Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die nördliche Ziegelwand
- Die Tonbuchstaben des Gedichts
- Der Eingang zur Station Mont-Royal
- Die Fassade des Kulturhauses
Die Geschichte des Ortes
Der Platz ist um die Station Mont-Royal herum angelegt: Entlang der einen Seite verläuft die Avenue du Mont-Royal, in der Nähe halten Busse, an der anderen Grenze steht das städtische Kulturzentrum. Durch diesen Raum gehen die Bewohner von Le Plateau-Mont-Royal jeden Tag – morgens zur Metro, abends zurück; zu anderen Zeiten trifft man sich hier, stellt Marktstände auf und veranstaltet städtische Ereignisse. Die Nordseite bildet die lange Ziegelwand des Hauses an der Rue Rivard, daher bleibt der Platz Teil des Geschehens auf der Straße und keine eigenständige Grünanlage.
Die Nordwand des Hauses an der Rue Rivard ist wie eine riesige Seite gestaltet: Dreihundertsiebenundzwanzig Buchstaben wurden aus Ton geformt, gebrannt und in das Ziegelmauerwerk eingesetzt. Im Jahr eintausendneunhundertneunundneunzig erhielten die Künstler Richard Purdy und François Hébert von der Stadt einen Auftrag für den Platz am Ausgang der Metro. Anstelle eines Porträts brachten sie hier das Gedicht „Tango de Montréal“ an. Sie wollten Gérald Godin seine Stimme zurückgeben, der in der Stadt eher als Politiker in Erinnerung war.
Im Jahr eintausendneunhundertsechsundsiebzig lebte Godin von Journalismus, Lehrtätigkeit und Büchern. Er beschloss, bei den Wahlen in Mercier anzutreten, einem Provinzwahlbezirk, der diesen Teil von Le Plateau-Mont-Royal umfasste. Den Sitz hatte Robert Bourassa bereits seit zehn Jahren inne, der amtierende Premierminister von Québec, und er rechnete damit, sowohl sein Abgeordnetenmandat als auch die Regierungsspitze zu behalten. Godin war ein Neuling ohne einen vergleichbaren Apparat. Er ging von Haus zu Haus und sprach stundenlang mit den Wählern; seine Kenntnis des Wahlbezirks wurde zu seinem wichtigsten Vorteil.
Am fünfzehnten November erhielt Godin einundfünfzig Prozent der Stimmen, Bourassa siebenunddreißig. Der Premierminister verlor seinen Parlamentssitz, gab vier Tage später den Parteivorsitz auf und kehrte für mehrere Jahre zur Lehrtätigkeit zurück. Die Bewohner von Mercier wählten Godin noch dreimal wieder. Er vertrat den Wahlbezirk bis eintausendneunhundertvierundneunzig und befasste sich in der Regierung mit Einwanderung und den Beziehungen zwischen kulturellen Gemeinschaften.
Während dieser Arbeit schrieb er „Tango de Montréal“. In dem Gedicht fahren ältere Einwanderer verschiedener Nationalitäten mit der Montrealer Metro zur Arbeit, und der Dichter fragt, ob das abgenutzte Herz der Stadt ihretwegen weiter schlägt. Hier geriet dieser Text buchstäblich auf den Weg seiner Protagonisten: Der Platz ist um die Station Mont-Royal herum angelegt, zwischen der Avenue du Mont-Royal, Bushaltestellen und dem Kulturhaus. Man geht durch ihn zur Arbeit und nach Hause, trifft sich dort, baut Marktstände auf und veranstaltet kulturelle Ereignisse.
Godin starb im Jahr eintausendneunhundertvierundneunzig. Zwei Jahre später gaben städtische Beamte dem Platz in dem Wahlbezirk, den er achtzehn Jahre vertreten hatte, seinen Namen. Weitere drei Jahre später befestigten Purdy und Hébert sein Gedicht an der Nordwand. Ein Porträt von Godin gibt es hier nicht: Sein Nachname blieb im Namen des Platzes, seine Stimme in den dreihundertsiebenundzwanzig gebrannten Ziegelsteinen gegenüber der Metro.
Praktisch vor Ort
Place Gérald-Godin ist täglich von 6:00–0:00 geöffnet. Die saisonale Fußgängerregelung auf der Avenue du Mont-Royal gilt 2026 abschnittsweise: vom Boulevard Saint-Laurent bis Rue Resther vom 28. Mai bis 12. Oktober, von Rue Resther bis Rue de Lorimier vom 28. Mai bis 7. September.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Lesen Sie die Wand, ohne sich im Strom an den Türen der Metro aufzuhalten. Die Inschriften auf dem Pflaster waren vorübergehend; ihr Fehlen bedeutet also nicht, dass Sie am falschen Ort sind.
