Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Backsteinturm der Poortersloge
- Bärenfigur mit Schild
Die Geschichte des Ortes
An der Fassade der Poortersloge erhebt sich ein Backsteinturm; als daneben Schiffe entladen wurden, beobachtete man von ihm aus herannahende Schiffe. Um eintausendvierhundert nahm die Oberschicht der vollberechtigten Bürger Brügges das Haus in Besitz: Kaufleute, Grundbesitzer und städtische Amtsträger. In seinen Räumen traf man sich mit ausländischen Handelspartnern, und der große obere Saal war für städtische Zusammenkünfte und Gelage bestimmt. Das Wort „Poorter“ gab dem Gebäude seinen Namen.
Am ersten Mai ritt der Leiter des Gezelschap van de Witte Beer mit einer Gruppe von Brüggern in den nächstgelegenen Wald. Jeder schnitt einen Zweig ab, danach kehrten die Reiter zur Poortersloge zurück. Hier nahm das Wappen des neuen Leiters den Platz des Wappens seines Vorgängers ein.
Man nannte den Leiter Forestier. Dieses Amt wurde weder vererbt noch gekauft: Für ein Jahr erhielt es der Sieger des jährlichen Reitturniers. Mit dem Titel fiel ihm die Pflicht zu, die nächsten Wettkämpfe auszurichten. Der Sieger schmückte seine eigene Tür mit einem Bärenbild. So sahen die Bürger, wer die Rivalen besiegt hatte und wer nun die Teilnehmer versammeln, die Zeremonien anordnen und den Titel nach einem Jahr weitergeben musste.
Nur wenige konnten sich eine solche Ehre leisten. Dem Gezelschap van de Witte Beer gehörten gewöhnlich vier bis acht Personen an; selbst im besonders bevölkerungsreichen Jahr eintausendvierhundertsiebenundzwanzig waren es zwanzig. Es waren die reichsten Einwohner Brügges, oft Grundbesitzer, Kaufleute und städtische Amtsträger. Sie verdienten am Handel und investierten Geld in Pferde, Bewaffnung, Festmähler und ihre eigene Stellung unter dem Brügger Adel. Beim Turnier musste dieses Kapital zu Pferd und mit der Lanze in der Hand bestätigt werden.
Daher der Name des Gebäudes. Einen Poorter nannte man einen vollberechtigten Bürger, einen Inhaber städtischer Rechte. Um eintausendvierhundert nahm gerade die Oberschicht solcher Brügger die Loge in Besitz. Daneben wurden Schiffe entladen, in den Nachbarhäusern lebten Vertreter ausländischer Handelsvereinigungen, und vom Turm aus beobachteten Kaufleute die Annäherung von Schiffen. In den Räumen empfingen sie ausländische Handelspartner; den oberen Saal überließen sie den städtischen Führungspersonen für Zusammenkünfte und Gelage. Die Teilnehmer des Gezelschap van de Witte Beer gehörten demselben Kreis an. Die Zweikämpfe fanden an einem anderen Ort statt, doch hier bestätigte man den Sieger – indem man das Wappen an dem Gebäude wechselte, in dem Handelsbeziehungen und städtische Ämter zum Alltag gehörten.
Vermutlich brachte man das erste Bärenbild im Jahr eintausendvierhundertsiebzehn an der Fassade an. Der Bär bezeichnete den Wald und verwies zugleich auf den Titel des Forestiers. Das letzte jährliche Turnier veranstaltete man im Jahr eintausendvierhundertsiebenundachtzig; danach lösten die Wappen der Sieger einander nicht mehr ab.
Heute finden im Inneren Ausstellungen zeitgenössischer Kunst statt. Die heutige Bärenfigur wurde wahrscheinlich im neunzehnten Jahrhundert gefertigt und später restauriert. Das mittelalterliche Tier ist verloren gegangen; sein Nachfolger hält noch immer einen Schild über der Poortersloge.
Praktisch vor Ort
Die Außenbesichtigung ist frei; Ausstellungen im Inneren richten sich nach dem Kalender von Visit Bruges und können kostenlos sein.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die wichtigsten Details sind von außen zugänglich, doch der Bär befindet sich hoch oben – am besten betrachtet man ihn von der gegenüberliegenden Straßenseite. Prüfen Sie Innenraum und Ausstellungen gesondert.
