Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die Inschrift über dem Tor
- Der rautenförmige Schlussstein
- Der steinerne Grenzpfosten
- Weinblätter und Trauben am Geländer
Die Geschichte des Ortes
Über dem Haupttor sind zwei altfranzösische Wörter eingemeißelt: „Sauw gaerde“ – „unter Schutz“. Ein rautenförmiger Schlussstein teilt die Inschrift in zwei Hälften. Im Mittelalter hatte sie einen wörtlichen rechtlichen Sinn: Hinter der Brücke endete die Gerichtsbarkeit des Brügger Magistrats.
Im dreizehnten Jahrhundert ließen sich auf einer niedrigen Wiese hinter der ersten Stadtmauer Beginen nieder – fromme unverheiratete Frauen, die gemeinschaftlich leben, beten und arbeiten wollten, ohne Nonnen zu werden. Sie legten weder ewige Gelübde noch ein Armutsgelübde ab, behielten ihren Besitz und konnten fortgehen. Jede lebte von ihrer Arbeit; die Frauen verwalteten die Gemeinschaft selbst und wählten eine Vorsteherin. Diese Lebensweise ließ ihnen mehr Eigenständigkeit, bot ihnen jedoch nicht den Schutz, den einem Kloster ein anerkannter Kirchenorden gewährte.
Im Jahr eintausendzweihundertzweiundvierzig erklärte sich die Gräfin von Flandern, Johanna von Konstantinopel, zur Schutzherrin der Brügger Beginen. Fast sechs Jahrzehnte später ging der französische König Philipp der Schöne, der die direkte Kontrolle über Flandern anstrebte, noch weiter. Im Jahr eintausendzweihundertneunundneunzig entzog er den Beginenhof der Gerichtsbarkeit der Stadt und unterstellte ihn seinem Gericht.
Die Brügger Beamten konnten eine Person, die innerhalb der Umfriedung Zuflucht gefunden hatte, nicht mehr selbst festnehmen. Straffreiheit versprach der König nicht: Der Fall ging an seine Vertreter über. Der städtische Magistrat verlor hier sein Recht zu richten, und die Beginen erhielten eine geschützte Grenze um die von ihnen gewählte Lebensweise. Von dieser Entscheidung stammt der vollständige Name: Beginenhof Ten Wijngaarde.
Das Tor markierte auch eine Grenze im Alltag. Tagsüber gingen die Beginen für Erledigungen in die Stadt und kehrten über die Brücke zurück; nach Sonnenuntergang wurden die Torflügel verschlossen. Männer durften nicht innerhalb wohnen, daher ließ sich sogar der der Gemeinschaft zugeteilte Priester außerhalb nieder, auf dem Wijngaardplein.
Der Platz selbst erhielt seinen Namen von Ten Wijngaarde. Verlässliche Belege für einen Weinberg gibt es hier nicht: Forschende streiten darüber, ob das alte Wort einen Weinberg oder eine umzäunte feuchte Wiese bezeichnete. Im achtzehnten Jahrhundert verstand man es bereits wörtlich und schmückte das Brückengeländer mit Weinblättern und Trauben.
Den heutigen Hauptbogen baute man im Jahr eintausendsiebenhundertsechsundsiebzig, doch über der neuen Öffnung wiederholte man die mittelalterlichen Wörter „Sauw gaerde“. Darüber stellte man Elisabeth von Thüringen auf – eine Prinzessin des dreizehnten Jahrhunderts und Schutzherrin der Beginen, die ihr Vermögen für die Hilfe für Arme und Kranke ausgab.
Im Jahr eintausendneunhundertsiebenundzwanzig schlossen sich die letzten vier Brügger Beginen einer Gemeinschaft an, die nach der Regel des Benedikt von Nursia lebte. Hinter dem Tor befinden sich nun die Häuser von Nonnen und alleinstehenden Frauen. Das königliche Gericht gibt es hier längst nicht mehr; vor der Brücke ist ein steinerner Grenzpfosten erhalten, über dem Bogen steht die Inschrift über den Schutz, und in der Dämmerung werden die Torflügel weiterhin geschlossen.
Praktisch vor Ort
Frei zugänglicher Stadtplatz; die Öffnungszeiten des Beginenhof-Tors prüfen Sie im Kalender von Visit Bruges.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Kommen Sie Pferden und Schwänen nicht zu nahe, bleiben Sie nicht auf der Fahrbahn der Kutschen stehen und senken Sie schon vor dem Eintritt die Stimme.
