Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Niedrige weiße Grablege
- Dach mit Kreuz
- Vier Platten an der Fassade
- Westlicher Eingang der Kathedrale
Die Geschichte des Ortes
In weniger als zwei Jahren wurde Boris Godunow dreimal bestattet. Die letzte Beisetzung fand hier, bei der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, statt.
Im April eintausendsechshundertfünf starb Boris Godunow, gewählter Zar und Begründer einer neuen Dynastie, plötzlich. Den Thron hinterließ er seinem sechzehnjährigen Sohn Fjodor Godunow. Zu dieser Zeit zog Falscher Dmitri I. auf Moskau zu – ein Prätendent, der sich als überlebender Sohn Iwans IV. ausgab und den Zarenthron anstrebte. Das Heer lief zu ihm über, und in Moskau wurden die Godunows gestürzt. Auf Befehl des Falschen Dmitri I. wurden Fjodor Godunow und seine Mutter, Zarin Marija Godunowa, getötet.
Boris Godunow hatte man noch als Herrscher in der Erzengelkathedrale des Moskauer Kremls bestatten können. Nun wurde sein Leichnam aus der zarischen Grablege herausgetragen und zu seiner Frau und seinem Sohn in ein kleines Moskauer Kloster an der Lubjanka gebracht, das damals Warsonofjew-Kloster hieß. So sollte die zweite Beisetzung die erste aufheben: Falscher Dmitri entzog seinem Gegner sogar den Platz unter den verstorbenen Zaren.
Ein Jahr später wurde Falscher Dmitri getötet. Der neue Zar Wassili Schuiski, der sein eigenes Recht auf den Thron festigen wollte, ordnete an, die Godunows erneut umzubetten – diesmal mit Ehren. Nach dem Bericht eines Zeitgenossen trugen zwanzig Mönche den Sarg des Boris Godunow, die Särge von Marija Godunowa und Fjodor Godunow jeweils zwanzig Bojaren. Ihnen folgten Geistliche, Fürsten und Höflinge. Diejenigen, die man kurz zuvor heimlich auf dem Klosterfriedhof beigesetzt hatte, wurden nun von einer großen staatlichen Prozession begleitet.
Für die Beisetzung wählte man die Dreifaltigkeits-Sergius-Lawra. Zuvor hatte sich die Familiengrablege der Godunows im Ipatiev-Kloster bei Kostroma befunden; diese Wahl entsprach also keiner Familientradition. Historiker bringen sie mit den langjährigen Stiftungen des Boris Godunow an die Dreifaltigkeits-Sergius-Lawra in Verbindung. Seine kleine Tochter Irina war hier bereits bestattet worden, und die vom Zaren gestifteten kostbaren Beschläge, Ikonen und liturgischen Gefäße wurden in den Klosterkirchen aufbewahrt.
Boris Godunow, Marija Godunowa und Fjodor Godunow wurden in der westlichen Vorhalle der Mariä-Entschlafens-Kathedrale beigesetzt – einem geschlossenen Raum vor dem Eingang. Die Kathedrale selbst ist der Mariä Entschlafung geweiht, dem kirchlichen Fest des Todes der Gottesmutter. Die Beisetzung neben dem größten Gotteshaus des Klosters gab der Familie ihre Ehre und das Recht auf kirchliches Gedenken zurück, doch Boris Godunow wurde nicht wieder in die zarische Grablege des Kremls zurückgebracht.
Die Prozession wurde von Ksenija Godunowa (Olga), der einzigen noch lebenden Tochter des Boris Godunow, begleitet. Falscher Dmitri zwang sie, unter dem Namen Olga das Mönchsgelübde abzulegen. Nach dem Tod ihrer Eltern und ihres Bruders lebte sie in verschiedenen Klöstern und wünschte vor ihrem Tod, neben ihrer Familie zu liegen. Im Jahr eintausendsechshundertzweiundzwanzig wurde sie in derselben Vorhalle bestattet.
Über den vier Gräbern standen Grabsteine mit Stoffdecken, davor entzündete man Kerzen, und an den Wänden reihten sich Ikonen. An Gedenktagen legte man auf das Grab des Fjodor Godunow eine rote Samtdecke mit silbernen Heiligendarstellungen, Perlen und Goldstickerei. Diese Decke ist in einer Museumssammlung erhalten.
Zu Beginn der eintausendsiebenhundertachtziger Jahre wurde die westliche Vorhalle abgetragen. Die Gräber verlegte man nicht: Über ihnen errichtete man einen niedrigen weißen Bau mit Dach und Kreuz. Deshalb steht die Godunow-Grablege heute außerhalb, links vom Eingang der Kathedrale. Vier Platten an ihrer Fassade nennen Boris Godunow, Marija Godunowa, Fjodor Godunow und Ksenija Godunowa (Olga), im Mönchtum Olga; unter ihnen befinden sich genau jene Bestattungen, die Wassili Schuiski bei der Kathedrale anlegen ließ.
Praktisch vor Ort
Aktive Kathedrale; Gottesdienste und Gedenkgottesdienste können die freie Besichtigung einschränken. Der genaue Kalender ändert sich täglich.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Grablege kann von außen besichtigt werden; der Zugang zur Kathedrale hängt von der Klosterordnung ab.
