Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Tafel mit dem Namen Jacques de Molays
- Reiterstandbild Heinrichs IV.
- Landspitze zwischen den beiden Armen der Seine
Die Geschichte des Ortes
Ganz an der Spitze der Île de la Cité führt ein Weg vom Pont Neuf unter dem Reiterstandbild Heinrichs IV. zu einem kleinen Garten zwischen zwei Armen der Seine. Die Stadt legte ihn im Jahr eintausendachthundertvierundachtzig an und nannte ihn Vert-Galant nach dem königlichen Beinamen. So nannte man einen Mann, der nicht mehr jung war, sich aber weiterhin für Frauen begeisterte; der König behielt diesen Namen wegen seiner Geliebten und anerkannten unehelichen Kinder.
Zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts gab es hier noch keinen Garten. Hinter dem königlichen Garten lag, getrennt von der Île de la Cité, eine kleine Insel. Man nannte sie Judeninsel (Île aux Juifs): Der Name wurde mit Hinrichtungen von Juden in Verbindung gebracht, die hier im Mittelalter stattfanden. Die kleine Insel gehörte der Abtei Saint-Germain-des-Prés, lag jedoch ganz in der Nähe des königlichen Palasts. Im März eintausenddreihundertvierzehn brachte man zwei zum Verbrennen Verurteilte hierher.
Einer von ihnen war Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Templerordens. Er war dem Orden mehr als vierzig Jahre zuvor beigetreten. Der Orden gab ihm Rang, Unterhalt und die einzige Aufgabe seines Erwachsenenlebens: Die Templer waren Kriegermönche, und Molay führte sie, nachdem die Kreuzfahrer ihre letzten Besitzungen im Osten verloren hatten.
Im Jahr eintausenddreihundertsieben ließ König Philipp IV. heimlich die gleichzeitige Verhaftung der Templer in ganz Frankreich vorbereiten. Molay wurde in Paris gefangen genommen. Während des Verhörs gestand er einen Teil der Häresievorwürfe, widerrief dann seine Aussage und erklärte, er habe Folter gefürchtet. Danach verbrachte er fast sieben Jahre in Haft, während Papst Clemens V. die Angelegenheit des Ordens prüfte. Der Papst erklärte nicht den gesamten Orden für häretisch, löste ihn jedoch im Jahr eintausenddreihundertzwölf auf und übertrug sein Eigentum dem Johanniterorden.
Molay musste noch sein persönliches Urteil anhören. Drei Kardinäle verurteilten ihn zu lebenslanger Haft. Das bewahrte sein Leben, schrieb jedoch sein früheres Geständnis für immer fest. Daraufhin wies Molay die Anschuldigungen gegen den Templerorden öffentlich zurück. Geoffroy de Charnay, der die Besitzungen des Ordens in der Normandie verwaltete, unterstützte ihn. Für das kirchliche Gericht galten sie als in die Häresie Zurückgefallene: Auf die erneute Verweigerung des Geständnisses stand der Scheiterhaufen.
Noch am selben Abend brachte man beide auf die kleine Insel unter den Mauern des Palasts und verbrannte sie. Molay kam ums Leben, der Orden wurde nicht wiederhergestellt, und sein Eigentum wurde ihm nicht zurückgegeben. Später entstand die Überlieferung, er habe vom Scheiterhaufen aus den König und den Papst vor Gottes Gericht geladen und ihnen den Tod innerhalb eines Jahres vorausgesagt. Beide starben tatsächlich bald darauf, doch es gibt kein zeitgenössisches Zeugnis für einen solchen Fluch.
Am Eingang zum Square du Vert-Galant hängt eine Tafel mit dem Namen Jacques de Molays. Darauf steht der achtzehnte März eintausenddreihundertvierzehn; Historiker streiten darüber, ob die Hinrichtung am elften oder am achtzehnten März stattfand. Die kleine Insel verschwand selbst zweieinhalb Jahrhunderte später. Beim Bau des Pont Neuf schüttete man die Wasserarme zwischen ihr, den benachbarten Sandbänken und der Île de la Cité zu.
Den ersten Stein der Brücke legte Heinrich III., doch die Religionskriege stoppten die Arbeiten. Heinrich IV. ließ den Bau wiederaufnehmen und eröffnete den Pont Neuf im Jahr eintausendsechshundertsieben. Sein Reiterstandbild Heinrichs IV. steht heute über dem Eingang zum Garten. Den Garten, den die Stadt im Jahr eintausendachthundertvierundachtzig anlegte, nannte man Vert-Galant nach Heinrichs späterem Beinamen. So nannte man einen nicht mehr jungen Mann, der weiterhin ein tatkräftiger Verehrer von Frauen blieb; der König behielt diesen Namen wegen seiner zahlreichen Geliebten und anerkannten unehelichen Kinder.
Unter Heinrichs Pferd führt ein Weg hinab in den Garten, auf Boden, den man beim Bau seiner Brücke an die Île de la Cité angefügt hatte. Die Tafel Jacques de Molays kennzeichnet die frühere kleine Insel, die im Inneren dieser Landspitze verborgen liegt.
Praktisch vor Ort
Das niedrige Ufer kann bei hohem Wasser gesperrt sein, und die Stufen werden nach Regen rutschig. Gehen Sie nicht hinter die Absperrungen; ist der Abstieg nicht möglich, betrachten Sie den Square du Vert-Galant und den Zusammenfluss der Wasserarme vom Pont Neuf aus.
