Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Arbeitstresen
- Holzbefeuerter Ofen
- Holzbretter am Ofen
- Teigringe
Die Geschichte des Ortes
Das schmale Geschäft an der Rue Saint-Viateur lebt als Produktionsstätte: Hinter dem Arbeitstresen werden Teigringe von Hand gerollt, in mit Honig gesüßtem Wasser gekocht, mit Sesam oder Mohn bestreut und auf Holzbrettern in den holzbefeuerten Ofen geschoben. Die Familie, die das Geschäft heute führt, eröffnete weitere Bäckereien und Cafés, bewahrte hier aber die tägliche Arbeit am Feuer. Die Holzbretter am Ofen und die frischen Ringe auf dem Tresen zeigen, dass die alte Adresse nicht zur Kulisse geworden ist.
Im Jahr neunzehnhundertzweiundsechzig kam der fünfzehnjährige Giuseppe „Joe“ Morena hierher, um Geld zu verdienen. Er wollte Buchhalter werden. In der Bäckerei sollte er zunächst Brennholz zum Ofen tragen, dann setzte man ihn dafür ein, in der Nachtschicht Bagels zu machen.
Der Besitzer war Myer Lewkowicz, ein polnischer Jude, der das Konzentrationslager Buchenwald überlebt hatte. Später erzählte er Schulkindern, dass er dort von einem Stück Brot geträumt habe. Im Jahr neunzehnhundertdreiundfünfzig kam Lewkowicz nach Montreal und ließ sich bei dem Bäcker Hyman Seligman anstellen, um das Handwerk zu erlernen. Vier Jahre später eröffneten sie in dieser Straße ihr eigenes Geschäft.
Lewkowicz nannte den neuen Mitarbeiter Yosel – das ist die jiddische Form des Namens Joe. Unter den Kunden waren viele ältere Juden, und der Italiener Morena lernte Jiddisch, während er Bestellungen entgegennahm und am Ofen arbeitete. So lernte er zusammen mit der Sprache auch den gesamten Produktionsablauf: den Teig teilen, jeden Streifen zu einem Ring rollen, in mit Honig gesüßtem Wasser kochen, in Sesam oder Mohn wälzen und auf einem Holzbrett in den holzbefeuerten Ofen schieben.
Mehrere Jahre lang überredete Lewkowicz Morena, ins Geschäft einzusteigen, doch Morena hielt an seinem Vorhaben fest, Buchhalter zu werden. Die Entscheidung kam ohne feierliche Szene. Eines Abends wollte Joe Bagels, bereitete selbst ein Dutzend zu und begriff, dass er die Bäckerei nicht mehr verlassen wollte. Im Jahr neunzehnhundertvierundsiebzig wurde er Mitinhaber.
Myer Lewkowicz starb im Jahr neunzehnhundertvierundneunzig. Morena führte das Unternehmen gemeinsam mit dem langjährigen Teammitglied Marco Sblano weiter; später kamen Joes drei Söhne hinzu. Die Familie eröffnete weitere Bäckereien und Cafés, doch das schmale Geschäft an der Rue Saint-Viateur blieb eine Produktionsstätte und keine Erinnerungsadresse an den Gründer.
Hinter dem Tresen werden die Ringe noch immer von Hand gerollt, in Honigwasser gekocht und mit Brennholz gebacken. Das Brennholz, das der fünfzehnjährige Joe einst zum Ofen trug, wird hier bis heute gebraucht.
Praktisch vor Ort
Die Originalbäckerei ist laut der offiziellen Standortseite täglich 6:00–0:00 geöffnet; dies ist ein Standort zum Mitnehmen.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Dies ist eine arbeitende Bäckerei mit ständigem Betrieb: Bleiben Sie aus dem Durchgang heraus und gehen Sie nicht für eine bessere Sicht hinter den Tresen. Eine Bestellung gehört nicht zum Pflichtprogramm.
