Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerne Treppen
- Schmale Durchgänge
- Kleine Häuser
- Stützmauern
Die Geschichte des Ortes
Das Quartier Vauban nahm den Stadthang über den tiefer gelegenen Straßen ein. Am oberen Ende des Boulevards war einst ein Reservoir in einer Höhe von dreiundneunzig Metern über dem Meeresspiegel in Betrieb, das zweitausend Kubikmeter Wasser fasste. Nach seiner Anlage wurden hier neue Straßen angelegt und kleine Häuser für Arbeiter und Handwerker gebaut. Steinerne Treppen, schmale Durchgänge und Stützmauern verbinden sie noch immer mit der Stadt weiter unten.
In Marseille nennt man Traviolen kurze Wege quer zu den gewöhnlichen Straßen: gewundene Gassen, Durchgänge und Treppen. Das Wort selbst ist mit der Wendung „schief gehen“ verwandt. In Vauban wurden sie nicht der malerischen Wirkung wegen angelegt. Sie entstanden, weil die Menschen Häuser an einem steilen Hang verbinden mussten, den die Stadt lange nicht besiedeln konnte.
Noch Mitte des siebzehnten Jahrhunderts wurde hier fast nichts gebaut. Regenwasser floss schnell über den harten Kalkstein ab, und es gab keine Möglichkeit, es in die Höhe zu heben. Im Sommer eintausendachthundertvierunddreißig wurde die Lage verzweifelt: Quellen und Brunnen trockneten aus, und pro Person in Marseille blieb etwa ein Liter Wasser am Tag. An den Ausgabestellen kam es zu Prügeleien, und Soldaten mussten sie bewachen. Gleichzeitig begann in der Stadt eine Choleraepidemie.
Der Bürgermeister Maximin-Dominique Consolat setzte sich für eines ein: Wasser aus der Durance nach Marseille zu leiten, obwohl zwischen dem Fluss und der Stadt Dutzende Kilometer unwegsames Gelände lagen. Er überzeugte den Stadtrat, Geld für einen Kanal zu leihen. Das erste Darlehen betrug zehn Millionen Francs; zurückgezahlt wurde es unter anderem durch eine Steuer auf Mehl und Brot. Es war ganz wörtlich so: Das Wasser für die künftigen Viertel wurde aus dem täglichen Brotlaib bezahlt.
Dem Ingenieur Jean François Mayor de Montricher wurde die Aufgabe übertragen, einen Weg für das Wasser durch Berge und Täler zu finden. Die Bauleute mussten Tunnel durchbrechen und Aquädukte über Schluchten führen. Im Jahr eintausendachthundertneunundvierzig erreichte das Wasser Longchamp. Consolat war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Bürgermeister, leitete jedoch die Kanalkommission und begleitete den Wasserstrom bis in die Stadt – er erlebte noch den Ausgang der Entscheidung, für die Marseille mehr als zehn Jahre gezahlt hatte.
Danach begann man, das Wasser auf Reservoirs in den höher gelegenen Teilen der Stadt zu verteilen. Eines wurde hier am oberen Ende des Boulevard Vauban angelegt: zweitausend Kubikmeter auf einer Höhe von dreiundneunzig Metern über dem Meeresspiegel. Danach begann man, am Hang neue Straßen anzulegen. Den oberen Teil nahmen kleine Häuser von Arbeitern und Handwerkern ein. Ein geradliniges Raster ließ sich in diesem Gelände nicht fortsetzen: Benachbarte Ebenen wurden durch Treppen und kurze Durchgänge verbunden. So wurden die Traviolen zu alltäglichen Wegen zwischen Haus, Laden und den Straßen weiter unten.
Das Bassin und der Boulevard trugen den Namen von Sébastien Le Prestre de Vauban; später ging er auf das ganze Viertel über. Vauban war Generalkommissar für Befestigungen unter Louis XIV. und wollte die Verteidigung des Hafens von Marseille verstärken. Er besichtigte sie in den Jahren eintausendsechshundertneunundsiebzig und eintausendsiebenhunderteins, kritisierte die bestehenden Forts und entwarf einen neuen Plan. Der König setzte die meisten seiner Vorschläge nicht um, und mit den hiesigen Gassen hatte der Ingenieur nichts zu tun.
Aus dem Arbeiterviertel am Hang sind kleine Häuser, Treppen und Traviolen erhalten geblieben. Auf ihnen muss man noch immer schief gehen – dem Wasser folgend, das man einst aus der Ebene hierherheben konnte.
Praktisch vor Ort
Wohnviertel, Straßen und Treppen sind rund um die Uhr geöffnet; Geschäfte haben eigene Öffnungszeiten.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Stufen können steil und rutschig sein. Unterscheiden Sie öffentliche Durchgänge von privaten Höfen und gehen Sie nicht hinter geschlossene Tore.
