Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die gerade Linie der schmalen Straße
- Steinpflaster
- Dichte Reihen von Wohnhausfassaden
Die Geschichte des Ortes
Die schmale, gerade Straße Borgo Pio entstand dort, wo zuvor ein niedriger Landstreifen nördlich des Passetto di Borgo lag. Bei Hochwasser des Tiber wurde er überflutet, und das Wasser staute sich. In der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts zerstörte die Erweiterung des Platzes vor dem Petersdom und der Gräben der Engelsburg einen Teil der Wohnhäuser. Papst Pius IV. beschloss, eine neue Siedlung zu errichten und zugleich die äußere Mauer weiter vom alten Korridor abzurücken.
Der Boden wurde durch Aufschüttung angehoben, Wasserleitungen und Kanalisation angelegt, eine Schule eingerichtet und drei Straßen angelegt. Die Hauptstraße nannte man Borgo Pio – nach dem Papst selbst. Das gesamte neue Gebiet erhielt einen noch eindeutigeren Namen: Civitas Pia, die Stadt des Pius.
Doch eine Straße anzulegen, genügte nicht – man brauchte Bewohner, die bereit waren, Geld in Häuser am kürzlich noch versumpften Stadtrand zu investieren. Pius IV. versprach denjenigen Vergünstigungen, die hier bauten. In der Gründungsbulle erlaubte er ausdrücklich den Kurtisanen, sich niederzulassen – Frauen, die mit bezahlten Beziehungen ihren Lebensunterhalt verdienten. Diese Präzisierung war ganz praktisch gemeint. Einige Monate zuvor hatten städtische Vorschriften ihnen verboten, neben den Häusern verheirateter Adliger zu wohnen. Im neuen Borgo erhielten sie eine rechtmäßige Adresse, und die Grundstückseigentümer zahlungsfähige Mieter.
Pius IV. starb im Dezember des Jahres eintausendfünfhundertfünfundsechzig. Sein Nachfolger Pius V. setzte sich für die strikte Einhaltung der kirchlichen Moral ein und hob die frühere Zugeständnis sofort auf. Ende Juni des Jahres eintausendfünfhundertsechsundsechzig berichtete eine römische Meldung, päpstliche Wachen hätten den Borgo gewaltsam von Kurtisanen geräumt. Gerade die dort ansässigen Frauen wurden zuerst vertrieben.
Damit waren die Folgen nicht beendet. Die Hausbesitzer blieben mit leeren Wohnungen zurück. Händler verlangten die Bezahlung für Waren, die die Frauen auf Kredit genommen hatten. Zolleinnehmer klagten über sinkende Einnahmen. Einige der Vertriebenen wurden außerhalb der Stadt von Räubern ausgeraubt und getötet. Nach diesen Nachrichten berieten die städtischen Beamten nicht mehr über eine vollständige Vertreibung, sondern über einen Ort, an dem die Frauen unter Aufsicht wohnen dürften.
Gregor XIII. setzte den Bau des Borgo fort. Bis zum Jahr eintausendfünfhundertachtzig waren hier neue Häuser entstanden, und die Straßen waren mit Stein gepflastert. Später riss man die äußere Mauer und die Porta Angelica ab, doch die Hauptlinie der Civitas Pia blieb erhalten. Der heutige Straßenname erinnert an den Papst, der den Kurtisanen erlaubte, sich hier niederzulassen – weniger als ein Jahr bevor sein Nachfolger befahl, sie von hier gewaltsam fortzuschaffen.
Praktisch vor Ort
Die Fußgängerstraße ist immer geöffnet; Geschäfte und Cafés haben eigene Öffnungszeiten.
Geprüft: 25. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist ein guter Ort für eine Pause vor den offenen Räumen weiter vorn. Halten Sie die Straße nicht für vollständig autofrei: Achten Sie auf Lieferfahrzeuge und Motorroller.
