Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Halbrunde Fassade der Hofburg
- Kuppel des Michaelertrakts
- Skulptur des Erzengels Michael
- Zwei Tafeln zum Alten Burgtheater
Die Geschichte des Ortes
Der Name Michaelerplatz stammt von der gegenüberliegenden Michaelerkirche, der Kirche des Erzengels Michael. Über ihrem Eingang stürzt Michael aufständische Engel hinab. Die halbrunde Fassade der Hofburg mit der Kuppel, der sich der Platz zuwendet, entstand dagegen viel später als der Name selbst.
Im achtzehnten Jahrhundert stand an ihrer Stelle ein Hoftheater. Dafür richtete man einen alten Ballspielsaal neben dem Palast her; von den kaiserlichen Gemächern führten eigene Gänge zu den Logen. Im Jahr eintausendsiebenhundertsechsundsiebzig nahm Kaiser Joseph II. das Theater in die Hofverwaltung, nannte es Deutsches Nationaltheater und machte die Schauspieler zu Hofbediensteten. Joseph betrachtete die öffentliche Bühne als Schule der Sitten: Das Publikum sollte erzogen werden, und Stücke, die einen unerwünschten Eindruck hervorrufen konnten, sollten nicht aufgeführt werden.
Gerade ein solches Stück wählten der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart und der Hofdichter Lorenzo Da Ponte. In Beaumarchais’ Komödie La Folle Journée, ou Le Mariage de Figaro versucht ein Graf, die Braut seines Dieners zu verführen. Die Diener stellen ihrem Herrn eine Falle, und Figaro hält eine lange Rede gegen die Vorteile, die man durch Geburt erhält. Joseph verbot die öffentliche Aufführung dieser Komödie in Wien.
Mozart lebte damals ohne feste Stellung am Hof: Er verdiente sein Geld mit Konzerten, Unterricht und einzelnen Aufträgen. Da Ponte erhielt sein Gehalt gerade von Josephs Theater. Ohne die Zustimmung des Kaisers konnten die Monate ihrer Arbeit nicht auf die Bühne gelangen. Da Ponte kürzte fünf Akte auf vier, strich Figaros schärfste Reden und legte dem Kaiser ein italienisches Opernlibretto vor, aus dem die verbotenen Stellen bereits entfernt waren. Joseph erlaubte die Aufführung.
Am ersten Mai eintausendsiebenhundertsechsundachtzig erklang Le nozze di Figaro hier im Alten Burgtheater zum ersten Mal. Mozart leitete die ersten Aufführungen selbst. Bei der dritten Aufführung verlangten die Zuschauer so viele Wiederholungen, dass Joseph am nächsten Tag anordnete, Nummern, in denen mehrere Darsteller singen, nicht mehr zu wiederholen: Sonst zog sich die Aufführung zu sehr in die Länge.
In Wien blieb die Oper ohne besonderen Triumph im Repertoire. Einige Monate später brachte der Theaterdirektor Pasquale Bondini sie in Prag auf die Bühne. Dort war der Erfolg so groß, dass Bondini Mozart einlud, Figaro zu dirigieren, und bei ihm eine neue Oper bestellte. Mozart arbeitete wieder mit Da Ponte zusammen; das Ergebnis war Don Giovanni.
Im Jahr achtzehnhundertachtundachtzig zog die Truppe in ein neues Gebäude an der Ringstraße um. Das alte Theater wurde abgerissen, um den Michaelertrakt der Hofburg fertigzustellen und davor die heutige Schlosseinfahrt anzulegen. Vom Zuschauerraum ist an der Oberfläche nichts erhalten. An der Wand unter der Kuppel markieren zwei kleine Tafeln den Ort des Theaters und seines früheren Eingangs; auf einer von ihnen wird Le nozze di Figaro unter den hier aufgeführten Uraufführungen genannt.
Praktisch vor Ort
Der Platz und die sichtbaren Ausgrabungen können von der Straße aus betrachtet werden; Michaelerkirche, Sisi Museum, Kaiserappartements, Spanische Hofreitschule und weitere Zugänge werden separat betrieben.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Schauen Sie zunächst diagonal über den Platz und gehen Sie dann am zugänglichen Rand zu den Ausgrabungen. Steigen Sie nicht hinter die Absperrung; die römischen Mauern sind zur Betrachtung von oben bestimmt.
