Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zwölf Meter hohes schräges Kreuz
- Stütze auf einem Querarm
- Offener Platzraum
Die Geschichte des Ortes
Über der offenen Praça da Sé steht ein zwölf Meter hohes, schräg gestelltes Kreuz aus rostfreiem Stahl: Einer seiner Querarme stützt sich auf den Boden, weshalb das Denkmal umgefallen wirkt. Die Skulptur wurde Ende des vergangenen Jahrhunderts auf dem ehemaligen Kirchhof aufgestellt; die Steinmauern der alten Kathedrale standen daneben, auf einem anderen Teil des Platzes. Der Raum ringsum entstand bereits als städtischer Verkehrsknotenpunkt: Nach dem Abriss von zwei benachbarten Häuserblocks wurde die Straßenbahnendhaltestelle hierher verlegt.
Im Jahr neunzehnhundertsechzehn gab es die Praça da Sé noch nicht. Einen Teil des heutigen offenen Raums nahm die Sé Primacial do Brasil ein, die frühere Kathedralbasilika von Salvador. Die Gottesdienste des Erzbischofs waren zu diesem Zeitpunkt längst in die benachbarte ehemalige Jesuitenkirche verlegt worden, doch das Gebäude aus dem sechzehnten Jahrhundert blieb Eigentum des Erzbistums.
Die Straßenbahngesellschaft Companhia Linha Circular de Carris da Bahia wollte eine direkte Strecke von der Rua da Misericórdia zum Terreiro de Jesus anlegen. Solange die Kathedrale stand, mussten die Wagen hinter ihr abbiegen, verloren an Geschwindigkeit und hielten den Verkehr auf. Die Gesellschaft stellte dem Kirchenrat eine Wahl: fünf Meter des Gebäudes abzutragen oder es vollständig abzureißen. Der Rat entschied sich für den Abriss.
Erzbischof Jerônimo Tomé da Silva bat Papst Benedikt XV. um Erlaubnis. Er erklärte, die Kirche werde nicht mehr für Gottesdienste gebraucht, in der Nähe gebe es genügend andere Kirchen, und die Sé Primacial do Brasil habe angeblich keinen künstlerischen Wert. Im Jahr neunzehnhundertneunzehn kam die Genehmigung aus Rom unter einer Bedingung: Auf dem freigewordenen Platz müsse ein Kreuz errichtet werden.
Die Schlüssel zur Kirche wurden jedoch nicht beim Erzbischof aufbewahrt. Die Sé Primacial do Brasil wurde von der weltlichen Irmandade do Santíssimo Sacramento verwaltet, die sich auf königliche Urkunden bereits aus dem siebzehnten Jahrhundert stützte. Die Brüder verfügten über das kirchliche Eigentum und setzten sich dafür ein, dass weder das Gebäude noch seine Ausstattung ohne sie verkauft würden. Sie beauftragten den Anwalt Metódio Coelho. Zunächst ging er ein ganzes Jahr lang von Büro zu Büro und versuchte, das Geschäft zu stoppen; dann reichte die Bruderschaft Klage ein und gewann das Recht, in der Kirche zu bleiben. Dem Erzbistum gelang es weder, die Räumlichkeiten noch die Schlüssel zu erhalten.
Auch über den Preis wurde gestritten. Die Straßenbahngesellschaft bot Geld an, der Erzbischof hielt die Summe für unzureichend und verlangte zusätzliche Bedingungen – darunter zehn Jahre kostenlosen Strom für das Priesterseminar. Der Bruderschaft drohten der Verlust der Kirche, ihres Eigentums und der Entschädigung, mit der sie eine neue Kirche bauen und die Heiligtümer bewahren wollte.
Nach mehreren Verfahren wies das Gericht im Jahr neunzehnhundertzweiunddreißig die Forderungen der Bruderschaft ab, weil es entschied, dass die Frage dem Kirchenrecht unterliege. Für den endgültigen Abschluss zahlte die Straßenbahngesellschaft das Geld ein, und der Staat übergab der Stadtverwaltung das Gebäude des Convento da Palma, das anschließend der Erzbischof erhielt. Die Mehrheit der Brüder hatte dem Abriss zu diesem Zeitpunkt zugestimmt, verlangte aber weiterhin eine Entschädigung für sich und beschloss, die Bruderschaft aufzulösen und das verbleibende Eigentum der wohltätigen Santa Casa zur Einrichtung eines Krankenhauses zu übergeben.
Am sechsten August neunzehnhundertdreiunddreißig wurden die großen kirchlichen Bildwerke in einer Prozession aus der Sé Primacial do Brasil getragen. Am nächsten Tag begann der Abbruch des Gebäudes. Ein Teil der Altäre, Schnitzereien, des Silbers und der Skulpturen wurde in andere Kirchen und in die Sammlung des heutigen Museu de Arte Sacra da Bahia gebracht. Die Straßenbahnen erhielten ihre direkte Strecke. Im Jahr neunzehnhundertvierzig riss die Stadtverwaltung zwei weitere benachbarte Häuserblocks ab und richtete hier eine Endhaltestelle ein. So entstand die Praça da Sé – ein Platz, der nach der Kathedrale benannt ist, die dort nicht mehr stand.
Die Bedingung des Papstes bezüglich eines Kreuzes blieb achtzig Jahre lang unerfüllt. Im Jahr neunzehnhundertneunundneunzig beauftragte die Stadtverwaltung den Bildhauer Mário Cravo Jr. mit einem zwölf Meter hohen Denkmal aus rostfreiem Stahl. Er stellte das Kreuz schräg auf und stützte es auf einen seiner Querarme. Die „Cruz Caída“ befindet sich dort, wo einst der Kirchhof lag; der steinerne Bau der Sé Primacial do Brasil nahm den benachbarten Teil des heutigen Platzes ein.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Raum, rund um die Uhr zugänglich; Denkmal und Aussicht werden von außen besichtigt. Konzerte können den Durchgang vorübergehend verändern.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Gehen Sie von mehreren Seiten um die Skulptur herum, klettern Sie jedoch nicht auf sie; achten Sie auf dem Platz zugleich auf den Fußgängerverkehr und den Rand der Oberstadt.
