Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Halbrunder Turm
- Kuppel und Spitze
- Runde Fenster des oberen Ateliers
Die Geschichte des Ortes
Der Österreichische Platz ist als achteckige Kreuzung angelegt. Offenen Raum gibt es hier fast nicht: Seine Grenzen markieren die Fassaden von fünf Häusern. Eines von ihnen, mit halbrundem Turm, Kuppel und Spitze, baute Ernest Lipgart für sich selbst – ein Künstler, der mit Auftragsportträts Geld verdiente und Wohnung, Atelier und Mietwohnungen verbinden wollte.
Lipgart erwarb dieses Grundstück im Jahr achtzehnhundertachtundneunzig. Zunächst entstand tief im Hof ein Atelier, dann beauftragte er den Architekten Wassili Schaub, zur Prospektseite hin ein sechsgeschossiges Mietshaus zu errichten. Lipgart brauchte große Arbeitsräume und Oberlicht; die Mieter sollten dem Eigentümer ein stetiges Einkommen bringen. Schaub setzte über der Ecke einen Turm mit runden Fenstern auf und richtete das Atelier in den oberen Geschossen ein. Der Auftraggeber erhielt ein Haus, in dem er Porträts malen, Modelle empfangen und von den Einkünften aus der Immobilie leben konnte.
Im Jahr der Fertigstellung des Hauses wurde Lipgart Kustos der Gemäldegalerie der Eremitage – ein Fachmann, der für die Zuschreibung von Gemälden und die Zusammensetzung der Museumssammlung verantwortlich war. Nun ging er von hier zum Dienst ins Museum und kehrte in sein eigenes Atelier zurück. Dieses geregelte Leben dauerte nicht lange. Im Jahr neunzehnhunderteinundzwanzig verlor Lipgart das Gebäude, das er für Arbeit und Einkommen in Auftrag gegeben hatte. Zunächst musste er im Haus der Künste wohnen – einem Wohnheim für Schriftsteller und Künstler am Newski-Prospekt –, dann in eine fremde Wohnung am Marsfeld umziehen. An den Katalogen der Eremitage arbeitete er nun ohne sein eigenes Atelier weiter.
Dessen Räume sind erhalten geblieben: ein Säulensaal, ein ovales Kabinettszimmer, ein Belvedere und der Turm mit den runden Fenstern. Vom Platz aus sind die oberen Fenster des Hauses zu sehen, aus dem man den Eigentümer entfernte, das aber weiterhin seinen Namen trägt.
Österreich gab es hier zu Lipgarts Zeit nicht, und die Kreuzung selbst blieb namenlos. Erst im Jahr neunzehnhundertzweiundneunzig entschieden die städtischen Toponymisten, dass Schaubs Fassaden an die Wiener Architektur erinnerten, und nannten den Platz Österreichischer Platz. Sie wollten rundherum österreichische Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe eröffnen. Dieser „österreichische Winkel“ entstand nicht. Von dem Vorhaben blieben der Name des Platzes und die Häuser, die ein Petersburger Architekt für Petersburger Eigentümer gebaut hatte.
Praktisch vor Ort
Besichtigung von außen von öffentlichen Gehwegen ohne festen Zeitplan.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie den Platz von mehreren Seiten: Ein einzelnes Haus zeigt die Komposition nicht vollständig. Überqueren Sie die Fahrbahn nur an erlaubten Stellen.
