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Vana-Kalamaja und Tallinner Häuser

Vana-Kalamaja tänav / Tallinna maja

An den Fassaden erkennen Sie, wie ein günstiges Mietshaus an die Brandschutzvorschriften und die Bedürfnisse von Arbeitern angepasst wurde.

20 Min.
Altes Holzhaus in Kalamaja
Dmitry G · Public domain; cropped/resized for app
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Worauf achten

  • Zwei symmetrische Holzflügel
  • Zentraler steinerner Streifen der Fassade
  • Hoher Keller

Die Geschichte des Ortes

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Vana-Kalamaja verbindet den Baltischen Bahnhof (Balti jaam) mit dem nördlichen Teil des Viertels und dem Meer. Unter den Holzfassaden findet sich ein besonderer Typ von Mietshaus: zwei symmetrische Wohnflügel, in der Mitte ein Streifen aus Ziegeln oder Putz. Dahinter verbirgt sich ein steinernes Treppenhaus. An diesem Detail erkennt man das „Tallinner Haus“.

Nach dem Ersten Weltkrieg fehlte es in der Stadt an günstigen Wohnungen. Eisenbahn, Hafen und die Betriebe von Kalamaja boten Arbeit und zogen Menschen aus den Dörfern an, doch sie mussten in der Nähe wohnen: Die tägliche Fahrt durch die Stadt verschlang einen Teil ihres geringen Lohns. Bis neunzehnhundertzweiundzwanzig war der Wohnungsbau beinahe zum Erliegen gekommen – es gab nur wenige private Bauherren, und ein gewöhnliches hölzernes Mietshaus durfte nach den alten Regeln nicht mehr errichtet werden.

Daraufhin bot der Staat Baudarlehen zu vier Prozent an, die über fünfzig Jahre zurückgezahlt wurden. Das Geld erhielten Gemeinden, Baufirmen, Grundstückseigentümer und Kleinunternehmer. Für einen privaten Bauherrn war dies eine Schuld fast für das gesamte Arbeitsleben; zurückzahlen sollte er sie aus den Mieteinnahmen. Das Haus musste also genügend Bewohner aufnehmen, ohne dass die Kosten für Materialien den Bauherrn ruinierten oder die Brandschutzvorschriften verletzt wurden.

Die seit neunzehnhundertdrei geltenden Vorschriften verlangten, zwei Holztreppen durch eine Steintreppe zu ersetzen. Als der Bau in den Zwischenkriegsjahren wieder aufgenommen wurde, nutzten die Bauherren genau diese Lösung. Ein einziges Treppenhaus nahm weniger Platz ein, günstige Holzwohnungen ließen sich auf beiden Seiten anordnen, und die steinerne Mitte erfüllte die Brandschutzanforderungen. Nach dem Preisverfall bei Holz im Jahr neunzehnhundertzweiunddreißig wurde dieses Schema noch vorteilhafter.

Der Architekt Karl Tarvas (früher Treumann), der damals noch Treumann hieß, machte daraus einen Plan, der sich schnell an verschiedene Grundstücke anpassen ließ. Als Sohn eines Zimmermanns verdiente er mit dem Entwurf günstiger Familienwohnungen sein Geld und setzte sich dafür ein, dass Sparsamkeit das Haus nicht in eine Baracke verwandelte. Im Inneren fanden gewöhnlich acht Wohnungen Platz, überwiegend Zweizimmerwohnungen. Der Komfort blieb bescheiden, Badezimmer waren selten; im hohen Keller richtete man eine Waschküche oder einen Laden ein. Tarvas beschränkte sich nicht auf Zeichnungen und kontrollierte die Baustelle oft selbst.

Ende der dreißiger Jahre lieferte sein Büro monatlich mehrere Dutzend solcher Entwürfe. In zwei Jahrzehnten wurden in Tallinn (historisch Reval) fast tausend Häuser mit einem zentralen steinernen Treppenhaus errichtet; etwa zwei Drittel entwarfen Mitarbeiter von Tarvas. Die Eigentümer erhielten Mietshäuser, Arbeiter und wenig wohlhabende Angestellte kleine Wohnungen nahe ihren Arbeitsplätzen. Der Wohnungsmangel wurde nicht vollständig beseitigt, doch diese Bauweise verbreitete sich in Kalamaja, Pelgulinn und Kadriorg.

„Tallinner“ wurden die Häuser genannt, weil gerade in der Hauptstadt die meisten von ihnen gebaut wurden. Mehr als fünfhundert sind erhalten geblieben. An der Vana-Kalamaja ist von den Berechnungen der Bauherren und der Arbeit des Büros von Tarvas jener steinerne Streifen zwischen den Holzflügeln geblieben – das gemeinsame Treppenhaus, um das die Wohnungen von Menschen angeordnet waren, die ihren Lebensunterhalt bei der Eisenbahn, in Werkstätten und im Hafen verdienten.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort20 Min.
Nächster PunktKalamaja-Museum
Eintrittvon außen

Die Straße ist rund um die Uhr zugänglich. Die Häuser sind bewohnt; kein Zugang zu den Innenräumen, die Höfe sind nicht Teil der Route.

Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Dies sind bewohnte Häuser, keine Museumskulisse: Bleiben Sie auf der Straße, schauen Sie nicht in die Fenster und betreten Sie die Höfe nicht ohne Einladung.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie bis zum südlichen Ende der Straße und suchen Sie das weiße Haus mit einem runden Lüftungsfenster.

Stopp 3 von 8Weiter: Kalamaja-Museum

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Kalamaja und Noblessner: vom Bahnhof zum Meer“ — 8 Stopps, etwa 4 km, 2–3 Stunden.

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