Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das rot-schwarze Tor
- Die Wappen über der Durchfahrt
- Die steinernen Rollen an beiden Seiten der Durchfahrt
- Der rechteckige Hof des Schweizerhofs
Die Geschichte des Ortes
Die rot-schwarze Durchfahrt mit Wappen führt in den Hof des Schweizerhofs, der den rechteckigen Grundriss der alten Festung der Hofburg bewahrt hat. Früher stand auf dieser Seite die nordwestliche Mauer der Burg, später richtete man in ihr eine Prunkeinfahrt mit Zugbrücke ein. Die steinernen Rollen an den Seiten der Durchfahrt zeigen noch heute, wo ihre Ketten liefen. Der Name des Tores erinnert an die Schweizer Kompanie, die an der Hofburg Wache stand und an Hofzeremonien teilnahm.
Im Oktober vierzehnhundertzweiundsechzig führte der Wiener Bürgermeister Wolfgang Holzer bewaffnete Bürger zu den Mauern des heutigen Schweizerhofs. Holzer war durch den Viehhandel reich geworden und setzte sich nun dafür ein, dass Wien dem Kaiser Friedrich III. nicht länger gehorchte. Er unterstützte den jüngeren Bruder des Kaisers, Albrecht VI.: Dieser verlangte, man solle ihm die Herrschaft über ganz Österreich übergeben.
Die Brüder führten bereits seit einem Jahr Krieg gegeneinander. Ihre Söldner verwüsteten das Land, die Verschlechterung der Silbermünze trieb die Preise in die Höhe, und in Wien fehlten Lebensmittel. Holzer nutzte die Unzufriedenheit, übernahm das Amt des Bürgermeisters, begann, die dem Herrscher zustehenden Steuern selbst einzuziehen, und ließ zwei kaiserliche Räte verhaften. Friedrich wurde angeboten, die Stadt frei zu verlassen. Er wollte Wien halten und lehnte ab.
Die Hofburg lag damals fast vollständig um diesen Hof. Drei Wohnflügel und eine Wehrmauer bildeten eine viereckige Festung mit Türmen an den Ecken. Das rot-schwarze Tor gab es noch nicht: Auf dieser Seite verlief die Mauer der alten Burg. Holzer und seine Anhänger hielten Friedrich, seine Frau, den dreijährigen Sohn und die Höflinge mehrere Wochen im Inneren fest. Kanonen beschossen den Nordturm, unter seinem Fundament trieb man einen Stollen vor; im November schlugen Geschosse eine Ecke des Turms ab.
Friedrichs Verbündeter, der böhmische König Jiří z Poděbrad, schickte ein Heer, um die Belagerung aufzuheben. Durch seine Vermittlung einigten sich die Brüder: Friedrich überließ Albrecht für acht Jahre die Verwaltung Niederösterreichs, und Albrecht versprach, ihm jährlich viertausend Dukaten zu zahlen. Der Kaiser ging nach Wiener Neustadt, Albrecht erhielt Wien, und Holzer erreichte den Wechsel des Herrschers.
Mit dem kaiserlichen Hof verließen Auftraggeber, Käufer und Geld die Stadt. Die Wiener spürten rasch den Preis ihres Sieges. Bereits im Frühjahr nahm Holzer heimlich Kontakt zu Friedrich auf und versuchte, Albrecht zu stürzen. Die Verschwörung wurde aufgedeckt; der Bürgermeister wurde gefasst und auf dem Platz Am Hof gevierteilt. Im Dezember desselben Jahres starb Albrecht plötzlich, ohne einen Erben zu hinterlassen, und die niederösterreichischen Stände erkannten Friedrich wieder an. Der Kaiser befahl den Bürgern, die Reparatur der beschädigten Festung zu bezahlen. Die abgeschlagene Ecke des Turms wurde im Jahr vierzehnhundertvierundsechzig wiederhergestellt.
Später riss man die Ecktürme ab. Von der Festung blieb der rechteckige Grundriss des Schweizerhofs, und in der ehemaligen nordwestlichen Mauer richtete man im Jahr eintausendfünfhundertzweiundfünfzig auf Befehl Ferdinands I. die heutige Prunkeinfahrt mit Zugbrücke ein. Die steinernen Rollen, über die ihre Ketten liefen, sind auf beiden Seiten der Durchfahrt erhalten.
Schweizer Tor nannte man dieses Tor erst zwei Jahrhunderte später. Der Ehemann Maria Theresias, Kaiser Franz I. Stephan, konnte nicht über die ihr gehörenden königlichen und erzherzoglichen Garden verfügen und brachte eine eigene Kompanie Schweizer nach Wien. Im Jahr eintausendsiebenhundertfünfundvierzig begleiteten sie ihn zu seiner Krönung, bewachten danach die Eingänge der Hofburg und nahmen an Hofzeremonien teil. Nach Franz’ Tod entschied ihr Sohn Joseph II., ohne eine eigene Kompanie auszukommen, und löste sie im Jahr eintausendsiebenhundertsiebenundsechzig auf. Einige Gardisten kehrten in die Schweiz zurück, andere wurden auf die kaiserlichen Residenzen verteilt. Ihre Wache verschwand, doch Hof und Tor heißen seither Schweizerhof und Schweizertor.
Praktisch vor Ort
Tore und Hofszene lassen sich von außen erschließen; Durchgänge, Zeremonien, Sicherheitsvorkehrungen und Museumseingänge der Hofburg können die günstige Route verändern.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Durchfahrt ist eng; halten Sie sich daher nicht unter dem Tor auf, wenn Sie den Verkehr behindern. Die Kaiserliche Schatzkammer Wien, die Kapelle und Auftritte des Chors haben eigene Besuchsbedingungen und gehören nicht zum verpflichtenden Außenteil.
