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Torensluis und Singel

Torensluis / Singel

Die Spur eines verschwundenen Turms verbindet die alte Stadtgrenze mit der Befreiung von Gefangenen.

12 Min.
Torensluis und Singel: Station eines Spaziergangs durch den Amsterdamer Grachtengürtel.
Dietmar Rabich · CC BY-SA 4.0; cropped/resized for app
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Worauf achten

  • Abgerundeter Umriss des Turms im Straßenpflaster
  • Breite Steinbrücke
  • Gewölbte Räume mit Gittern

Die Geschichte des Ortes

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Die Steinbrücke wurde um ein bereits bestehendes Bauwerk herum errichtet; unter ihrem Belag haben zwei gewölbte Kammern mit Gittern überdauert. Der Singel verlief an der äußeren Grenze Amsterdams, und jenseits des Wassers fertigte ein Seiler Rigg für Schiffe an und gelangte durch ein Tor beim Turm in die Stadt. Als die Befestigung ihre militärische Funktion verlor, wurde ihr Fundament mit Stein umbaut, ein Turmhelm errichtet sowie eine Uhr und Glocken angebracht. Das Gefängnis wurde nicht geschlossen, und die Brücke erhielt eine ungewöhnliche Breite, damit das Gebäude unmittelbar in der Überquerung Platz fand.

Im Kopfsteinpflaster der Torensluis ist ein breiter, abgerundeter Umriss ausgelegt. Hier stand bis zum Jahr tausendachthundertneunundzwanzig ein Turm, der einen beträchtlichen Teil der heutigen Brücke einnahm.

Ende des fünfzehnten Jahrhunderts bildete der Singel die Stadtgrenze: Mit dem Wort „Singel“ bezeichnete man Wasser oder einen Weg am äußeren Rand der Stadt. Jenseits des Kanals lag die Seilerei von Jan Roode, einem Meister, der mit der Herstellung von Schiffsrigg Geld verdiente. Den Durchgang in der Stadtmauer, den er nutzte, nannte man Jan Roodenpoort, den Turm am Tor Jan Roodenpoortstoren. Die Wachen sperrten Landstreicher und Gesetzesbrecher in ihrem Keller ein, noch bevor diese in die Stadt gelangten.

Als Amsterdam über den Singel hinauswuchs, endete die Verteidigungsfunktion des Turms. Im Jahr sechzehnhundertsechzehn setzte sich der gegenüber wohnende Bürgermeister Reinier Pauw, der für sein Viertel verlässliche öffentliche Uhren erwirken wollte, für seinen Umbau ein. Der Stadtarchitekt Hendrick de Keyser umgab das alte Fundament mit einem steinernen Baukörper und errichtete einen hohen Turmhelm, eine Uhr und Glocken. Das Gefängnis blieb dabei bestehen.

Im Jahr sechzehnhundertachtundvierzig errichteten Baumeister um den Turm eine zweiundvierzig Meter breite Steinbrücke. Mit dem Wort „sluis“ bezeichnete man damals auch eine solche steinerne Überquerung; daher der heutige Name Torensluis – die Brücke beim Turm. Ihre ungewöhnliche Breite ergab sich aus dem Gebäude, das in den Brückenbelag eingepasst werden musste.

Bis zum Jahr achtzehnhundertdreizehn hielt man im Turm und den an ihn angebauten Räumen Deserteure und verurteilte Soldaten fest. Die Niederlande gehörten damals zum Ersten Französischen Kaiserreich, die Wehrpflicht schickte einheimische Männer in Napoleons Armee, und denen, die die Reihen verließen, drohte eine harte Strafe. Die Stadtbewohner kannten die Zustände im Gefängnis: Die Gefangenen wurden auf engstem Raum festgehalten, einige besaßen fast keine Kleidung.

In der Nacht vom vierzehnten auf den fünfzehnten November verließ die französische Garnison Amsterdam vor dem Herannahen der alliierten Truppen. Am folgenden Tag kamen die Bewohner mit einer Ratsche zum Turm, mit der man Menschen zusammenrief. Sie vertrieben den Gefängniswärter, schlugen die Türen ein und befreiten alle Gefangenen. Die Möbel des Aufsehers, die Gefängnisbücher und Papiere warfen sie auf die Straße und verbrannten sie. Die befreiten Soldaten gingen fort, während die Teilnehmer des Sturms hinaufstiegen und eben jene Uhren läuteten, für die Bürgermeister Pauw zwei Jahrhunderte zuvor eingetreten war.

Danach stand der Turm noch sechzehn Jahre. Die Stadt weigerte sich, die Reparatur des durch Fäulnis beschädigten Turmhelms zu bezahlen, und beseitigte das Hindernis für den Verkehr über die Brücke. Vor dem Abriss maß der Stadtarchitekt Abraham van der Hart das Bauwerk für einen möglichen Wiederaufbau aus, doch seine Zeichnungen blieben bloß Zeichnungen.

Unter der Torensluis sind zwei gewölbte Räume mit Gittern erhalten – ein Teil des früheren Gefängnisses. Über ihnen liegt die breite Brücke, und die Linie im Kopfsteinpflaster markiert den Ort des Turms, aus dem am sechzehnten November achtzehnhundertdreizehn die letzten Gefangenen herausgeführt wurden.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort12 Min.
Nächster PunktKeizersgracht und Astoria
Eintrittvon außen

Brücke und Uferpromenade sind öffentlicher Raum und rund um die Uhr zugänglich.

Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Auf der breiten Brücke kann man leicht die Fahrräder vergessen: Hören Sie den Bericht außerhalb der Fahrbahn. Gitter und Mauerwerk lassen sich leichter finden, wenn Sie die Kanalseite wechseln.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Lassen Sie den Singel hinter sich und gehen Sie die Leliegracht entlang bis zu dem Gebäude mit Kupferdach.

Stopp 4 von 8Weiter: Keizersgracht und Astoria

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Grachtengürtel: Macht, Geld und eine Stadt auf dem Wasser“ — 8 Stopps, 4,2 km, 3 Std..

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