Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das romanische Innere der unteren Kapelle
- Das Bergkristallröhrchen
- Das Silberreliquiar
Die Geschichte des Ortes
Am sechsundzwanzigsten September eintausendfünfhundertachtundsiebzig betrat Juan Pérez de Malvenda diese Kapelle und trug ein kleines Röhrchen aus Bergkristall hinaus. Pérez, ein ehemaliger Bürgermeister und städtischer Schatzmeister, diente hier als Kirchenvorsteher und gehörte der Bruderschaft des Heiligen Blutes an. Die Bruderschaft beauftragte ihn, die Reliquie zu bewahren, die der Kapelle ihren heutigen Namen gegeben hatte.
Am Vortag hatten der Bürgermeister und die Schöffen von Brügge – städtische Richter und Verwalter – angeordnet, die Kirchenschätze in den städtischen Sälen zusammenzutragen. Ein calvinistischer Rat regierte die Stadt, und katholische Reliquien verloren ihre frühere Verehrung. Die Bruderschaft musste das Silberreliquiar abgeben. Das Bergkristallröhrchen selbst erlaubte der Rat zu verstecken.
Darin befindet sich eine Substanz, die Katholiken als Blut Christi verehren. Die kirchliche Überlieferung verbindet sie mit Josef von Arimathäa, der den Körper von Jesus Christus für die Bestattung vorbereitete. Eine andere, spätere Legende berichtet, Thierry von Elsass, Graf von Flandern und Teilnehmer am Zweiten Kreuzzug, habe das Heiligtum in Jerusalem erhalten und es im Jahr eintausendeinhundertfünfzig nach Brügge gebracht.
Die Dokumente bestätigen dies nicht. Die erste zuverlässige Erwähnung der Reliquie in Brügge stammt erst aus dem Jahr eintausendzweihundertsechsundfünfzig. Das Röhrchen selbst wurde um eintausendzweihundert gefertigt, vermutlich in Konstantinopel. Nach der Plünderung der Stadt durch Kreuzfahrer im Jahr eintausendzweihundertvier wurden viele der dort aufbewahrten Heiligtümer in den Westen gebracht. Wer diese Reliquie nach Brügge brachte und wann, ist unbekannt.
Zu diesem Zeitpunkt gab es die Kapellen bereits. Die Grafen von Flandern bauten sie übereinander neben ihrer Residenz, die heute nicht mehr besteht. Die untere widmeten sie dem heiligen Basilius; ihr romanisches Inneres ist erhalten. Die obere war für die Verehrung des Heiligen Blutes bestimmt. Gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts gehörte die Reliquie der Stadt, und die Handwerkszünfte waren verpflichtet, sie in der jährlichen Prozession zu begleiten. Deshalb nahm der Rat im Jahr eintausendfünfhundertachtundsiebzig das Silber, erlaubte aber, den Inhalt in Sicherheit zu bringen.
Pérez legte das Bergkristallröhrchen in eine Bleikassette, die Bleikassette in eine Holzkassette und vergrub die Holzkassette im Garten seines Hauses. Er war etwa siebenundsechzig Jahre alt. Er stammte aus der Familie eines spanischen Konsuls, hatte mehrfach die Ämter des Schöffen, Schatzmeisters und Bürgermeisters bekleidet; ein solcher Mann konnte sich in der Stadt nicht selbst verstecken. Sechs Jahre lang wechselte Pérez mehrmals die Unterkunft und nahm die Reliquie jedes Mal mit sich.
Am neunundzwanzigsten November eintausendfünfhundertvierundachtzig, als der calvinistische Rat bereits nicht mehr bestand, übergab Pérez das Röhrchen an Remi Drieux, den Bischof von Brügge, der es zur Wiederaufnahme der Verehrung entgegennahm. Die Verfasser eines ausführlichen Protokolls hielten Pérez’ Aussage und die Namen der letzten beiden Häuser fest, in denen sich das Versteck befunden hatte. Dieser Teil der Geschichte ist, anders als die Erzählung von der Rückkehr des Grafen aus Jerusalem, durch städtische Dokumente belegt. Pérez lebte nach der Übergabe der Reliquie noch einundzwanzig Jahre.
Heute wird das Bergkristallröhrchen täglich in der oberen Kapelle ausgestellt. An Christi Himmelfahrt trägt man es in einem großen Silberreliquiar durch Brügge, das Jan Crabbe im Jahr eintausendsechshundertsiebzehn anfertigte. Dies ist nicht die silberne Fassung, deren Herausgabe man im Jahr eintausendfünfhundertachtundsiebzig verlangt hatte. In der jährlichen Prozession wird die Reliquie mitgeführt, die Pérez einst ohne diese Fassung von hier forttrug.
Praktisch vor Ort
Die Basilika ist gewöhnlich täglich 10:00-17:15 geöffnet; die Schatzkammer ist kostenpflichtig, Gottesdienste verändern den Zugang.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Wahren Sie im Inneren Stille und schalten Sie die Audioführung während eines Gottesdienstes nicht ein; die Besichtigung der Reliquie ist nicht garantiert.
