Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Lebensgroße Figuren
- Muschelschalen im Tabby
- Flaches Becken
- Stahlstreifen
Die Geschichte des Ortes
An der Stelle des verschwundenen Gadsden’s Wharf liegt ein Gedenkgarten zur Erinnerung an gefangene Afrikaner, die im Charleston Harbor an Land gesetzt wurden. Den Verlauf des früheren Kais fand man in Archivkarten; die gerade Kante eines flachen Beckens und ein Stahlstreifen zeichnen ihn nach. Im Wasser liegen namenlose menschliche Figuren aus Tabby, das aus Kalk, Sand und gemahlenen Austernschalen gemischt wurde. Das Wasser steigt und weicht zurück wie bei der Flut, sodass die Reliefs mal unter ihm verschwinden, mal vollständig hervortreten.
Im Januar zweitausendsechzehn kam der Landschaftsarchitekt Walter Hood an die Küste von Charleston, um eine schwierige Aufgabe zu lösen: Wie gibt man Menschen ihr menschliches Maß zurück, die in Hafendokumenten als Fracht erfasst wurden? Drei Tage lang untersuchte er gemeinsam mit örtlichen Historikern, Archäologen, Künstlern und Aktivisten das Gelände und besprach den künftigen Garten. Anschließend entwarf er neunundzwanzig Varianten.
Entscheidend wurde eine Idee, die ihm eine kleine Ausstellung auf Sullivan’s Island eingegeben hatte. Dort sah Hood die berühmte Darstellung des Sklavenschiffs Brookes: Menschliche Figuren liegen im Laderaum in Reihen, Kopf an Fuß. Britische Gegner des Sklavenhandels verbreiteten diese Zeichnung im Jahr tausendsiebenhundertachtundachtzig, um die Bedingungen des Transports ohne beschönigende Worte und anständige Formulierungen zu zeigen.
In die Darstellung passten vierhundertvierundfünfzig Menschen – so viele durfte man nach einem neuen britischen Gesetz an Bord nehmen. Zugleich berichtete ein Zeuge, dass die Brookes zuvor sechshundertneun Gefangene transportiert hatte. Die Zeichnung war kein Porträt der Passagiere einer einzelnen Fahrt. Ihre Urheber nahmen die Maße des Schiffs und füllten die zugewiesene Fläche mit menschlichen Körpern. So entstand ein Bild, in dem die Berechnung des Schiffseigners auf den ersten Blick verständlich wurde.
Hood übertrug diese Darstellung an einen Ort, an dem solche Schiffe tatsächlich nur wenige Schritte vom Ufer entfernt lagen. Die Figuren der Komposition Tidal Tribute sind in voller menschlicher Größe ausgeführt. In den Reliefs sind Muschelschalen zu erkennen: Sie wurden dem Tabby zugesetzt, einem örtlichen Beton aus Kalk, Sand und zerkleinerten Austernschalen. Hood wollte erreichen, dass das frühere kleine Bild aus einem Buch einen Raum neben dem Menschen einnimmt.
Die Figuren haben weder Gesichter noch Namen. Jede steht für einen Mann, eine Frau oder ein Kind unter den gefangenen Afrikanern, die über den Atlantik gebracht und im Charleston Harbor an Land gesetzt wurden. Die Organisatoren nannten diesen Ort African Ancestors Memorial Garden, weil ein Teil der Ankommenden überlebte, Familien gründete und Handwerke, Wissen und die Erinnerung an die Vorfahren an die Kinder weitergab. Die Nachkommen dieser Menschen leben in Charleston und weit darüber hinaus; nur selten lässt sich feststellen, wer von ihnen genau diesen Kai passiert hat.
Das Wasser im flachen Becken steigt und sinkt in einem Zyklus, der an die Gezeiten erinnert. Mal verdeckt es die Reliefs, mal lässt es die Körper vollständig sichtbar werden. Die gerade Kante des Beckens und der Stahlstreifen markieren die frühere Grenze von Gadsden’s Wharf, die anhand alter Karten rekonstruiert wurde. Der Kai selbst ist hier nicht mehr vorhanden. Auf seiner Linie liegen die Figuren, die Hood aus der Schiffszeichnung in menschliche Größe übertragen hat.
Praktisch vor Ort
Der Garten wird vom Museum als stets kostenlos und öffentlich zugänglich angegeben; bei Museumsveranstaltungen, Wetter und Arbeiten kann der Zugang eingeschränkt sein.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Das Wasser kann die Figuren teilweise verdecken; beobachten Sie sie von den Wegen aus und achten Sie nach Regen auf nasse Oberflächen.
