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Liebfrauenkirche

Onze-Lieve-Vrouwekerk / O.L.V.-kerk Museum

Das Schicksal einer Skulptur zeigt, was die Forderung bedeutete, ein Werk für immer an einem Ort zu belassen.

30 Min.
Hoher Backsteinturm und Fassade der Liebfrauenkirche in Brügge.
Wolfgang Staudt · CC BY 2.0; cropped/resized for app
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Schau dich zuerst um

Worauf achten

  • Marmormadonna mit Kind
  • Geschlossenes Buch in Marias Hand
  • Wappen der Familie de Mouscron
  • Grabplatten am Altar

Die Geschichte des Ortes

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Die Pfarrgemeinde dieser Kirche wurde der Jungfrau Maria mehrere Jahrhunderte geweiht, bevor ihre Marmorfigur mit dem Kind am Altar erschien. Maria hält ein geschlossenes Buch, und Christus zwischen ihren Knien hat sich bereits aufgerichtet, als sei er bereit, einen Schritt zu machen; daneben ist das Wappen der Stifter erhalten, und im Boden am Altar liegen die Grabplatten ihrer Familie. Unter diesen Gewölben finden weiterhin Gottesdienste statt, doch ein Teil des Gebäudes dient zugleich als kostenpflichtiges Museum: Die Pfarrgemeinde besitzt die Statue, und der städtische Museumsdienst ist für ihre Präsentation zuständig.

Im Jahr eintausendfünfhundertsechs ließen die Brüder Jan de Mouscron und Alexander de Mouscron eine schwere Marmorstatue aus Florenz nach Brügge schicken. Sie lebten vom Handel mit englischem Tuch; ihre Firma unterhielt Büros in Florenz und Rom, sodass die Brüder ohne Vermittler aus dem kirchlichen Umfeld mit Michelangelo verhandeln konnten. Unklar bleibt, ob sie das Werk im Voraus in Auftrag gaben oder es in der Werkstatt kauften. Die Dokumente belegen zuverlässig etwas anderes: Die de Mouscrons bezahlten den Bildhauer und brachten sein Werk anschließend in ihre Heimatstadt.

Michelangelo stellte die Jungfrau Maria mit Christus dar. Sie sitzt auf einem Stein, hält ein geschlossenes Buch und die Hand des Kindes; Christus steht zwischen ihren Knien, als wolle er gerade einen Schritt machen. Der flämische Name der Kirche, Onze-Lieve-Vrouwe, bedeutet „Unsere Liebe Frau“: So nennen Christen die Jungfrau Maria, die Mutter Christi. Die Pfarrgemeinde war ihr mehrere Jahrhunderte vor dem Erscheinen der Statue geweiht worden. Die de Mouscrons brachten hierher das Bildnis genau jener Frau, deren Namen die Kirche bereits trug.

Im Jahr eintausendfünfhundertvierzehn übergaben Jan de Mouscron und seine Frau die Statue zusammen mit einem Altar und einer Monstranz der Pfarrgemeinde. In der Schenkungsurkunde war eine Bedingung festgehalten: Das Werk durfte nicht von hier fortgebracht werden, es sollte für immer in der Kirche bleiben. Einige Mitglieder der Familie de Mouscron wurden am Fuß des Altars begraben. Ihr Geld stammte aus dem Tuchverkauf, und der teuerste Kauf der Familie befand sich über den Familiengräbern. Zu Lebzeiten Michelangelos verließ keine andere seiner Skulpturen Italien.

In der Nacht vom sechsten auf den siebten September eintausendneunhundertvierundvierzig wickelten sich zurückziehende deutsche Soldaten die Brügger Madonna in eine Matratze und brachten sie zusammen mit elf Gemälden aus der Kirche fort. Adolf Hitler, das Oberhaupt des Deutschen Reiches, sammelte Werke für ein von ihm geplantes Museum in Linz. Die Brügger Statue wurde im Salzbergwerk von Altaussee in Österreich versteckt, wo die Deutschen fast achttausend geraubte und evakuierte Objekte lagerten.

Nach Kriegsende untersuchte der alliierte Denkmalschutzdienst das Bergwerk. George Stout, ein amerikanischer Restaurator und Marineoffizier, war für den Abtransport der Funde zuständig. Vor dem Krieg hatte er Verfahren für den sicheren Transport von Museumsobjekten entwickelt; nun musste er dieses Wissen unter Tage anwenden. Die Marmorgruppe wog etwa siebenhundertfünfzig Kilogramm. Stout baute einen Flaschenzug, hob die Statue auf einen Grubenwagen, und seine Mitarbeiter verpackten sie für die Reise nach München.

Aus München wurde die Madonna belgischen Vertretern übergeben. Nach einer vorübergehenden Ausstellung in Brüssel im November eintausendneunhundertfünfundvierzig stellte man sie wieder in der Kirche auf. Die Pfarrgemeinde ist noch immer Eigentümerin der Statue, während der Museumsdienst von Brügge für ihre Präsentation zuständig ist: In einem Gebäude finden Gottesdienste statt, und zugleich gibt es einen kostenpflichtigen Museumsteil. Auf der Konsole des Altars ist das Wappen der de Mouscrons erhalten, an seinem Fuß liegen Mitglieder ihrer Familie begraben, und über ihnen steht die Madonna, für die Jan de Mouscron einst genau diesen Platz verlangt hatte.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort30 Min.
Nächster PunktSankt-Johannes-Hospital
Eintrittfrei + mit Ticket

Der Museumsteil ist gewöhnlich 09:30-17:00, sonntags 13:30-17:00 geöffnet; Schließungen wegen Hochzeiten, Beerdigungen und katholischer Feiertage sind möglich.

Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Dies ist eine aktive Kirche: Bewahren Sie während des Gottesdienstes Stille und betreten Sie keine abgesperrten Bereiche. Der Zugang zur Madonna und zu den Gräbern kann zum gesonderten Museumsteil gehören; daher sollten Sie die Besuchsbedingungen im Voraus prüfen.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Überqueren Sie die Mariastraat und betreten Sie das ehemalige Hospital gegenüber der Kirche.

Stopp 5 von 7Weiter: Sankt-Johannes-Hospital

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Flämische Primitive im Museumsviertel von Brügge“ — 7 Stopps, etwa 1,6 km, 3-4 Stunden.

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