Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Halbrunde Kolonnade
- Runder Innenhof
- Platte mit dem Namen von Evangelis Zappas
Die Geschichte des Ortes
Der Mann, dessen Nachnamen das Zappeion trägt, war zu Lebzeiten kein einziges Mal in Athen. In die Stadt kam er erst nach seinem Tod – und zwar nur sein Kopf.
Evangelis Zappas nahm am Griechischen Unabhängigkeitskrieg teil und siedelte anschließend in die Walachei über, auf dem Gebiet des heutigen Rumänien. Dort wurde er durch Land, Landwirtschaft und Handelsunternehmen reich. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erfuhr Zappas von der Idee, die Olympischen Spiele wiederzubeleben, und schrieb im Jahr eintausendachthundertsechsundfünfzig an König Otto I. von Griechenland: Er werde die Kosten übernehmen, die Sieger würden Geldpreise erhalten, und die Wettkämpfe sollten regelmäßig stattfinden.
Der König leitete den Vorschlag an den Außenminister Alexandros Rizos Rangavis weiter. Der Minister setzte sich für ein ganz anderes Fest ein. Athletische Spiele erschienen ihm als ein Überbleibsel der Antike; das moderne Griechenland brauchte seiner Ansicht nach eine Ausstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, industrieller Waren und technischer Errungenschaften. Zappas bestand auf den Wettkämpfen, akzeptierte aber die Ausstellung. So entstanden die Olympien – nationale Feste, bei denen Lauf und Ringen neben Wettbewerben für Maschinen, Stoffe, Weine und Getreide standen. Für diese Verbindung brauchte man zwei Orte: ein Stadion für die Sportler und daneben ein großes Ausstellungshaus.
Die ersten Olympien wurden im Jahr eintausendachthundertneunundfünfzig abgehalten, als weder das Stadion noch das Ausstellungshaus schon fertig waren. Zappas verfolgte die Angelegenheit von Rumänien aus und schickte sofort zweitausend österreichische Florin für die Organisationskosten. Er hatte keine Kinder und sicherte die Fortführung der Spiele durch sein Testament. Fast sein gesamtes Vermögen war für die Olympien bestimmt, und sein Cousin Konstantinos Zappas wurde zum Testamentsvollstrecker. Evangelis verfügte außerdem, beim Stadion eine „geräumige Einrichtung“ für Ausstellungen zu errichten. Er hielt sogar fest, dass jeder Grieche die Testamentsvollstrecker gerichtlich zur Einhaltung dieser Bedingungen zwingen könne.
Das Testament enthielt auch Anweisungen zu seinem eigenen Körper. Zappas sollte zunächst in Rumänien beerdigt werden. Nach vier Jahren sollten die Überreste exhumiert werden: Die Knochen unterhalb des Halses sollten in sein Heimatdorf Labova geschickt werden, der Kopf hingegen in das neue olympische Gebäude in Athen. Vermutlich rechnete er damit, dass vier Jahre für den Bau ausreichen würden.
Zappas starb im Jahr eintausendachthundertfünfundsechzig. Auf das Gebäude musste man noch dreiundzwanzig Jahre warten. Konstantinos gab die hinterlassenen Mittel aus, stritt mit Bauunternehmern und brachte die Arbeiten bis zur Eröffnung im Jahr eintausendachthundertachtundachtzig zu Ende. Damals wurde auch der Kopf von Evangelis aus Rumänien gebracht und im inneren Rundhof eingemauert. Auf der Platte steht: „Hier liegt der Kopf von Evangelis Zappas.“
Bei der Eröffnungsfeier veranstaltete man eine Industrie- und Kunstausstellung. Die angekündigten Sportwettkämpfe sagte das Komitee ab. Doch darin erschöpfte sich die Bestimmung des Gebäudes nicht. Im Jahr eintausendachthundertsechsundneunzig fand während der Olympischen Sommerspiele 1896 in den Sälen des Zappeion ein Fechtturnier statt. Die Idee eines Menschen, der seit einunddreißig Jahren nicht mehr lebte, wurde hier endlich verwirklicht: Der Ausstellungspalast nahm die Sportler auf, das benachbarte Stadion die übrigen Wettbewerbe.
Der Name ist vom Nachnamen Zappas gebildet. Dahinter stehen zwei Cousins: Evangelis hinterließ Geld und genaue Anweisungen, Konstantinos machte daraus ein Gebäude. Deshalb liegt das Zappeion auf dem Weg vom ehemaligen Königlichen Garten zum Stadion. Heute finden hinter der Kolonnade Konferenzen, Buchmessen sowie Kunst- und Warenausstellungen statt – jener Teil der Olympien, den Minister Rangavis einst dem sportlichen Plan hinzugefügt hatte. Und im inneren Hof bleibt der Kopf des Mannes, der verfügte, dieses Haus genau hier zu errichten.
Praktisch vor Ort
Außenbesichtigung frei; der Innenbereich hängt vom Veranstaltungsplan ab.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Das Gebäude kann von einer Veranstaltung belegt sein, doch die wesentliche Architektur und das Denkmal lassen sich von außen betrachten; rechnen Sie nicht mit freiem Eintritt.
