Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das Gitter der Kapelle
- Die sitzende Figur der Gottesmutter mit Kind
- Der weite Mantel der Statue
- Die Gebetsinschrift auf dem Sockel
Die Geschichte des Ortes
Die Reihe gleicher Joche wird hier von einem vergrößerten Bogen mit einer kleinen Kapelle hinter einem Gitter unterbrochen. Sieben benachbarte Bögen bezahlte einst eine wohlhabende Bologneser Familie, die am Pilgerweg ihren eigenen Ort des Gebets einrichtete. Er gehörte zur Strecke der jährlichen Prozession zwischen der Stadt und dem Santuario della Madonna di San Luca auf dem Hügel: Die transportable Ikone trug man weiter, während die Bildnisse in den Nischen am Weg blieben. Im Hintergrund ist eine große sitzende Gottesmutter mit Kind und weiten Mantelfalten zu sehen; auf dem steinernen Sockel ist ein kurzes Schutzgebet erhalten.
Am elften November siebzehnhundertzwei verfassten die Brüder Monti Bendini ein privates Schriftstück. Adressat war ihr Bruder, der Marquis Francesco Maria. Von ihm verlangten sie, die Kapelle, die ihr Vater Ferdinando in einem der Joche des Portico zu errichten begonnen hatte, „in den gebührenden Zustand“ zu bringen und dort die seit Langem geplante Statue der Gottesmutter aufzustellen.
Ferdinando Monti Bendini war einer jener wohlhabenden Bologneser, die den überdachten Weg abschnittsweise finanzierten. Seine Familie übernahm sieben Joche. In der Mitte ließ Ferdinando einen vergrößerten Bogen mit einer Nische anlegen, auf jeder Seite drei gewöhnliche Joche, doch die Familienkapelle konnte er nicht vollenden. Für die Söhne blieb die leere Nische am Weg nach San Luca eine unerfüllte Verpflichtung ihres Vaters – sichtbar jedes Mal, wenn hier eine Prozession vorbeizog.
Francesco Maria lebte von den Einkünften der adligen Familie und gab sie für religiöse und architektonische Aufträge aus. Im Jahr siebzehnhundertsechs wurde er zum Prior der Confraternita di Santa Maria della Morte gewählt. Diese Bruderschaft war für die Madonna di San Luca zuständig, während man sie durch Bologna trug, und richtete den äußeren Teil der Zeremonien aus. Deshalb bestellte der Marquis die Figur gerade an diesem Weg: Sie sollte in der Nische bleiben, wenn die transportable Ikone in die Stadt gebracht wurde oder auf den Hügel zurückkehrte.
Mit der Arbeit beauftragte man den Bologneser Bildhauer und Architekten Andrea Ferreri. Der genaue Vertrag mit ihm wurde nicht gefunden, und das Jahr der Aufstellung bleibt umstritten. Das Familienschriftstück bestätigt jedoch das Wesentliche: Die Statue wurde bestellt, um die von Ferdinando begonnene Kapelle zu vollenden. Ferreri setzte die Gottesmutter auf einen massiven Sockel, legte einen weiten Mantel um sie und setzte das Kind auf ihren Schoß. So entstand eine Figur, die deutlich größer war als die üblichen Bildnisse am Wegesrand.
Im achtzehnten Jahrhundert nannte man sie Madonna Grassa – die Große Madonna. Dann änderten die Bologneser selbst den Namen: In einer Handschrift aus dem Jahr eintausendachthundertdreiundzwanzig erscheint bereits Madonna Grassa, wörtlich die Dicke Madonna. Der volkstümliche Name überlebte sowohl die Auftraggeber als auch die offizielle Weihe.
Die Familienkapelle selbst ist vollendet, doch das Wappen der Monti Bendini, das einst auf ihre Wand gemalt war, ist fast verschwunden. Hinter dem Gitter blieb die Figur, wegen der die Brüder Francesco Maria an seine Pflicht gegenüber dem Vater erinnert hatten. Auf dem Sockel ist ein kurzes Gebet erhalten, das sich an die Gottesmutter am Prozessionsweg richtet: „Beschütze uns vor dem Feind.“
Praktisch vor Ort
Die Nische mit der Statue ist rund um die Uhr zugänglich.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie die Nische und bleiben Sie dabei am Rand des Durchgangs: Der Portico dient hier weiterhin als gewöhnlicher Fußweg. Die alte Oberfläche der Skulptur sollte besser nicht berührt werden.
