Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weiße Kirche
- Klosterhof
- Hohe Klostermauer
- Gedenktafel
Die Geschichte des Ortes
Der Platz hat zwei Namen. Im Gespräch nennt man ihn La Recoleta – nach dem Franziskanerkloster vor ihm. Der offizielle Name ehrt Pedro de Anzúrez, einen spanischen Hauptmann, dem die städtische Überlieferung die Gründung von La Plata zuschreibt. Dieselbe Überlieferung verortet die Anlage der Stadt auf dieser Terrasse am Fuß der Churuquella. Von jener Zeremonie ist keine Urkunde erhalten, und Historiker streiten sowohl über das Datum als auch darüber, ob Anzúrez damals hier gewesen sein konnte. Der Platz wurde nach der von der Stadt anerkannten Rolle als Gründer benannt; der genaue Ort des Ereignisses bleibt unbewiesen.
Das Wort „Recoleta“ erklärt, warum die Franziskaner an den Rand der damaligen Bebauung zogen. Als Recolección bezeichneten sie eine Niederlassung für ein zurückgezogenes und strengeres Leben. Francisco de Morales, ein Franziskaner, dem die Einrichtung eines solchen Hauses übertragen worden war, gründete hier zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts eine kleine Kirche und den Klosterhof Santa Ana de Montesión. Der steile Hang trennte die Brüder vom bewohnten Zentrum.
Mehr als zwei Jahrhunderte später erhielten die abgeschiedenen Zellen eine andere Nutzung. Im Jahr eintausendachthundertsechsundzwanzig ordnete der Präsident der neuen Republik, Antonio José de Sucre, an, die zahlenmäßig kleinen Ordensgemeinschaften zu reduzieren. Die Franziskaner wurden nach Potosí versetzt, und den Komplex von La Recoleta übergab man dem Heer zur Nutzung als Kaserne. Deshalb brachte man den gestürzten Präsidenten hierher und nicht in das städtische Gefängnis.
Pedro Blanco Soto war Berufsoffizier und Interimspräsident, den die Versammlung am sechsundzwanzigsten Dezember eintausendachthundertachtundzwanzig ernannt hatte. Einige Monate zuvor hatte er auf der Seite des peruanischen Generals Agustín Gamarra gehandelt, dessen Armee in Bolivien einmarschiert war. Blancos Gegner hielten ihn für einen Schützling Gamarra. Oberst Mariano Armaza und Oberstleutnant José Ballivián drängten auf seine Absetzung und nahmen den Präsidenten am letzten Tag des Jahres fest. In der Versammlung wurde Blanco beschuldigt, selbst die peruanischen Truppen gerufen zu haben. Über die Anschuldigung konnte keine Entscheidung mehr getroffen werden: Den Gefangenen schickte man in die Kasernen von La Recoleta.
Blanco stand sechs Tage lang an der Spitze der Republik. Im Kloster sperrte man ihn in einer Zelle am Innenhof ein. Nach dem späteren Bericht des Offiziers, der damals die Wache befehligte, war den Soldaten zuvor ein Befehl verlesen worden: Falls Anhänger versuchten, den Gefangenen zu befreien, dürften sie ihn nicht lebend herausgeben. Nach der Darstellung dieses Offiziers erklärte der Wachposten um Mitternacht, an der hohen Mauer seien Menschen aufgetaucht. Blanco schlief auf einer Holzpritsche. Er stand auf und ging zur Tür, um herauszufinden, was geschah. Der Wachposten stieß ihn mit dem Bajonett zurück und gab einen Schuss ab; die danach eingetretenen Militärs setzten die Tötung fort.
Die Wache erklärte, der Gefangene habe zu fliehen versucht. Spätere Zeugenaussagen machten diese Darstellung strittig. In einem testamentarischen Brief aus dem Jahr eintausendachthundertsiebenundvierzig räumte Hauptmann Basilio Herrera ein, die Hinrichtung auf Befehl von Armaza vollzogen zu haben. Wer jeden einzelnen Schlag ausführte, ließ sich nicht feststellen. Blanco starb in der Nacht zum ersten Januar eintausendachthundertneunundzwanzig, und die Versammlung übertrug José Miguel de Velasco das Präsidentenamt.
Im Jahr eintausendachthundertsiebenunddreißig gab die Regierung den Komplex den Franziskanern zurück. Die weiße Kirche vor dem Platz wurde später erheblich umgebaut, doch in den Innenhöfen blieben alte Teile des Klosters erhalten. Heute befindet sich hier wieder eine franziskanische Gemeinschaft, und ein Teil der Räume ist als Museum geöffnet. Eine Gedenktafel im Inneren kennzeichnet den Ort, an dem Blanco getötet wurde; vom Platz aus sind weder seine Zelle noch diese Tafel zu sehen.
Praktisch vor Ort
Platz und äußerer Aussichtspunkt sind frei zugänglich. Klostermuseum: Mo–Fr 09:00–11:30 und 14:30–16:30; Sa 09:00–11:30; So geschlossen; Besuch nur mit Guide.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Den Aussichtspunkt kann man unabhängig vom Zugang zu den Klosterräumen erreichen. Nehmen Sie sich nach dem Aufstieg Zeit zum Verschnaufen und betrachten Sie die Stadt schichtweise, nicht nur als Hintergrund für ein Foto.
