Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Backsteinfassade
- Hohe Fensteröffnungen
- Spitzbogige Details
- Eingang an der Kasarmikatu
Die Geschichte des Ortes
In dem Backsteinhaus mit hohen spitzbogigen Fenstern lernten zunächst Mädchen und Jungen: Die Privatschule bot ihnen einen gemeinsamen neunjährigen Kurs und das Recht, die Reifeprüfung für den Zugang zur Universität abzulegen. Die Fenster wurden so hoch angelegt, weil die Pädagogen für die Klassenräume Tageslicht und Belüftung verlangten. Als die Schule auszog, verwandelte man die Klassenräume in Ausstellungssäle und brachte die Lehrsammlung des Kunstgewerbes hierher, die mit Ankäufen auf der Weltausstellung 1873 in Wien begonnen hatte. Heute ist in der ehemaligen Schule das Architektur- und Designmuseum Helsinki untergebracht.
Tove Jansson verbrachte in diesem Haus neun Schuljahre. Die spätere Künstlerin und Schöpferin der Mumins schrieb gute Aufsätze, doch ihre Zeichnungen gefielen längst nicht allen Lehrern. Mit fünfzehn Jahren beschloss Jansson, nicht auf die Zustimmung der Schule zu warten. Im Jahr neunzehnhundertdreißig ging sie ohne Reifezeugnis, zog zu ihrem Onkel nach Stockholm und begann eine Ausbildung an einer Kunstgewerbeschule. Die Unterkunft stellte ein Verwandter; ihre Zukunft hing davon ab, ob sie das Zeichnen zum Beruf machen konnte.
Die Schule bereitete ihre Schüler genau auf jenes Reifezeugnis vor, auf das Jansson verzichtet hatte. Auf Schwedisch hieß sie Brobergska skolan (Läroverket för gossar och flickor), und nach ihrem ersten Rektor Karl Theodor Broberg nannte man sie auch Broberg-Schule. Der Pastor und Pädagoge Broberg setzte sich für den gemeinsamen Unterricht beider Geschlechter ein. Als die Schule im Jahr achtzehnhundertdreiundachtzig eröffnete, war sie die erste vergleichbare Bildungseinrichtung in Finnland.
Der übliche Bildungsweg eines Mädchens endete damals häufiger an einer Mädchenschule. Man meinte, Mädchen dürfe man nicht ebenso stark belasten wie Jungen: Männer sollten künftig das Familieneinkommen sichern, während Frauen die Universität angeblich nicht brauchten. Broberg richtete einen neunjährigen Kurs ein, nach dem sowohl junge Männer als auch junge Frauen die Reifeprüfung ablegen und die Universität besuchen konnten. Es war eine Privatschule, daher musste der Rektor Eltern überzeugen, der neuen Ordnung ihre eigenen Kinder anzuvertrauen.
Im Jahr achtzehnhundertfünfundneunzig erhielt die Schule dieses Haus. Der Architekt Gustaf Nyström plante hohe Fensteröffnungen: Die Pädagogen verlangten für die Klassenräume viel Tageslicht und gute Belüftung. Der rote Backstein und die spitzbogigen Details gehören nicht zu einer musealen Dekoration, sondern zum ursprünglichen Schulgebäude.
Tove Jansson besuchte diese Schule von neunzehnhunderteinundzwanzig bis neunzehnhundertdreißig. Nach drei Jahren in Stockholm setzte sie ihre künstlerische Ausbildung in Helsinki und Paris fort und arbeitete als Illustratorin, Malerin und Karikaturistin. Im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig erschien das erste Buch über die Mumins. Das Zeichnen, das ein Teil der Lehrer nicht für ihre Stärke hielt, wurde zu ihrem Handwerk und ihrer Einkommensquelle.
Nach mehreren Zusammenschlüssen verließ die Schule das Haus im Jahr neunzehnhundertsiebenundsiebzig. Der Architekt Olli Borg verwandelte die Klassenräume in Ausstellungssäle, und am zwölften Juni neunzehnhundertneunundsiebzig eröffnete hier das Kunstgewerbemuseum. Seine Sammlung begann mit siebenhundertzweiunddreißig Gegenständen, die auf der Weltausstellung 1873 in Wien für die Ausbildung künftiger Kunsthandwerker gekauft worden waren. Die Lehrsammlung zog in die frei gewordene Schule ein.
Im Januar zweitausendvierundzwanzig wurde dieses Museum mit dem Museum für Finnische Architektur zusammengelegt. So entstand der heutige Name: Architektur- und Designmuseum Helsinki. Die Mitarbeiter sammeln und erforschen Gegenstände, Zeichnungen, Fotografien, Archive und Architekturmodelle und veranstalten Dauer- und Wechselausstellungen.
Bis zum ersten November zweitausendsechsundzwanzig läuft in Janssons ehemaliger Schule die Ausstellung „Flucht ins Mumintal“ über die Räume, die sie für ihre Figuren erfand. Im Museumsstudio erlernen Besucher anhand ihrer Arbeiten den Umgang mit Tusche und Aquarell. Das Zeichnen ist in dasselbe Haus zurückgekehrt – nun als Gegenstand des Unterrichts und der Ausstellung.
Praktisch vor Ort
Di 11:00–20:00, Mi–So 11:00–18:00, Mo geschlossen; die Öffnungszeiten können sich an Veranstaltungstagen ändern.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Ausstellungen erfordern einen gesonderten Besuch; ist das Museum nicht zugänglich, trägt die Außenbesichtigung der ehemaligen Schule die Erzählung dennoch.
