Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Barockfassaden des Humboldt Forum
- Viertes Portal der Nordfassade
- Alte skulpturale Teile des Portals in der Fassade auf der anderen Seite des Platzes
Die Geschichte des Ortes
Die barocken Fassaden des heutigen Humboldt Forum bilden das Berliner Schloss nach, das früher als Residenz der preußischen und deutschen Herrscherdynastie diente. Hinter ihnen befinden sich heute Ausstellungssäle und öffentliche Räume eines Zentrums für Kultur und Wissenschaft, das nach den Brüdern Humboldt benannt ist. Auf der Nordseite wurde das vierte Portal neu errichtet, während die originalen skulpturalen Teile des alten Portals in die lange Fassade des ehemaligen Staatsratsgebäude auf der anderen Seite des Schlossplatzes eingebaut sind.
Am neunten November neunzehnhundertachtzehn gelangte ein kleiner Lastwagen mit einer roten Fahne zum Berliner Schloss. Auf der Ladefläche stand Karl Liebknecht – ein Berliner Rechtsanwalt, ehemaliger Abgeordneter und Anführer des revolutionären Spartakusbundes. Er setzte sich für eine Republik ein, die von Arbeiter- und Soldatenräten regiert werden sollte. Erst drei Wochen zuvor war Liebknecht durch eine Amnestie freigekommen: Wegen Antikriegsagitation hatte man ihm sein Abgeordnetenmandat entzogen und ihn zu vier Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt.
Deutschland hatte den Ersten Weltkrieg bereits verloren. Die Matrosenmeuterei war zu Aufständen, Streiks und der Bildung von Räten angewachsen, und in Berlin besetzten riesige Demonstrationszüge das Zentrum. Der Kanzler verkündete die Abdankung des Kaisers, obwohl dieser sie noch nicht unterzeichnet hatte. Etwa zwei Stunden vor Liebknechts Eintreffen rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am Reichstag die Deutsche Republik aus. Er wollte den Anhängern einer Räterepublik zuvorkommen und die Entscheidung über die Zukunft des Landes einem gewählten Parlament übertragen.
Liebknecht war mit diesem Ausgang nicht einverstanden. Sein Lastwagen hielt vor dem Schloss der Hohenzollern – der Dynastie, die Preußen und das Deutsche Kaiserreich regiert hatte. Daher die Wahl des Schlossplatzes: Der Name bedeutet Schlossplatz. Liebknecht erklärte den Versammelten, das Schloss werde unter den Schutz des Arbeiter- und Soldatenrates gestellt, und rief dann die freie sozialistische Republik aus. Die Schlosswache öffnete die Tore. Auf dem Fahnenmast, an dem der kaiserliche Standard gehisst worden war, erschien eine rote Fahne.
Gewöhnlich wird diese Szene auf den Balkon des vierten Portals verlegt. Der genaue Ort der ersten Rede bleibt umstritten. Ein am nächsten Tag gedruckter Zeitungsbericht trennt die beiden Ansprachen: Liebknecht rief seine Republik zunächst vom Lastwagen aus, stieg nach der Öffnung der Tore auf den mit rotem Tuch verhängten Balkon und wiederholte seine Forderung. Von der Balkonrede gibt es kein Foto.
Der Kaiser ging am nächsten Morgen ins Exil, doch Liebknechts Republik erhielt keine Regierung. Die Berliner Räte bestätigten ein Übergangskabinett der Sozialdemokraten und übertrugen die weitere Gestaltung des Landes einer Nationalversammlung. Ende Dezember beteiligte sich Liebknecht an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands. Nach den Januarkämpfen wurde er von Soldaten einer Freiwilligeneinheit gefasst, in einem Hotel verhört und am fünfzehnten Januar neunzehnhundertneunzehn im Tiergarten erschossen.
Das alte Schloss steht nicht vor uns. Die Fassaden des heutigen Gebäudes bilden das barocke Schloss nach, doch hinter ihnen befinden sich moderne Ausstellungssäle und öffentliche Räume des Humboldt Forum – eines Zentrums für Kultur und Wissenschaft. Es wurde nach den uns bereits von der Universität bekannten Brüdern Wilhelm von Humboldt und Alexander von Humboldt benannt. Die Organisatoren verbanden Wilhelms Beschäftigung mit Sprachen und Bildung sowie Alexanders Forschungen über Natur und Kulturen mit einem Programm, in dem Museumssammlungen mit Forschung, Vorträgen und Diskussionen verbunden sind.
Auf der Nordseite des Humboldt Forum wurde das vierte Portal neu errichtet. Die erhaltenen skulpturalen Teile des alten Portals befinden sich an einem anderen Ort: Sie wurden in die lange Fassade des ehemaligen Staatsratsgebäude auf der gegenüberliegenden Seite des Schlossplatzes eingebaut. Am neuen Schloss blieb eine Kopie des Portals, während der alte Stein, der mit Liebknechts Rede verbunden ist, auf der anderen Seite des Platzes steht.
Praktisch vor Ort
Ausstellungen: Mi–Mo 10:30–18:30, Dienstag geschlossen; öffentliche Bereiche teilweise kostenlos, für Ausstellungen und die Dachterrasse ist eine Eintrittskarte zum aktuellen Tarif erforderlich.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Umrunden Sie das Gebäude zunächst außen: Der wichtigste Sinn liegt hier in der Nichtübereinstimmung seiner Seiten. Prüfen und planen Sie den Zugang zu den Ausstellungsräumen und einzelnen Programmen des Humboldt Forum unabhängig vom Spaziergang.
