Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Öffentlich zugängliche Plätze
- Bibliothek
- Künstlerisch gestaltete Türen
- Wandpaneele
Die Geschichte des Ortes
Die künstlerisch gestalteten Türen und Wandpaneele in diesem großen Gebäude wurden als Teil des Alltags geschaffen, neben Leuchten, Trinkbrunnen und Bänken. Zehn Säle, eine Bibliothek und fünf offene Plätze beherbergen noch immer Aufführungen, Tanz, Zirkus, Konzerte und Ausstellungen. Auf die geschenkte Sammlung verzichtete man hier, damit die Räume nicht zu Museumsdepots wurden und Orte für Begegnungen und Kurse blieben. Nicht die gesamte Ausstattung überstand die Veränderungen: Achtzehn ursprüngliche Werke befinden sich nun im Zentrum, sechs werden an anderen Orten aufbewahrt, und vierzehn sind noch immer nicht gefunden.
Im August neunzehnhundertzweiundsiebzig wurde Irma Cáceres de Almeyda ein Gebäude übergeben, das seine Aufgabe bereits erfüllt hatte. Hier war gerade die Dritte Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD III) zu Ende gegangen: Dreitausend Delegierte aus einhundertvierzig Ländern hatten über Armut und ungleiche Bedingungen im Welthandel beraten. Nun sollte der riesige Komplex mit Stadtbewohnern gefüllt werden und sich dabei selbst tragen.
Den Ort für die Konferenz hatte der Präsident von Chile, Salvador Allende, ausgewählt. Man schlug ihm ein Grundstück im Parque O'Higgins und dieses hier an der wichtigsten städtischen Verkehrsachse, der Alameda, vor. Allende entschied sich für die Alameda, wo alle das Gebäude sehen würden. Bis zur Eröffnung blieb weniger als ein Jahr. In zweihundertfünfundsiebzig Tagen errichteten die Architekten den Bau mit Arbeitern und Freiwilligen, die in Schichten von bis zu zwölf Stunden arbeiteten. Drei Monate lang erhielten die Künstler ebenso viel Geld wie ein qualifizierter Tischler. Sie schufen für das Gebäude Türen, Leuchten, Trinkbrunnen, Bänke und Wandpaneele: Kunstwerke sollten den Menschen zusammen mit der übrigen Ausstattung dienen.
Nach der Konferenz übergab Allende den Komplex dem Ministerio de Educación de Chile. Irma Cáceres wurde zur ersten Direktorin ernannt. Damals stellte man Frauen nur selten an die Spitze von Einrichtungen dieser Größe; Cáceres selbst war zuvor häufiger als Ehefrau des Außenministers Clodomiro Almeyda vorgestellt worden. Hier war sie erstmals für ein eigenes großes Vorhaben verantwortlich.
Cáceres lehnte den Vorschlag ab, die geschenkte Kunstsammlung im Gebäude unterzubringen. Ein gewöhnliches Museum hätte Räume beansprucht, die sie für Versammlungen, Kurse und Aufführungen freihalten wollte. Einnahmen brachten eine Kantine für sechshundert Personen und die Vermietung der Säle. Damit finanzierte die Direktorin Theater- und Tanzproduktionen, Konzerte, Gespräche und Ausstellungen lateinamerikanischer Kunst. Der frühere Ort einer internationalen Konferenz wurde unter dem Namen Centro Cultural Gabriela Mistral (GAM) für die Stadtbewohner geöffnet.
Mit Gabriela Mistral ist diese Adresse biografisch nicht verbunden. So hieß die Dichterin und Lehrerin Lucila Godoy Alcayaga, die ein literarisches Pseudonym annahm und im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig als erste Nobelpreisträgerin Chiles ausgezeichnet wurde. Nach ihr benannte man die Einrichtung, die für allgemein zugängliche Kultur und Bildung geschaffen worden war.
Cáceres leitete sie nur etwas mehr als ein Jahr. Nach dem Putsch von neunzehnhundertdreiundsiebzig schloss das Militär den Komplex für die Öffentlichkeit. Weil der Präsidentenpalast Palacio de La Moneda durch Bombardierungen beschädigt worden war, zog die Junta Militar de Gobierno de Chile hierher. An der Fassade erschien der Name des Staatsmanns des neunzehnten Jahrhunderts Diego Portales, ringsum wurden Zäune errichtet, und viele der für das Gebäude geschaffenen Kunstwerke wurden abgenommen, zerstört oder fortgebracht. Cáceres verlor ihre Stelle; seit neunzehnhundertfünfundsiebzig lebte sie im Exil in Mexiko und in der Deutschen Demokratischen Republik, wo sie in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit eines Betriebs tätig war.
Nach dem Brand von neunzehnhundertsechs wurde der beschädigte Teil des Komplexes umgebaut. Im Jahr neunzehnhundertzehn eröffnete hier erneut das Centro Cultural Gabriela Mistral (GAM). Heute finden in seinen zehn Sälen Aufführungen, Tanz- und Zirkusvorstellungen, Konzerte und Ausstellungen statt; außerdem gibt es eine Bibliothek und fünf öffentlich zugängliche Plätze. Von der ursprünglichen Sammlung befinden sich achtzehn Werke im heutigen Zentrum, sechs werden an anderen Orten aufbewahrt, und vierzehn gelten noch immer als vermisst.
Praktisch vor Ort
Plätze täglich 09:00–21:00; Gebäude A und B täglich 09:00–22:00. Die Öffnungszeiten der Säle, Kassen und Veranstaltungen richten sich nach dem Programm und können sich ändern.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Für die Erzählung genügt es, die offenen Durchgänge und Fassaden zu umrunden. Ausstellungen, Aufführungen und geschlossene Säle sollten Sie als eigenen Besuch betrachten.
