Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Halbkreisförmiger Pavillon
- Fenster des Pavillons
- Erinnerungszeichen „Frauenverein im Volksgarten“
Die Geschichte des Ortes
Volksgarten bedeutet „Garten des Volkes“. Kaiser Franz I. Stephan ließ ihn bei der Hofburg anstelle der von französischen Truppen gesprengten Bastionen anlegen. Am ersten Mai achtzehnhundertdreiundzwanzig wurde der Garten eröffnet. Es war der erste Garten in Österreich, den der Kaiserhof von vornherein für die Öffentlichkeit vorgesehen hatte. In den ersten Jahrzehnten bestand diese Öffentlichkeit hauptsächlich aus Adeligen und wohlhabenden Bürgern: Hier spazierte man, trank Kaffee und hörte Orchester.
Am achtundzwanzigsten August achtzehnhundertachtundvierzig versammelten sich im Salon des Café Corti zwischen einhundertfünfzig und vierhundert Frauen. Kurz zuvor hatte die Regierung die Löhne von Erdarbeiterinnen auf öffentlichen Baustellen gekürzt, und ihre Demonstration war auseinandergetrieben worden; achtzehn Menschen kamen ums Leben. Frauen wurden unterdessen nicht als Mitglieder mit Stimmrecht in politische Vereine aufgenommen. Die Versammelten beschlossen, einen eigenen zu gründen.
Zu ihrer Präsidentin wählten sie Karoline von Perin-Gradenstein, die Witwe eines Barons und Mutter von drei Kindern, die sich für politische Gleichberechtigung und Bildung für Frauen einsetzte. Sie stammte aus einer reichen Adelsfamilie, lebte jedoch unverheiratet mit dem Redakteur der Revolutionszeitung Alfred Julius Becher. Ihre Angehörigen hatten sich bereits von ihr abgewandt; ihr politisches Engagement gefährdete sowohl ihr Vermögen als auch ihre Kinder.
Männer wurden zur Sitzung nicht zugelassen. Sie drängten sich an den fast bis zum Boden reichenden Fenstern, stürmten dann hinein und zerschlugen die Scheiben. Die Frauen mussten die Versammlung verlegen, gründeten jedoch noch am selben Tag den Wiener demokratischen Frauenverein – die erste politische Vereinigung von Frauen in Österreich. Seine Satzung erlaubte Männern, zu helfen, verbot ihnen jedoch das Abstimmen; verheiratete Teilnehmerinnen hatten keine Vorteile gegenüber unverheirateten.
In den folgenden zwei Monaten gab der Verein Flugblätter heraus, hielt Versammlungen ab und sammelte eintausend Unterschriften für eine Petition an den Reichstag, das damalige Parlament. Die Abgeordneten lehnten die Petition ab. Nach der Niederlage der Revolution wurde der Verein verboten, Karoline verhaftet. Becher wurde erschossen, ihr Vermögen beschlagnahmt und ihr die Vormundschaft über die Kinder entzogen. Erst nachdem sie auf politische Tätigkeit verzichtet hatte, durfte sie nach Wien zurückkehren. Sie eröffnete ein Arbeitsvermittlungsbüro, verdiente später mit Fotografie ihren Lebensunterhalt und trat danach öffentlich nicht mehr politisch auf.
An der Stelle des Salons steht ein halbkreisförmiger Pavillon: Nach schweren Kriegsschäden wurde er neu errichtet, heute befindet sich hier die Volksgarten Clubdisco. Im Frühjahr zweitausendfünfundzwanzig wurde im Garten ein kleines Erinnerungszeichen mit der Aufschrift „Frauenverein im Volksgarten“ aufgestellt.
Praktisch vor Ort
Prüfen Sie die aktuellen Öffnungszeiten des Parks auf der Seite von Bundesgärten / WienTourismus
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Eilen Sie nicht durch den Garten hindurch: Seine Objekte liegen an verschiedenen Wegen. Den Theseustempel können Sie nur bei bestehendem öffentlichem Zugang betreten.
