städtische Bruderschaft: Sie beteiligten sich an der Verteidigung Brüssels und unterhielten am Sablon eine kleine Kapelle der Maria.
Am Ende der Überlieferung empfängt Jean III de Brabant, der Herrscher dieser Länder, das Boot gemeinsam mit den Armbrustschützen. Beatrix übergibt ihm die Statue; sie wird nicht vor Gericht gestellt, vielmehr trägt man das Bild feierlich in die Kapelle. Die Gilde nimmt Maria als ihre Schutzpatronin an und beginnt, die Statue jährlich um das Heiligtum zu tragen. Dieser Umgang hieß Ommegang.
Immer mehr Pilger kamen. Zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts ersetzten die Armbrustschützen die Kapelle durch eine große gotische Kirche – jene, vor der Sie jetzt stehen. Im Jahr eintausendvierhundertachtundvierzig unterstellten die Brüsseler Stadträte die zuvor von der Gilde getragene Prozession ihrer Kontrolle. Der Ommegang trat aus dem Kreis der Bruderschaft heraus und wurde zum wichtigsten städtischen Umzug. Beatrix verschwindet nach der Übergabe der Statue aus der Erzählung, doch die Tat der Spinnerin bestimmte die Größe des Gotteshauses, seine Weihe und das Fest, das bis heute besteht.
Die aus Antwerpen gebrachte Statue wurde während der Religionskriege im Jahr eintausendfünfhundertachtzig zerstört. Die heutige Statue der Maria wurde dem Gotteshaus von Erzherzogin Isabella, Herrscherin der Spanischen Niederlande, geschenkt. In der weiterhin genutzten katholischen Kirche wird diese Statue mit bestickten Mänteln in verschiedenen liturgischen Farben bekleidet. Und im rechten Querschiff steht unter einer steinernen Rose ein Boot – eine gegenständliche Nacherzählung der Legende vom Diebstahl, aus der die Kirche Notre-Dame du Sablon hervorging.
Praktisch vor Ort
Gewöhnlich montags bis freitags etwa von 10:00 bis 18:00 Uhr, samstags und sonntags etwa von 09:00 bis 18:00 Uhr geöffnet; Eintritt frei, Zugang teilweise eingeschränkt, Gottesdienste und Veranstaltungen haben Vorrang vor dem touristischen Betrieb.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Denken Sie daran, dass die Kirche weiterhin ein Ort des Gottesdienstes ist. Besichtigen Sie den Innenraum ohne laute Gespräche; bei geschlossenem Eingang funktioniert die Erzählung auch vor der Außenarchitektur.
