Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das Eingangstor des Gravensteen
- Zwei Straßenlaternen
- Die Fassaden rund um den Platz
Die Geschichte des Ortes
Am Eingangstor des Gravensteen liegt der Platz, auf dem das Schlossgericht zur Stadt hinausging. Im Inneren tagte der Rat von Flandern, und vor den Mauern vollstreckte man seine Urteile vor den Augen der Stadtbewohner; diese Ordnung bestand vom Beginn des fünfzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Die Südseite nahm einst die Hofkirche der heiligen Schutzpatronin von Gent ein, und ihr Name blieb im Namen des Platzes erhalten. Die Kirche selbst gibt es längst nicht mehr, doch Fragmente ihrer Mauern sind an der Kaimauer und in den Kellern benachbarter Häuser erhalten.
Am vierten August tausendfünfhundertvierundachtzig bestieg Jan van Hembyze das Schafott am Gravensteen – einer der Anführer der Calvinistischen Republik Gent, der heimlich über die Übergabe der belagerten Stadt an den Herzog von Parma verhandelte. Noch kurz zuvor hatte er über das Schicksal Gents bestimmt. Nun stand er wegen Verrats vor Gericht.
Ein Jahr zuvor war Gent von Lebensmittelzufuhren nahezu abgeschnitten. Alexander Farnese, Herzog von Parma und Statthalter des spanischen Königs, besetzte benachbarte Städte. Die Ältesten von Gent holten Hembyze aus dem Exil zurück: Der erfahrene Politiker und Anführer der radikalen Calvinisten sollte die Verteidigung organisieren.
Hembyze stammte aus einer reichen Patrizierfamilie und wohnte in der angesehenen Residenz Hof van Wackene. Er war etwa siebzig Jahre alt. Im Dezember tausendfünfhundertdreiundachtzig heiratete er Anna van Huerne, die noch nicht dreißig war. Ihr Vater war im Rat von Flandern tätig – dem obersten Gericht, das im Gravensteen tagte. Für beide Familien festigte diese Ehe ihre Stellung in der neuen städtischen Ordnung.
Die Blockade dauerte an, Hilfe kam nicht. Hembyze begann eigene Verhandlungen mit dem Herzog von Parma und versuchte, ihm Gent zu übergeben. Die Briefe wurden abgefangen. Im März wurde Hembyze verhaftet; aus der Haft bat er Anna, für sich selbst zu sorgen und die Geldangelegenheiten zu regeln. Sie war schwanger, und er begriff bereits, dass er das Kind nicht sehen würde.
Die Hinrichtung fand genau hier statt, weil der Sint-Veerleplein als offener Platz beim Gericht und Gefängnis im Gravensteen diente. Von tausendvierhundertsieben bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts vollstreckte man hier die Urteile des Rats von Flandern. Das Schafott wurde vor dem Schloss errichtet, damit die Strafe öffentlich vollzogen wurde. Auf Urteil hin wurde Hembyze mit dem Schwert enthauptet, sein Kopf eine Stunde lang auf einem Pfahl ausgestellt und sein Körper auf dem Gerüst zurückgelassen. Seine Verhandlungen scheiterten, doch die Belagerung endete nicht: Nach sechs Wochen unterzeichnete Gent dennoch ein Abkommen mit dem Herzog von Parma.
Am dreizehnten Oktober brachte Anna eine Tochter zur Welt. Das Mädchen wurde noch am selben Tag als Anna van Imbize, Tochter von Jan van Hembyze, getauft. Über das weitere Schicksal des Kindes schweigen die Dokumente.
Der Name des Platzes geht auf ein anderes verschwundenes Bauwerk zurück. Veerle ist der flämische Name von Pharaïldis, einer Heiligen des achten Jahrhunderts und Schutzpatronin von Gent. An der Südseite des Platzes stand die ihr geweihte Sint-Veerlekerk, in der die Kanoniker Teile ihrer Reliquien aufbewahrten. Die Kirche wurde tausendsiebenhundertsechsunddreißig endgültig abgerissen; von ihr blieben Mauerfragmente an der Kaimauer und in den Kellern benachbarter Häuser, und ihr Name blieb im Namen Sint-Veerleplein erhalten – dem Platz der heiligen Veerle.
Im Jahr zweitausendelf schloss der Künstler Alberto Garutti zwei der hiesigen Straßenlampen an vier Genter Geburtsstationen an. Nach der Geburt eines Kindes können die Eltern dort einen Knopf drücken, und das Licht auf dem Platz beginnt langsam zu pulsieren. Auch Anna van Huerne bekam zwei Monate nach der Hinrichtung des Vaters an diesem Ort eine Tochter.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist rund um die Uhr geöffnet. Die Lampen „Ai Nati Oggi“ schalten sich bei der Geburt eines Kindes in Gent automatisch ein.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Hören Sie die Erzählung dort, wo Sie den Durchgang und den Betrieb der Lokale nicht stören. Das Pulsieren der Laternen ist mit Geburten verbunden und kann während Ihres Stopps ausbleiben.
