Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Vier Türmchen
- Hölzerne Fensterumrahmungen
- Veranda
- Tore des Anwesens
Die Geschichte des Ortes
Hinter den Toren des Anwesens ist ein ganzer Holzkomplex erhalten: Im Haupthaus finden städtische Treffen statt, daneben arbeiten ein Museum des Alltagslebens und ein Tourismusdienst. Die vier Türmchen, die Veranda und die geschnitzten Fensterumrahmungen bestehen nicht aus alten Balken: Der frühere Blockbau wurde zerlegt, und das heutige Gebäude nach Fotografien und Zeichnungen wiederhergestellt. Im Hof errichtete man die Tore und Wirtschaftsgebäude neu. So wurde aus dem ehemaligen privaten Anwesen ein öffentlicher Ort, obwohl sein ursprüngliches Haus nicht bis heute erhalten blieb.
Die Schnitzereien an der Fassade entstanden aus geschäftlichem Kalkül. Im Jahr neunzehnhundertsieben erwarb der Irkutsker Kaufmann Apollos Iwanowitsch Schastin das Anwesen in der Gendarmenstraße (heute Friedrich-Engels-Straße). Er betrieb in der Stadt ein Petersburger Büro für Begräbnisprozessionen: Das Unternehmen übernahm die Organisation von Beerdigungen. Hier plante Schastin ein anderes Vorhaben – zwei große Mietshäuser zu bauen. Mietshäuser nannte man Häuser, deren Räume der Eigentümer gegen Bezahlung vermietete.
Die Stadtverwaltung genehmigte den Bau, doch Schastin konnte seinen gesamten Plan nicht verwirklichen. Bis neunzehnhundertzehn stellten die Zimmerleute nur ein zweistöckiges Haus mit Treppe, Veranda und vier Türmchen fertig. Die Handwerkergruppe schnitzte die Verzierungen von Hand, obwohl damals bereits Schablonen weit verbreitet waren. So entstanden die unterschiedlichen Fensterumrahmungen an den Fassaden, geformte Pfosten und durchbrochene Muster, wegen derer die Einwohner von Irkutsk das Haus Spitzenhaus nannten. Schastin öffnete es für Reisende und erhielt Geld von den Gästen. Das zweite geplante Haus entstand auf dem engen Grundstück nie.
Nach der Revolution wurde das Anwesen der Familie Schastin enteignet. Es brachte ihr keinen Ertrag mehr, und das Gebäude verfiel allmählich: Wände und Fensterläden verfaulten, ein Teil der Fensterumrahmungen verschwand, der Zaun stürzte ein. Ende der achtziger Jahre erarbeiteten Architekten ein Wiederherstellungsprojekt und wollten hier eine Kinderkunstschule unterbringen. Im Jahr neunzehnhunderteinundneunzig zerlegten Arbeiter den alten Blockbau, um ihn neu zusammenzusetzen, doch die Bauarbeiten zogen sich hin. Das originale Schastin-Haus ging verloren.
Erst sechs Jahre später wurden die Arbeiten wieder aufgenommen. Die Restauratoren rekonstruierten das Gebäude nach alten Fotografien und Zeichnungen, schnitzten die Fensterumrahmungen neu, errichteten Tore und stellten die Hofgebäude wieder her. Während sie arbeiteten, änderten die Stadtverantwortlichen die Bestimmung des künftigen Komplexes. Am achtundzwanzigsten August neunzehnhundertachtundneunzig wurde hier durch einen Erlass des Bürgermeisters eine kommunale Einrichtung für die internationalen und kulturellen Beziehungen Irkutsks geschaffen – das „Haus Europa“. Die Kunstschule zog nicht in das Spitzenhaus ein.
Heute nutzt eine kommunale Kultureinrichtung das Haupthaus; in den benachbarten Gebäuden des Komplexes arbeiten ein Museum des städtischen Alltagslebens und ein Tourismusdienst, außerdem finden Treffen und städtische Veranstaltungen statt. Die Türmchen, die Veranda und die Holzspitzen vor uns bilden das einzige Mietshaus nach, das Apollos Schastin noch bauen konnte. Originale Balken jenes Hauses gibt es hier nicht; das zweite Haus gibt es nicht einmal als Kopie.
Praktisch vor Ort
Die Fassaden sind von außen zugänglich; Hotel-, Museums- und Hofbereiche haben jeweils eigene Öffnungszeiten.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Das Wichtigste lässt sich von der Straße aus erkennen. Das Haus wird als Einrichtung genutzt; ob die Innenräume besichtigt werden können, sollte daher gesondert geklärt werden.
