Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerner Glockenturm
- Langhaus aus Lehmziegeln
- Fragment einer Inkawand
Die Geschichte des Ortes
Das Langhaus aus Lehmziegeln und der steinerne Glockenturm gehören zu der Kirche, die nach dem Erdbeben errichtet wurde, das die frühere Kapelle zerstörte. Diese stand am Haus des Inkafürsten und diente seinem Hof. Der Eingang weist zum Platz von Colcampata, und im Inneren ist ein Abschnitt der alten Inkawand offen gelassen: Das spätere Gotteshaus entstand direkt in dem Viertel, das schon zuvor hier bestanden hatte.
Die erste Kapelle an diesem Ort ließ Paullu Túpac Inca errichten – ein Sohn des Herrschers Huayna Cápac. Nach der spanischen Eroberung setzte er sich dafür ein, dass ihm sein Haus in Colcampata, dem Inka-Viertel an diesem Hang, die ihm verliehenen Ländereien und das Recht erhalten blieben, sie seinem Sohn zu übertragen. Sein Einkommen stammte unter anderem aus dem Repartimiento Hatun Cana: So nannte man das von den Spaniern eingeräumte Recht, von zugewiesenen Gemeinden Tribut zu beziehen.
Paullu erhielt all dies, indem er im Krieg gegen seinen Halbbruder Partei ergriff. Im Jahr eintausendfünfhundertsechsunddreißig belagerte Manco Inca, der Anführer des Aufstands, die Spanier in Cuzco und versuchte, die Stadt zurückzuerobern. Paullu unterstützte den Konquistador Diego de Almagro, der mit seinem Heer von einem Feldzug in Chile zurückkehrte. Er überredete Mancos Krieger, nach Hause zu gehen oder sich Almagro anzuschließen. Die Belagerung brach zusammen, Manco zog sich nach Vilcabamba zurück, und Almagro erklärte Paullu zum Inka im spanisch kontrollierten Cuzco.
Das Bündnis hätte Paullu beinahe selbst zugrunde gerichtet. Almagro verlor den Krieg gegen andere Konquistadoren, die Pizarro-Brüder, und wurde hingerichtet. Paullu wechselte erneut die Seite. Er hatte bereits gesehen, wie die Spanier Inkafürsten töteten, damit ihr Gegner keinen von ihnen zum Herrscher ausrufen konnte. Nun waren sein Leben, Colcampata und die Einkünfte seiner Familie bedroht. Im Jahr eintausendfünfhundertvierzig sammelte Paullu Zeugnisse über seine Dienste für die spanische Krone. Darin verschwieg er die Kämpfe auf der Seite des unterlegenen Almagro. Die danach erhaltenen königlichen Urkunden sicherten ihm Colcampata, und die Spanier erkannten seinen Sohn als Erben an.
Der nächste Schritt war die Taufe. Der königliche Richter Cristóbal Vaca de Castro, von dem Paullus Stellung in der neuen Ordnung abhing, erklärte sich bereit, sein Taufpate zu werden. Der Inkafürst erhielt den Namen Cristóbal. Mit ihm ließen sich seine Frau, die Catalina Tocto Ussica wurde, Verwandte und vornehme Anhänger taufen.
Paullu errichtete die Kapelle neben seinem Haus. Hier bereiteten Priester und Mönche seine Verwandtschaft und Menschen aus seinem Umfeld auf die Taufe vor, lehrten sie Gebete und, wenn sie es wollten, Lesen und Schreiben. Die Fähigkeit, spanische Urkunden zu lesen, ermöglichte es, Landurkunden, Erbschaften und Tribute zu regeln. Die Kapelle diente dem gesamten Hof, dessen Zukunft Paullu gerade in den Dokumenten der Sieger festgeschrieben hatte.
Kirchlich weihte man sie dem Heiligen Christophorus – einem frühchristlichen Märtyrer, den die Überlieferung mit dem Christuskind über einen Fluss tragend darstellt. Die Namenswahl hing sowohl mit dem Gründer selbst als auch mit seinem Taufpaten Vaca de Castro zusammen. So wich der Inka-Name dieses Ortes, Colcampata, in der Alltagssprache allmählich der Bezeichnung Iglesia de San Cristóbal.
Nach Paullus Tod erbte sein Sohn Carlos Inca das Haus und unterhielt die Kapelle. Ende der fünfziger Jahre des sechzehnten Jahrhunderts machte man sie zu einer Pfarrei für die indigenen Bewohner dieses Viertels. Die Pfarrei besteht noch heute, und die Figur des Heiligen Christophorus wird von hier zum städtischen Fronleichnamsfest getragen.
Die Kapelle, die Paullu sah, steht nicht mehr vor uns. Das Erdbeben des Jahres eintausendsechshundertfünfzig zerstörte sie; das heutige Langhaus aus Lehmziegeln und der steinerne Glockenturm wurden später errichtet. Erhalten blieb die Lage selbst: Die Türen der Iglesia de San Cristóbal weisen weiterhin zum Platz von Colcampata, neben der ehemaligen Residenz des Fürsten. Im Inneren ist unter dem späteren Gotteshaus ein Fragment der ursprünglichen Inkawand zur Besichtigung offen gelassen.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Raum; gehen Sie tagsüber, schonen Sie beim Aufstieg den Atem und blockieren Sie keine engen Durchgänge.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie die Kirche zunächst vom Platz aus: Der heutige Turm entstand deutlich später als die erste Kapelle. Betrachten Sie den Zugang ins Innere nicht als notwendig, um diese Station zu verstehen.
