Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Bronzereiter
- Steinsockel
- Offenes Rechteck des Platzes
- Fassaden von Handelshäusern
Die Geschichte des Ortes
Der Bronzereiter in der Mitte des Platzes ist Muhammad Ali, ein osmanischer Statthalter, der Ägypten in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts faktisch regierte. Er brauchte Alexandria als Tiefwasserhafen und Stützpunkt für eine neue Flotte. Auf seinen Befehl räumte man den Hafen frei, baute ein Arsenal und grub den Mahmoudiyya-Kanal, der die Stadt mit dem Nil verband. Rund um den Hafen entstanden Lagerhäuser, Handelshäuser und Konsulate – daher der frühere Name dieses Ortes: Konsulnplatz.
Nach Muhammad Alis Tod bestellte sein Enkel Ismail, der erbliche Herrscher Ägyptens, ein Reiterstandbild für den Gründer der Dynastie. Die Bronzefigur wurde in Frankreich gegossen, in Paris ausgestellt und dann auf dem Seeweg nach Alexandria gebracht. Im Jahr achtzehnhundertzweiundsiebzig stellte man den Reiter in der Mitte des Platzes auf und eröffnete das Denkmal ein Jahr später feierlich. Der Platz erhielt den Namen Muhammad Alis; heute nennt man ihn häufiger nach dem umliegenden Handelsviertel al-Manshiyya.
Das weite Rechteck zwischen Börse, Banken und Konsulaten eignete sich auch für eine andere Nutzung: Hier versammelte man Massenkundgebungen mit vielen Tausend Teilnehmern. An der Ostseite stand die Börse von Alexandria mit einem Balkon über dem Platz. Am sechsundzwanzigsten Oktober neunzehnhundertvierundfünfzig trat Ministerpräsident Gamal Abdel Nasser auf diesen Balkon. Er wollte Unterstützung für ein Abkommen gewinnen, nach dem die britischen Truppen Ägypten verlassen sollten.
Zwei Jahre zuvor hatten Nasser und die anderen Freien Offiziere die Monarchie gestürzt. Ihre früheren Verbündeten beim Staatsstreich, eine religiös-politische Massenbewegung, rechneten damit, am Aufbau des neuen Staates mitzuwirken. Die Offiziere ließen die Organisation nicht zur eigenständigen politischen Führung zu und lösten sie im Januar neunzehnhundertvierundfünfzig auf. Bis zum Herbst waren die früheren Verbündeten zu Gegnern geworden.
In der Menge vor der Börse stand der zweiunddreißigjährige Blechschmied Mahmud Abd al-Latif aus Kairo, ein Mitglied ihres Untergrundflügels. Während der Rede hob er eine Pistole und schoss achtmal auf Nasser. Keine Kugel traf den Ministerpräsidenten. Über dem Balkon zerbrach eine Glaslampe, und Tinte aus einem beschädigten Füllfederhalter breitete sich auf Nassers Uniform aus – zunächst hielt man den Fleck für Blut. Menschen neben ihm versuchten, den Redner wegzuführen, doch er wies sie zurück, kehrte zum Mikrofon zurück und setzte seine Rede fort. Das ganze Land hatte die Schüsse bereits gehört: Die Ansprache wurde im Radio übertragen.
Abd al-Latif wurde auf dem Platz festgenommen. Bei der Untersuchung gestand er, den Auftrag von einer geheimen Struktur der Organisation erhalten zu haben; deren Führer bestritten diesen Befehl, und später bezeichneten Nassers Gegner das Attentat als Inszenierung. Als erwiesen gelten weiterhin die Schüsse während der Liveübertragung, die Festnahme des Schützen und der anschließende Prozess.
Das Gericht verhängte sieben Todesurteile, eines davon wurde in lebenslange Haft umgewandelt. Abd al-Latif und fünf weitere Verurteilte wurden im Dezember desselben Jahres hingerichtet. Tausende Mitglieder der Bewegung wurden festgenommen. Auf dem Weg nach Kairo wurde Nasser von gewaltigen Menschenmengen empfangen, und im November wurde Präsident Muhammad Nagib, sein letzter Rivale unter den Führern des Staatsstreichs, abgesetzt und unter Hausarrest gestellt.
Das Börsengebäude existiert nicht mehr: Nach einem Brand riss man es im Jahr neunzehnhundertzweiundachtzig endgültig ab. Der Balkon, von dem aus die acht Schüsse in die Radiosendung fielen, ist verschwunden. Der bronzene Muhammad Ali, der hier achtzig Jahre vor dem Attentat aufgestellt worden war, blieb in der Mitte des Platzes.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Platz, rund um die Uhr zugänglich.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist ein belebtes Geschäftsviertel, kein abgelegenes Denkmal. Achten Sie auf den Verkehr und gehen Sie für eine Nahaufnahme nicht auf die Fahrbahn.
