Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zentraler Bogen
- Turm über der Galerie
- Durchgang
- Türen auf der Seite des Hafens und der Stadt
Die Geschichte des Ortes
Am fünfzehnten Dezember neunzehnhunderteinundzwanzig brannte das frühere Hafenzollamt ab, das die Einwohner gewohnheitsmäßig das Neue nannten. Das Feuer zerstörte das riesige Gebäude nahe der heutigen Hafenverwaltung und mit ihm einen Teil der Dokumente, anhand derer sich die Geschichte der Bewegung von Schiffen und Waren durch Montevideo hätte rekonstruieren lassen. Die Zollstellen mussten auf vorübergehende Räume verteilt werden.
Für den neuen Hauptsitz schrieb man einen Wettbewerb aus. Die Jury erhielt neunzehn Entwürfe unter fiktiven Mottos. Mit neun gegen eine Stimme wählte sie die Arbeit mit dem Wort „Zollamt“ auf dem Umschlag. Erst nach der Entscheidung wurde der Name des Autors bekannt: Jorge Herrán, ein sechsundzwanzigjähriger Architekt, der sein Diplom erst zwei Jahre zuvor erhalten hatte. Er hoffte auf einen Auftrag, der ihn unmittelbar aus der Reihe der gestrigen Absolventen in den Kreis der Meister führen sollte, die das Bild der Hauptstadt prägten.
Herrán musste unter einem Dach die Dirección Nacional de Aduanas, die sanitäre Kontrolle der Schiffe und die Hafenmeisterei zusammenführen. Einige Beamte fertigten Fracht und Abgaben ab, andere überprüften ankommende Schiffe, wieder andere lenkten den Verkehr im Hafen. Deshalb errichtete man das Gebäude unmittelbar an der Grenze des Hafens. Durch seine Mitte führte Herrán eine Galerie unter einem hohen Bogen: Sie verband die Rambla 25 de Agosto de 1825 mit den Kais. Darüber erhob sich ein vom Wasser aus sichtbarer Turm. Bis zum Jahr neunzehnhunderteinunddreißig hatten die Stellen die Räume bezogen; heute befindet sich hier weiterhin die Leitung der Dirección Nacional de Aduanas, während einen Teil des Gebäudes das Comando General de la Armada einnimmt.
Am vierten Februar neunzehnhundertsechsunddreißig wurde der Durchgang für eine ganz andere Fracht benötigt. Der Dampfer „Pan America“ brachte den Sarg von Carlos Gardel, einem Tangosänger, der sieben Monate zuvor bei einem Flugzeugabsturz im kolumbianischen Medellín ums Leben gekommen war. Sein Testamentsvollstrecker und Geschäftsverwalter Armando Defino setzte sich dafür ein, den Leichnam nach Buenos Aires zurückzubringen. Nach der Exhumierung wurde der Sarg durch Kolumbien mit Zügen, Autos und Maultieren befördert, dann auf dem Seeweg über Panama und New York. Defino war dafür verantwortlich, dass diese lange Reise nach dem Tod mit einer Beisetzung in der Heimat endete.
Ein Komitee aus Montevideo überredete die Leitung des Dampfers, eine vorübergehende Ausladung zu erlauben. Um Viertel nach vier brachte man den Sarg direkt vom Kai unter den zentralen Bogen des Edificio Central de la Dirección Nacional de Aduanas. Die Wände der Galerie verhängte man mit schwarzem Samt, um den Katafalk stellte man ein bronzenes Gitter mit Glas. Tausende Menschen kamen zum Hafen; die Polizei öffnete die Türen jeweils nur für Gruppen, damit die Wartenden am Sarg vorbeigehen konnten. Gegen Mitternacht brachte man ihn zurück auf das Schiff. Am nächsten Tag brachte Defino Gardel nach Buenos Aires, und nach einem weiteren Abschied vor einer großen Menschenmenge wurde der Sänger auf dem Cementerio de la Chacarita beigesetzt.
Der zentrale Bogen ist erhalten geblieben. Gardels Sarg stand in der Mitte des Durchgangs, den der junge Herrán zwischen Hafen und Stadt angelegt hatte: Hinter der einen Tür blieb der Dampfer, vor der anderen wartete die Schlange aus Montevideo.
Praktisch vor Ort
Der öffentliche Gehwegbereich ist rund um die Uhr zugänglich. Der Hafen selbst und die Verwaltungsgebäude sind kein Spaziergelände; die Dirección Nacional de Aduanas empfängt Besucher Mo–Fr 9:00–17:00.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Besichtigen Sie das Gebäude nur vom öffentlich zugänglichen Bereich aus. Betreten Sie weder die Betriebszufahrten noch versuchen Sie, für eine bessere Aussicht hinter die Absperrung zu gelangen; ein arbeitender Hafen ist kein Spaziergelände.
