Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weiß gekalkter Flügelbau aus Stampflehm
- Ofen
- Familienfotografien
- Drei Wohnräume
Die Geschichte des Ortes
Im Jahr eintausendneunhunderteinunddreißig betrat Alexander Morrison, Redakteur einer örtlichen Zeitung und Verehrer Tschechows, diesen Flügelbau zum ersten Mal. Hier bestand bereits ein Museum, doch es wurde nur von einigen wenigen Aufsehern getragen und sah verlassen aus: eingetretene Dielen, Fotografien hinter staubigen, gesprungenen Scheiben, ein mit zerknülltem Papier vollgestopfter Ofen.
Morrison zog ein Blatt heraus, strich es glatt und sah ein Autogramm von Anton Pawlowitsch Tschechow. Ein Aufseher erklärte, dass kein Brennholz geliefert wurde: Ohne Heizen hätte die Feuchtigkeit alles verdorben, deshalb kamen Papiere in den Ofen. Wie viele handschriftliche Blätter bereits verbrannt waren, hatte niemand gezählt. Viele Jahre später hielt Morrisons Tochter, die damals ein Kind war, diese Szene fest; der genaue Wortlaut des Gesprächs ist aus ihren Erinnerungen bekannt, nicht aus einem Museumsprotokoll.
Um zu verstehen, warum Tschechows Papiere an einen solchen Ort gelangten, muss man zur Bestimmung des Flügelbaus selbst zurückkehren. Im Herbst eintausendachthundertneunundfünfzig mietete Pawel Jegorowitsch Tschechow, ein angehender Kaufmann aus Taganrog, bei dem Händler Gnutow eine günstige Wohnung neben seinem Kolonialwarenladen. Mit ihm zogen seine schwangere Frau Jewgenija Jakowlewna und zwei kleine Söhne ein. Am neunundzwanzigsten Januar eintausendachthundertsechzig wurde hier ihr dritter Sohn Anton geboren – der spätere Arzt, Schriftsteller und Dramatiker.
Die Familie bewohnte drei Zimmer und eine Küche mit einer Gesamtfläche von rund fünfunddreißig Quadratmetern. Bereits im März des folgenden Jahres zogen die Tschechows um. Anton schrieb hier keine Erzählungen und verbrachte hier nicht seine Kindheit: Von diesem Haus blieben ihm seine Geburt und die ersten vierzehn Monate seines Lebens. Die geringe Größe des Flügelbaus gab dem Museum seinen gebräuchlichen, später offiziellen Namen – Museum „Tschechow-Häuschen“.
Morrison bestritt seinen Lebensunterhalt als Redakteur und kümmerte sich nach der Arbeit bei der Zeitung um die Rettung des Museums, ohne eigene Stelle und Gehalt. Die im Ofen gefundenen Blätter veranlassten ihn, das Erhaltene zu ordnen sowie Fotografien und Menschen zu suchen, die sich an die Familie Tschechow erinnerten. Er brachte einen ehemaligen Gymnasialkameraden des Schriftstellers hierher, der half, die Anordnung der Dinge wiederherzustellen und Gegenstände der alten Einrichtung zu finden. Im Jahr eintausendneunhundertdreiunddreißig erhielt das Museum den Status eines Gedenkmuseums und wurde als wiederhergestelltes Haus der Familie eröffnet.
Die heutigen Räume sind nicht seit der Zeit der Tschechows unberührt erhalten. Ihre Einrichtung wurde nach Erinnerungen, Familiendokumenten und wenigen echten Dingen zwischen Gegenständen jener Epoche zusammengestellt. Erhalten blieb der weiß gekalkte Flügelbau aus Stampflehm selbst; wie viele Tschechow-Blätter verbrannten, bevor Morrison in den mit Papier vollgestopften Ofen blickte, ist unbekannt geblieben.
Praktisch vor Ort
Di–So 10:00–18:00, Kasse bis 17:00 Uhr; Mo geschlossen. Bis 31.08.2026 donnerstags 10:00–19:00, Kasse bis 18:00 Uhr. 01.07.2026 Reinigungstag.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Größe des Hauses wird schon von außen deutlich, doch im Inneren fällt besonders auf, wie wenig persönlicher Raum einer großen Familie blieb.
