Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerne Säule
- Vitrine mit einem Faksimile der Urkunde
- Porträts der Abgeordneten
Die Geschichte des Ortes
Der Name „Casa“ ist hier irreführend: Dahinter verbirgt sich kein Wohnhaus. Die Steinmauern bewahrten die ehemalige Hauskapelle des Jesuiten-Universitätsgebäudes; nach der Vertreibung des Ordens machte man sie zum wichtigsten Hörsaal der Universität, in dem Doktorthesen verteidigt und feierliche Zeremonien abgehalten wurden. Bänke, ein Rednerpult und Plätze für Ehrengäste ermöglichten es, hier große öffentliche Sitzungen abzuhalten, und viele Juristen, die diesen Saal betraten, hatten zuvor in denselben Mauern studiert. Auf der steinernen Säule steht jetzt eine gläserne Vitrine mit einer Kopie des alten Dokuments, dessen Original im Museumsarchiv aufbewahrt wird.
Im Sommer achtzehnhundertfünfundzwanzig nahm Casimiro Olañeta einen der Plätze in der ehemaligen Jesuitenkapelle ein – ein Abgeordneter aus Charcas und Jurist, der die Gründung eines eigenen Staates anstrebte. Noch kurz zuvor hatte er als Sekretär und Berater seines Onkels Pedro Antonio Olañeta gedient, des letzten Befehlshabers in dieser Gegend, der dem spanischen König die Treue hielt. Casimiros Stellung, Einkommen und Protektion hingen von seinem Onkel ab. Zu Beginn des Jahres verließ er ihn und wechselte auf die Seite der Sieger.
An der Spitze der Befreiungsarmee stand Antonio José de Sucre, der Feldherr, der bei Ayacucho die wichtigsten spanischen Kräfte zerschlagen hatte. Casimiro überzeugte ihn davon, dass die örtlichen Vertreter über das Schicksal Oberperus entscheiden sollten. Am neunten Februar berief Sucre eine Versammlung von Abgeordneten ein. Casimiros Onkel leistete weiter Widerstand, erlitt jedoch im April bei Tumusla eine tödliche Verwundung. Das spanische Kommando zerfiel, und sein Neffe bereitete sich darauf vor zu beweisen, dass die befreiten Provinzen nicht unter die Verwaltung eines der Nachbarn fallen sollten.
So entstand der Streit, wegen dessen die Abgeordneten gerade hier zusammentraten. Das Gebiet hatte früher Buenos Aires unterstanden, war während des Krieges von Lima aus verwaltet worden und wurde nun von Sucres Armee besetzt. Der Kongress in Buenos Aires hatte den Provinzen bereits erlaubt, selbst über ihr Schicksal zu verfügen. Simón Bolívar, Leiter des Befreiungsfeldzugs, der in Peru außerordentliche Vollmachten erhalten hatte, handelte vorsichtiger: Er ordnete an, die Entscheidung der Abgeordneten bis zur Sitzung des peruanischen Kongresses im folgenden Jahr nicht als endgültig zu betrachten.
Das Wort „Casa“ im Namen bedeutet kein privates Wohnhaus. Vor der Versammlung befand sich hier ein Universitätsgebäude der Jesuiten. Deren Hauskapelle wurde nach der Vertreibung des Ordens in den wichtigsten Hörsaal der Universität umgewandelt: Hier verteidigte man Doktorthesen und hielt feierliche Zeremonien ab. Für die Abgeordneten war es ein fertiger Sitzungssaal mit Bänken, einem Rednerpult und Plätzen für Ehrengäste. Viele von ihnen hatten in diesen Mauern selbst Jura studiert.
Eine Möglichkeit war die Rückkehr zu Buenos Aires, eine andere der Anschluss an Peru. Casimiro Olañeta trat für volle Eigenständigkeit ein. José Mariano Serrano, zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt, sollte das Ergebnis des Streits in ein juristisches Dokument fassen. Für Buenos Aires wurde keine einzige Stimme abgegeben. Den Anschluss an Peru unterstützten zwei Abgeordnete. Die übrigen entschieden sich für eine eigene Republik.
Serrano und eine von den Abgeordneten vorbereitete Kommission verfassten eine Urkunde, die Oberperu für unabhängig von Spanien, Lima und Buenos Aires erklärte. Das Dokument wurde auf den sechsten August datiert, den ersten Jahrestag von Bolívars Sieg bei Junín. Darunter erschienen achtundvierzig Unterschriften, auch die Unterschriften jener, die während der Beratung ein Bündnis mit Peru bevorzugt hatten. Einige Tage später nannten die Abgeordneten den neuen Staat Republik Bolívar.
Eine Unterschrift reichte für die Anerkennung des neuen Staates nicht aus. Die Versammlung schickte Casimiro Olañeta und ihren stellvertretenden Vorsitzenden José María Mendizábal zu Bolívar. Der Mann, der kurz zuvor noch Schriftstücke für den letzten spanischen Befehlshaber verfasst hatte, brachte dem Befreier nun die Entscheidung über die Gründung eines Landes. Bolívar stimmte ihr zu, und Sucre leistete später in demselben Hörsaal den Eid als erster verfassungsmäßiger Präsident. Casimiro erhielt nun im neuen Staat Ämter: Er war Abgeordneter, Minister, Diplomat und Richter.
Bis achtzehnhundertachtundneunzig tagten die Abgeordneten des bolivianischen Kongresses weiter in der ehemaligen Kapelle. Dann wurde das Gebäude in ein historisches Museum umgewandelt und nach einer Entscheidung, die in seinem Hauptsaal getroffen worden war, Casa de la Libertad – Haus der Freiheit – genannt. Auf einer steinernen Säule steht dort eine Vitrine mit einem Faksimile der Urkunde; das Original bewahrt das Museumsarchiv auf. Im benachbarten Saal der Unterzeichner hängt über den Porträts der Abgeordneten das Porträt Serranos, der das Dokument verfasste; daneben hängt Casimiro Olañeta, der zunächst die Seite wechselte, dann die Abstimmung erreichte und ihr Ergebnis selbst zu Bolívar brachte.
Praktisch vor Ort
Mo–Fr 08:30–16:30; Sa–So 09:00–13:00; an staatlichen Feiertagen geschlossen. Letzter Einlass – eine Stunde vor Schließung.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist ein Museumsinterieur; prüfen Sie die Zutrittsbedingungen daher gesondert. Wenn ein Besuch im Inneren nicht möglich ist, betrachten Sie das Portal und halten Sie den Halt außen nicht für einen vollwertigen Ersatz des Saals.
