Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fresken mit Geschichten des Apostels Petrus
- Altarikone der Madonna del Popolo
- Teilweise gemalte Figuren
- Die lange Szene mit Petrus auf dem Thron
Die Geschichte des Ortes
Im Inneren der Karmelitenkirche befindet sich eine Familienkapelle, die dem Apostel Petrus geweiht ist. An ihren Wänden folgen Episode auf Episode aus seinem Leben: die Heilung von Kranken, die Münze aus dem Maul eines Fisches, Gefängnis und Befreiung. Reiche Familien des Oltrarno beteten hier für ihre Verstorbenen und bestatteten Angehörige, und die in Auftrag gegebenen Ausmalungen erinnerten die Stadtbewohner daran, wer für diesen Raum bezahlt hatte. In der langen Szene mit Petrus auf dem Thron sind teilweise gemalte Figuren zu erkennen: Einige Teile der Fresken ergänzte viele Jahre später Filippino Lippi; auf dem Altar steht eine verehrte Ikone der Madonna del Popolo.
Felice Brancacci gab die Ausmalung der Familienkapelle in Auftrag, als sein Name ihm die Türen der florentinischen Räte öffnete. Wenige Jahre später war derselbe Name der Grund, aus dem die Mönche anordneten, die Gesichter seiner Verwandten und Anhänger von den Wänden zu entfernen.
Die Kirche Santa Maria del Carmine ist eine Kirche der Karmeliten. „Carmine“ bedeutet Karmel: den Berg im Heiligen Land, mit dem der Orden seinen Ursprung und die Verehrung der Gottesmutter verbindet. Die Brancacci lebten im Oltrarno und unterhielten hier seit dem Ende des vierzehnten Jahrhunderts eine eigene Kapelle. Einer reichen Familie diente ein solcher Raum als Ort für Gottesdienst und Bestattung, und die Wände erinnerten die Stadtbewohner daran, wer dafür zahlte.
Felice handelte mit Seidenstoffen, besaß Ländereien und wirkte an der Regierung der Republik Florenz mit. Im Jahr vierzehnhundertdreiundzwanzig, nach seiner Rückkehr von einer Handelsgesandtschaft nach Ägypten, beauftragte er Masolino und den jungen Masaccio, die Kapelle mit Geschichten des Apostels Petrus auszumalen. Sie war Petrus von Anfang an geweiht: Die Familie betrachtete ihn als ihren Schutzpatron. Deshalb heilt Petrus an den Wänden Kranke, bezahlt die Steuer mit einer Münze aus dem Maul eines Fisches, verteilt das Vermögen der Gemeinde, gerät ins Gefängnis und kommt wieder heraus.
Beide Maler verließen Florenz, ohne die Arbeit zu vollenden. Bald geriet die unvollendete Ausmalung in einen städtischen Konflikt. Brancacci schloss sich einer Gruppe adeliger Familien an, die die Verbannung von Cosimo Medici erreichte, einem reichen Bankier und wichtigsten Gegner dieser Gruppe in der Stadtregierung. Ein Jahr später kehrte Cosimo zurück, und seine Gegner befanden sich selbst außerhalb von Florenz. Felice hielt Kontakt zu Menschen, die mit Hilfe des Herzogs von Mailand einen Umsturz vorbereiteten.
Er wurde angewiesen, zehn Jahre in Kapodistria – dem heutigen slowenischen Koper – zu leben und sich alle zwei Monate bei florentinischen Beamten zu melden. Felice fügte sich nicht. Er wurde zum Rebellen erklärt; sein Eigentum und sein Recht, in die Stadt zurückzukehren, waren bedroht. Er starb vor dem Jahr vierzehnhundertneunundvierzig im Exil und sah seine Kapelle nicht wieder.
Nach seinem Sturz ordneten die Karmeliten an, die Darstellungen von Menschen zu entfernen, die mit Brancacci verbunden waren. Alle zerstörten Porträts lassen sich heute nicht genau benennen. In der langen Szene „Auferweckung des Sohnes des Theophilus und der heilige Petrus auf dem Thron“ bricht Masaccios Arbeit bei teilweise gemalten Figuren ab. Forschende halten es für möglich, dass einige Gesichter nach der Verurteilung des Auftraggebers abgeschlagen wurden; es bleibt auch die vorsichtigere Erklärung, dass der Künstler sie vor seiner Abreise nach Rom unvollendet ließ.
Eine andere Entscheidung der Mönche ist genau bekannt. Im Jahr vierzehnhundertsechzig weihten sie die Kapelle der Madonna del Popolo, der Gottesmutter des Volkes, und stellten eine verehrte Ikone aus dem dreizehnten Jahrhundert auf den Altar. Der Name der in Ungnade gefallenen Familie verschwand aus der Bestimmung des Raums, und der unvollendete Zyklus des heiligen Petrus blieb an den Wänden.
Erst in den Jahren vierzehnhunderteinundachtzig bis vierzehnhundertdreiundachtzig ergänzte Filippino Lippi die beschädigten und fehlenden Teile. In einer Szene stehen nun Figuren nebeneinander, die mit einem Abstand von mehr als einem halben Jahrhundert entstanden: Die unteren Partien begann Masaccio, die Fortsetzung führte Filippino aus.
An den Wänden der Kapelle verlaufen weiterhin die von Felice in Auftrag gegebenen Geschichten des heiligen Petrus. Auf dem Altar steht die Madonna del Popolo, die nach seiner Verurteilung hierhergebracht wurde. Und der Raum, den die Mönche umbenannten, heißt wieder Brancacci-Kapelle.
Praktisch vor Ort
Brancacci-Kapelle: Montag, Mittwoch—Samstag 10:00—17:00; Sonntag 13:00—17:00; Dienstag geschlossen. Letzter Einlass etwa 16:00 oder nach der Ticketregel 45 Minuten vor Schließung.
Öffnungszeiten nach Tagen
Planen Sie die Brancacci-Kapelle als eigenen Besuch ein und prüfen Sie den Zugang im Voraus. Rechnen Sie nicht damit, die Fresken allein deshalb zu sehen, weil die Hauptkirche geöffnet ist.
