Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das untere Geschoss bis zur ersten Galerie
- Steinbänder mit Inschriften
- Die hellen oberen Ebenen
- Auskragende Balkone
Die Geschichte des Ortes
In das untere Geschoss des Qutb Minar sind nicht die Titel seines Erbauers eingemeißelt, sondern die seines Herrn. Als Qutb ad-Din Aibak mit diesem Turm begann, diente er noch dem ghuridischen Sultan Muhammad Ghuri. Aibak war ein gekaufter Krieger: Als Junge wurde er in Nischapur verkauft, im Reiten und im Umgang mit Waffen ausgebildet und dann weiterverkauft – nun an Ghuri. Er lebte vom Militärdienst und hing vom Vertrauen seines Herrn ab. Auf Feldzügen stieg Aibak von einem Menschen, über den andere verfügten, zu einem Befehlshaber auf, der über Armeen verfügte.
Im Jahr eintausendeinhundertzweiundneunzig besiegte Muhammad Ghuri den Rajputenkönig Prithviraj Chauhan. Aibak nahm Delhi ein und richtete hier die Hauptfreitagsmoschee der neuen muslimischen Gemeinschaft ein. An ihrer südöstlichen Ecke ließ er um eintausendeinhundertneunundneunzig ein Minarett anbauen. Von den Balkonen sollte der Muezzin die Gläubigen zum Gebet rufen. Für eine einzige menschliche Stimme waren zweiundsiebzig Meter Höhe übermäßig. Aibak ahmte die ihm aus Afghanistan vertrauten ghuridischen Türme nach und rechnete damit, dass über der ehemaligen Festung der Chauhan-Dynastie das Zeichen des Sieges seines Sultans von weitem sichtbar sein würde. Deshalb preisen die Steinbänder des ersten Geschosses Muhammad Ghuri. Aibak selbst wird dort als Befehlshaber des Heeres bezeichnet.
Im Jahr eintausendzweihundertsechs wurde Muhammad Ghuri ermordet. Seine Heerführer begannen, die indischen Besitzungen aufzuteilen, und Aibak erklärte sich zum Herrscher. Die Vollendung des Turms konnte nun einen anderen Sinn erhalten: Der ehemalige Sklave baute bereits für seine eigene Dynastie. Doch vier Jahre später stürzte er beim Polospiel vom Pferd und starb in Lahore. Über Delhi blieb ein einziges fertiges Geschoss zurück, das mit der ersten auskragenden Galerie endete.
Die Arbeit setzte Shams ad-Din Iltutmish fort – ein weiterer Mann, der als Sklave nach Indien gebracht worden war. Aibak selbst kaufte ihn, zog ihn dann an seinen Hof, verheiratete ihn mit seiner Tochter und ernannte ihn zum Statthalter von Badaun. Die Verwandtschaft machte Iltutmish nicht zum unumstrittenen Erben. Nach Aibaks Tod erhoben die Adligen von Lahore Aram-Schah auf den Thron, während die Adligen von Delhi Iltutmish riefen. Im Jahr eintausendzweihundertelf trafen die beiden Thronanwärter bei der Stadt aufeinander. Iltutmish siegte; Aram-Schah wurde getötet.
Auch danach erkannten viele frühere Gefährten Aibaks den neuen Sultan nicht an. Iltutmish brauchte Jahre, um seine Rivalen zu besiegen und Delhi zu halten. Zugleich errichtete er über dem Geschoss seines früheren Herrn mehrere weitere Stockwerke. In seinen Inschriften pries der Turm bereits Iltutmish selbst als eigenständigen Herrscher. Um eintausendzweihundertneunundzwanzig wurde der Bau vollendet; zugleich sandte der abbasidische Kalif Iltutmish eine Urkunde, die ihn als Sultan anerkannte. Das begonnene Denkmal der ghuridischen Eroberung wurde von einem Mann vollendet, der ein eigenständiges Sultanat von Delhi behauptet hatte.
Wem zu Ehren der Turm seinen heutigen Namen erhielt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Meist wird er mit Qutb ad-Din Aibak verbunden. Eine alte örtliche Überlieferung nannte als Namensgeber einen anderen Qutb – den Sufi-Lehrer Iltutmishs, Qutb ad-Din Bakhtiyar Kaki, der in Mehrauli lebte. Verehrer nannten das Minarett den Stab des heiligen Qutb. Diese Erinnerung setzte sich erst nach dem Bau fest, daher können Historiker nicht sicher zwischen dem Krieger und dem Sufi wählen.
Das erste Geschoss bis zur unteren Galerie gehört zu Aibaks Entwurf. Darüber sind die von Iltutmish errichteten Stockwerke erhalten; die zwei hellen obersten Ebenen errichteten spätere Sultane nach einem Blitzschlag. Auf den unteren Steinbändern blieben die Namen von Aibaks Herrn erhalten, darüber die Titel von Aibaks ehemaligem Sklaven Shams ad-Din Iltutmish, der den Turm vollendete und seinen früheren Herrn in Lahore begrub.
Praktisch vor Ort
ASI gibt die Öffnungszeiten des Qutb Minar-Komplexes an: von Sonnenaufgang bis 20:00; prüfen Sie vor dem Besuch das offizielle E-Ticket.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Ein Aufstieg ins Innere ist nicht möglich. Um die Silhouette vollständig zu sehen und die oberen Geschosse zu unterscheiden, gehen Sie vom Fuß weg und stehen Sie nicht direkt am Turm.
