Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerner Giebel des Tolhuis
- Schmale Fassade des Rikepijnder-Häuschens
- Steinerne Lastträger
Die Geschichte des Ortes
Im Mittelalter befand sich hier das Amt des Großen Zolls von Brügge, über das Waren abgewickelt wurden, die auf dem Wasser aus anderen Städten und Ländern ankamen. Fässer und Ballen brachte man zunächst zur Waage: Nach ihrem Gewicht wurde die Abgabe festgesetzt, dann ging die Last weiter in ein städtisches Lagerhaus. Der steinerne Giebel des Tolhuis steht neben der engen Fassade des Raums der Rikepijnder; unter dem Schnitzwerk sind noch Figuren von Lastträgern zu sehen, die sich unter ihrer Bürde beugen. Im Jahr eintausendachthundertneunundsiebzig errichtete man beide Fassaden neu und bewahrte dabei die große Amtsstube und den kleinen Raum der Menschen nebeneinander, deren Arbeit am Kai begann.
Im Jahr eintausendvierhundertvierundneunzig ging es bei diesem Tor um Butterfässer. Kaufleute aus Poperinge kauften sie für die Herstellung von Wolltuch: Mit dem Fett schmierte man die Fasern, damit sie sich bei der Verarbeitung nicht verhedderten. Der Magistrat von Poperinge unterhielt in Brügge vier eigene Lastträger. Sie waren für die Waren ihrer Landsleute zuständig – bewachten sie und trugen sie zwischen Kai, Waage und Lagerhaus. Jedes ausgelieferte Fass war ihr Verdienst.
Doch auf denselben Verdienst erhob auch die Brügger Genossenschaft der Rikepijnder Anspruch – Inhaber des städtischen Rechts, über das Tragen und Wiegen von Lasten zu verfügen. Sie beriefen sich auf eine Verordnung aus dem Jahr eintausendvierhundertdreiundachtzig: Alle eingeführte Butter musste zum Waagehaus gebracht werden, und den Rikepijndern standen für ein volles Fass je anderthalb Grote, eine kleine Münze, und für ein halbes Fass je ein Grote zu. Neun Jahre später bestätigte der Brügger Magistrat, dass die Regel auch für auswärtige Händler galt. Danach nahmen die Brügger den vier Lastträgern aus Poperinge den Transport und das Wiegen der Butter ab.
Der Magistrat von Poperinge leitete ein Verfahren ein. Seine Vertreter machten geltend, dass das Recht, diese vier Männer zu bestimmen, ihrer Stadt seit alters her zustand; selbst eine durch den Tod eines Lastträgers frei gewordene Stelle wurde in Poperinge besetzt. Die Entscheidung fiel zu ihren Gunsten aus: Die Brügger Verordnung wurde für die Einwohner von Poperinge als nicht anwendbar erklärt. Die vier Lastträger behielten ihre Arbeit, und die Brügger Rikepijnder verloren die Bezahlung für deren Fässer.
Ein solcher Streit konnte gerade hier entstehen. Tolhuis bedeutet „Zollhaus“. Im mittelalterlichen Brügge war dies das Amt des Großen Zolls für Waren des überregionalen und internationalen Handels. Die Last musste vom Wasser zur Waage gebracht werden: Nach ihrem Gewicht wurde die Abgabe festgesetzt, danach konnte die Ware weiter in ein städtisches Lagerhaus getragen werden. Das Gebäude diente diesem Amt bereits zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts, und der Raum der Rikepijnder wurde daneben angebaut.
Die mittelalterliche Fassade ist nicht vollständig bis heute erhalten. Sowohl der steinerne Giebel des Tolhuis als auch das schmale Häuschen der Rikepijnder links wurden im Jahr eintausendachthundertneunundsiebzig neu errichtet. Ihre Nachbarschaft bewahrte man jedoch genau: das große Waageamt und den engen Raum der Menschen, deren Einkommen von jedem Fass abhing, das durch dieses Amt ging. Unter dem Schnitzwerk der kleinen Fassade beugen sich noch immer steinerne Lastträger – die Arbeit, um die zwei Städte im Jahr eintausendvierhundertvierundneunzig prozessierten.
Praktisch vor Ort
Freie Außenbesichtigung; ein Zugang zum Inneren ist für die Route nicht erforderlich.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie beide Gebäude zusammen: Das kleine Haus erklärt die menschliche Arbeit, das große das Erfassungssystem. Bleiben Sie nicht unmittelbar vor den Türen stehen.
