Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Stadtkanal
- Gewölbte Fußgängerbrücke
- Fünf gespaltene Granitsteine
- Namen auf den Steinen
Die Geschichte des Ortes
Der Basteiberg wurde im Jahr tausendachthundertsechsundfünfzig aufgeschüttet, als die Einwohner Rigas die Erdbefestigungen um die Altstadt abtrugen. Den ehemaligen Festungsgraben ließ man bestehen und verwandelte ihn in einen Stadtkanal, und an der Stelle der Sandbastion schüttete man einen künstlichen Hügel auf. Der lettische Name „Bastejkalns“ bedeutet wörtlich „Bastionsberg“. Von der alten Festung sind hier das Geländeprofil, das Wasser und die schmalen Brücken zwischen den Ufern erhalten geblieben.
Am Abend des zwanzigsten Januar neunzehnhunderteinundneunzig bestimmte diese Anlage, wer wohin gelangen konnte und wo unter Beschuss geriet. Lettland hatte die Wiederherstellung seiner Unabhängigkeit erklärt, gehörte aber noch zur Sowjetunion. Die Rigaer Abteilung der Miliz besonderer Bestimmung – OMON – weigerte sich, der lettischen Regierung zu gehorchen, und erkannte die Befehle des Unionsministeriums in Moskau an. Nach dem Tod von Menschen beim Sturm auf das Fernsehzentrum in Vilnius errichteten die Einwohner Rigas Barrikaden bei Regierungsgebäuden und Kommunikationseinrichtungen.
Am Raiņa bulvāris, neben dem Kanal, befand sich damals das Innenministerium Lettlands. Es wurde von Milizionären bewacht, die auf der Seite der republikanischen Regierung geblieben waren. Kurz nach neun Uhr abends fuhren Fahrzeuge des OMON vor dem Gebäude vor, und es begann eine Schießerei. Auch aus dem Haus gegenüber und von der Seite des Basteibergs wurde geschossen.
Der Dokumentarfilmer Zigurds Vidiņš hörte die Schüsse in einem nahe gelegenen Studio. Dort hielt man Kameras genau für einen solchen Fall geladen bereit. Gemeinsam mit dem Regisseur Juris Podnieks und den Kameraleuten Andris Slapiņš und Gvido Zvaigzne lief er zum Kanal: Diese Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt mit Filmaufnahmen und dokumentierten die Ereignisse rund um die Rigaer Barrikaden.
Zunächst versuchten sie, über die Brücke zum Ministerium zu gelangen. Podnieks lief voraus, doch Kugeln schlugen in die Metallteile des Übergangs ein. Das Filmteam blieb auf der Seite der Altstadt und teilte sich auf: Podnieks arbeitete mit Slapiņš, Vidiņš mit Zvaigzne.
Später erinnerte sich Vidiņš an zwei gezielte Salven. Die erste ging unter den Kameraleuten hindurch, die zweite traf Gvido Zvaigzne. Vidiņš zog den Verwundeten den Hang hinauf zu einer niedrigen Mauer, in der Hoffnung, hinter einem Stein Schutz zu finden. Seine Kamera schaltete er nicht aus. Zvaigzne filmte ebenfalls weiter, obwohl er bereits gestürzt war, und kroch mit der Kamera in der Hand.
Fast gleichzeitig wurde Andris Slapiņš verwundet. Er verlangte, dass weitergefilmt werde. Man trug ihn auf einer Trage zum Dom, wo sich die nächste medizinische Station befand, doch der Kameramann konnte nicht gerettet werden. Zvaigzne wurde ins Krankenhaus gebracht; er starb am fünften Februar an seinen Verletzungen. Die Aufnahmen jener Nacht gingen in Podnieks’ Film „Post Scriptum“ ein.
Bei dem Angriff kamen drei weitere Menschen ums Leben: der Leiter des Wachschutzes des Ministeriums Wladimir Gomanowitsch, der Revierinspektor Sergei Kononenko und der Schüler Edijs Riekstiņš, der in die Schusslinie geraten war. Der Sturm des OMON auf das Gebäude ist durch Dokumente bestätigt. Wer alle zusätzlichen Schusspositionen besetzte und wessen Kugeln genau jeden einzelnen der Getöteten trafen, konnte die Untersuchung nicht feststellen.
Am zehnten August desselben Jahres stellte der Bildhauer Arvīds Vojtkāns aus eigener Initiative beim Basteiberg fünf rotbraune Granitsteine auf. In sie sind die Namen Gomanowitsch, Kononenko, Riekstiņš, Slapiņš und Zvaigzne eingemeißelt. Die Platten liegen waagerecht, jede ist in zwei Hälften gespalten. Daneben ist die Brücke über den ehemaligen Festungsgraben erhalten geblieben – der Übergang, den das Filmteam damals nicht passieren konnte.
Praktisch vor Ort
Offener Stadtpark; Bootsfahrten und Veranstaltungen am Kanal hängen von Jahreszeit und Wetter ab.
Geprüft: 26. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Station liegt vollständig im Freien. Steigen Sie nach Regen und bei kaltem Wetter vorsichtig hinauf: Die geneigten Wege und Stufen können rutschig sein.
