Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Korinthische Säulen
- Repräsentativer Portikus
- Ostfassade des Platzes
Die Geschichte des Ortes
Hinter dem korinthischen Portikus an der Ostseite des Senatsplatzes arbeiten die Kanzlei des Ministerpräsidenten, das Finanzministerium und der Justizkanzler. Nach der Unabhängigkeit Finnlands wurde der wirtschaftliche Teil des früheren Finnischen Senats zur Regierung, der gerichtliche zum Obersten Gerichtshof, und das Gebäude selbst erhielt seinen heutigen Namen. Seine dienstliche Funktion blieb erhalten, doch ins Innere werden jetzt nur noch Mitarbeiter eingelassen.
Hinter den korinthischen Säulen befindet sich die repräsentative Treppe. Bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gingen die Einwohner hier ohne Ausweise ihren Angelegenheiten nach. Das Gebäude wurde eigens für Beamte und Besucher errichtet: Im Jahr eintausendachthundertzweiundzwanzig zogen der Finnische Senat und die zentralen Behörden des autonomen Großfürstentums Finnland hier ein. Anders als der Finnische Landtag befasste sich der Senat mit der laufenden Verwaltung und der Rechtsprechung. Deshalb nannte man das Gebäude Senatshaus.
Am sechzehnten Juni eintausendneunhundertvier stieg Nikolai Bobrikow, der Generalgouverneur – der vom Kaiser ernannte höchste Beamte in Finnland –, diese Treppe hinauf. Nach dem Februarmanifest, von dem bereits die Rede war, setzte er Entscheidungen um, die die finnische Autonomie einschränkten, und erwirkte zur Unterdrückung des Widerstands außerordentliche Vollmachten. An diesem Tag war Bobrikow auf dem Weg zu einer Sitzung der Wirtschaftsabteilung des Finnischen Senats.
Auf dem Treppenabsatz des zweiten Stockwerks wartete Eugen Schauman auf ihn, der Gehilfe des Schatzmeisters der Obersten Schulbehörde. Sein Einkommen bestand aus einem Beamtengehalt, doch er hielt Bobrikow für den wichtigsten Verfechter der Russifizierung. Schauman beschloss, den Generalgouverneur zu töten und damit Nikolaus II. zu zwingen, die Lage Finnlands zu erkennen. Einen Brief mit dieser Erklärung hatte er dem Kaiser im Voraus adressiert. Schauman bereitete keine Flucht vor: Einige Monate vor dem Anschlag begann er, ein Testament aufzusetzen.
Als Bobrikow den Treppenabsatz erreichte, schoss Schauman dreimal auf ihn. Dann richtete er die Pistole auf seine Brust und gab zwei weitere Schüsse ab. Schauman starb auf der Stelle. Bobrikow konnte noch ins Krankenhaus gebracht und operiert werden, starb jedoch in der folgenden Nacht.
Der Finnische Senat tagte weiterhin in diesem Gebäude. Nach der Unabhängigkeit Finnlands wurde seine Wirtschaftsabteilung zur Regierung, die Justizabteilung zum Obersten Gerichtshof, und das Senatshaus wurde im Jahr eintausendneunhundertachtzehn in Regierungspalast umbenannt. Heute arbeiten hier die Kanzlei des Ministerpräsidenten, das Finanzministerium und der Justizkanzler.
An der Stelle der fünf Schüsse blieb eine schwarze Granitplatte zurück, die im Jahr eintausendneunhundertdreiunddreißig angebracht wurde. Auf ihr sind der finnische Löwe, Schaumans Name, das Datum der Tötung und die Worte eingraviert: „Er gab sich für das Vaterland hin.“ Bobrikows Name steht nicht auf der Platte. Sie hängt im Inneren, auf dem Treppenabsatz des zweiten Stockwerks; von der Straße aus ist sie nicht zu sehen, und der Zutritt zum Gebäude ist inzwischen nur noch Mitarbeitern erlaubt.
Praktisch vor Ort
Betrachten Sie den Palast vom Platz aus: Es ist ein aktives Regierungsgebäude, und die Treppe sowie die Gedenktafel aus der Erzählung sind von außen nicht zu sehen.
