Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Königliche Mauern
- Alte Türme
- Betonübergang über dem Wasser
- Neubau des MuCEM – Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums
Die Geschichte des Ortes
Der Name Saint-Jean erschien hier früher als die Festungsmauern. Ende des zwölften Jahrhunderts ließen sich die Johanniter des Johanniterordens auf dem Kap nieder. Sie richteten eine Kommende ein – eine Kirche, ein Krankenhaus, ein Wohnhaus und die wirtschaftlichen Einrichtungen des Ordens –, nahmen Pilger auf und entsandten Schiffe mit Menschen ins Heilige Land. Als Erstes erhielten sie die Kapelle Johannes des Täufers. Von ihr und dem Orden erbte das Kap den Namen Saint-Jean.
Fast fünf Jahrhunderte später ging diese Kommende in der Festung auf. Ursache war der Konflikt von Gaspard de Glandevès de Niozelles mit dem französischen König. Niozelles war ein Marseiller Adliger, Besitzer eines Landguts und erster Konsul – der ranghöchste der gewählten Stadtführer. Er setzte sich dafür ein, dass die vom König ernannten Konsuln Marseille nicht regierten. Seine Stellung beruhte auf seinem Adelstitel, seinem Land und seinem städtischen Amt, und all das setzte er aufs Spiel.
Im Jahr eintausendsechshundertachtundfünfzig besetzten die Anhänger von Niozelles das Hôtel de Ville de Marseille gewaltsam und erhoben die Stadtbewohner gegen die neuen Konsuln. Der zweiundzwanzigjährige König von Frankreich, Ludwig XIV., beabsichtigte, Marseille die Möglichkeit zu nehmen, sich seinen Anordnungen zu widersetzen. Königliche Truppen besetzten die Stadt und entwaffneten die Bewohner. Niozelles wurde in Abwesenheit zum Tod verurteilt, ihm wurde der Adelstitel aberkannt, sein Wappen zerschlagen, sein Eigentum beschlagnahmt und sein Haus abgerissen. Er selbst konnte rechtzeitig nach Spanien fliehen.
Am zweiten März eintausendsechshundertsechzig zog Ludwig in Marseille durch eine Bresche in der Stadtmauer ein. Die gewöhnlichen Tore wollte er nicht benutzen: Die Stadt wurde als unterworfen empfangen. Anschließend übertrug der König die städtischen Ämter von den Adligen auf Kaufleute und Bürgerliche und ordnete im Jahr eintausendsechshundertfünfundsechzig an, am Eingang zum Vieux-Port zwei Festungen zu errichten.
Für die nördliche wählte man dieses Kap. Von hier aus konnten die Kanonen den Eingang vom Meer her sperren und die Stadtviertel unter Beschuss halten. Die Johanniter mussten fortgehen, und die im Jahr eintausendsechshundertachtundsechzig begonnenen Mauern umschlossen ihre Kapelle und ältere Türme. Über das Wasser hinweg steht noch immer das zweite königliche Fort, Fort Saint-Nicolas. Der Name des vertriebenen Ordens blieb an einer Festung, die für die Menschen gebaut wurde, gegen die ihre Artillerie gerichtet war.
Das Museum am Meer entstand aus einem ganz anderen menschlichen Vorhaben. Im Jahr neunzehnhundertsiebenunddreißig gründete der Museologe Georges Henri Rivière in Paris das Musée national des Arts et Traditions populaires. Er wollte, dass Bauernmöbel, Festtrachten, Handwerkswerkzeuge und Gegenstände des täglichen Lebens ebenso ernsthaft erforscht wurden wie Malerei und Skulptur. Seine Mitarbeiter reisten durch das Land und sammelten Gegenstände aus dem verschwindenden ländlichen Alltag.
Ende des zwanzigsten Jahrhunderts beschloss die französische Regierung, das Museum nach Marseille zu verlegen und sein Thema auf die Kulturen Europas und des Mittelmeerraums zu erweitern. Zwischen September zweitausendzwölf und Juli zweitausenddreizehn wurden die Sammlungen aus Paris in einhundertsechzig Sattelaufliegern transportiert. Im Juni zweitausenddreizehn eröffnete das MuCEM – Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums. Gleichzeitig bereiteten Restauratoren das Fort für Besucher, Ausstellungen und offene Gärten vor.
Ein Betonübergang über dem Wasser verbindet den neuen Museumsbau mit den königlichen Mauern. An seinem einen Ende liegt das Kap, von dem aus Ludwig XIV. das aufständische Marseille beschießen lassen wollte; am anderen das MuCEM – Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums, dessen erste Sammlungen in einhundertsechzig Sattelaufliegern aus Paris hierherkamen.
Praktisch vor Ort
Die offizielle Website zeigt zum Prüfdatum für das Hauptgebäude und das Fort die Öffnungszeiten 10:00 — 19:00, täglich außer Dienstag, dem 1. Mai und dem 25. Dezember. Die Außenbereiche sind frei zugänglich; ein Einheitsticket für die Ausstellungen ist mit 11 Euro angegeben, ermäßigt mit 7,50 Euro. Die Brücke zwischen dem Hauptgebäude und dem Fort wird 30 Minuten vor Schließung des Geländes geschlossen.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Prüfen Sie die Zugänglichkeit der Brücken und Gärten vor Ort und rechnen Sie nicht damit, dass alle Bereiche des Forts gleichzeitig geöffnet sind. Den äußeren Rundgang und die Architektur können Sie ohne Besichtigung der Ausstellungen erleben; die Museumsräume erfordern eine gesonderte Entscheidung.
